Alle Artikel > Die Digitalisierung schweißt die Gesundheitsbranche zusammen

Die Digitalisierung schweißt die Gesundheitsbranche zusammen

20.01.2017

von Hermann Bärenfänger

Auf dem Podium des Kongresses Vernetzte Gesundheit am 18. Januar in Kiel waren sich Vertreter von niedergelassenen Ärzten, Krankenhäusern, Krankenkassen und Politik vor rund 250 Teilnehmern einig: Die Digitalisierung und Vernetzung im Gesundheitswesen bietet allen Beteiligten – vom Leistungserbringer über Kostenträger bis zum Patienten – viele Chancen, die allerdings nur genutzt werden können, wenn möglichst viele Beteiligte mitziehen. Wirtschaftsminister Reinhard Meyer betonte die Bedeutung der Gesundheitsbranche, von der in Schleswig-Holstein jeder siebte Arbeitsplatz abhängt: „Wir müssen gemeinsam die Chancen erkennen und auch nutzen“, so der Minister.

 

Großflächige Vernetzung zum Nutzen des Patienten

Welche große Rolle bei Neuerungen die Faktoren Nutzen und Risiken spielen, machte die auf dem Kongress präsentierte Plattform med.netz.nord deutlich: Über 1.000 Ärzte, Krankenhäuser und Labore kooperieren hier, um auf einer gesicherten Plattform Befunde, Arztbriefe und Diagnosen austauschen zu können, damit Patienten schnell von Untersuchungsergebnissen profitieren können. Überall dort, wo Krankenhäuser und Labore ansässig sind, machen bereits viele niedergelassene Ärzte mit, weil der Nutzen der elektronischen Kommunikation – in die Patientenakte des Arztes hinein – bequem, schnell und verwechslungssicher ist. Jetzt soll sich das Netzwerk Stück für Stück schließen, bis alle Beteiligten überzeugt sind und am Ende auch mitmachen.

Unterstützung der Migräne-Therapie per App

Ein weiterer Höhepunkt der Veranstaltung war die Vorstellung der im November 2016 gelaunchten Migräne-App, die an der Schmerzklinik Kiel unter der Leitung von Professor Dr. Hartmut Göbel entwickelt wurde und seither in Kooperation mit der TK bundesweit zur Verfügung gestellt wird. Mit der App können bereits jetzt über 10.000 Patienten ihre Schmerzattacken dokumentieren, Medikamenteneinnahmen per Smartwatch notieren und sich Tipps für den richtigen Zeitpunkt der Medikamenteneinnahme holen oder direkt in dem Programm Übungen zur progressiven Muskelentspannung absolvieren. Die App steht weltweit für iOS im iTunes-Store kostenlos zum Download zur Verfügung. Eine Version für Android ist bereits im Frühjahr 2017 geplant.

 

Wie die Migräne-App funktioniert und welchen Mehrwert sie für Kopfschmerz-Patienten bietet, erklärt Professor Dr. Hartmut Göbel auf Wir Techniker in seinem Gastbeitrag.

„Arbeit – Mensch – Gesundheit: Harmonischer Dreiklang oder unauflösbarer Widerspruch?“

Ebenfalls im großen Forum diskutierten die Experten am zweiten Tag die Auswirkungen der Digitalisierung auf den Arbeitsalltag. Mit auf dem Podium: Dr. Johann Brunkhorst, Leiter der TK-Landesvertretung Schleswig-Holstein. Er betonte, man dürfe sich nicht einfach die Frage stellen, in welcher Weise Arbeit die Menschen krank macht, sondern man müsse im Gegenteil Antworten finden, wie man am Arbeitsplatz gesund bleiben kann. Hier müsse das Betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM) ansetzen.

 

Die Diskutanten – von Vertretern der Berufsgenossenschaften bis hin zu Klinikchefs – waren sich einig, dass es vor allem eine Frage des richtigen Vorbilds und der Personalführung sei, die für Gesundheit in Betrieben sorge. Denn am Arbeitsschutz mangele es im Allgemeinen nicht.

Innovationen müssen schneller im Gesundheitsalltag ankommen

Ein weiterer Schwerpunkt des Tages war die Frage, wie Innovationen schneller im Gesundheitsalltag ankommen können. Auf der Industrieseite gebe es Jahr für Jahr tausende Angebote – eine Menge, die oft nicht auf die Bedürfnisse des deutschen Gesundheitsmarktes übertragbar sei. Vertreter der Krankenkassen und Industrie diskutierten, wie es gelingen kann, hier schneller zu realisierbaren Ergebnissen zu kommen und welchen Anforderungen zum Beispiel Gesundheits-Apps genügen müssen. Daniel Cardinal, Leiter des Geschäftsbereichs Versorgungsinnovation bei der TK, erklärte:

„Wir sind in einer Welt der zwei Geschwindigkeiten unterwegs“

Die eine Welt sei die regulatorische mit einer Logik der evidenzbasierten Zulassung, die andere der Start-Up-Markt mit einer Geschwindigkeit, die die Realität regelmäßig überholt. „Diese Welten müssen wir annähern“, so Cardinal.

 

Die Zukunft der Gesundheit ist digital

Der Tag endete in großem Einvernehmen und mit einem Votum für die Chancen der Digitalisierung. Diese Einstimmigkeit der Gesundheitsbranche wäre wohl vor zehn Jahren vor der Einführung des ersten Smartphones undenkbar gewesen. „Ich weiß nicht, ob ich meinen über 80 Jahre alten Eltern heute mit einem Pflegeroboter kommen könnte“, so Wirtschaftsminister Reinhard Meyer. Doch die Zukunftstechnologien richten sich an kommende Generationen. Und die Generation „Alexa“ und „Siri“ wird sich später nicht wundern, wenn Medikamente künftig per Drohne kommen oder der Roboter das Essen serviert. Daran gab es für die Beteiligten keinen Zweifel.


tk-foto_hermann_baerenfaenger_tk-pressereferentHermann Bärenfänger berichtete aus Kiel. Wenn er nicht gerade Kongresse und Fachmessen besucht, kümmert er sich in der Hamburger TK-Unternehmenszentrale als Pressereferent um Versorgungsthemen, E-Health und Telematik.

Kommentieren Sie als Erster diesen Artikel

    Weitere Artikel aus den Sammlungen „#SmartHealth“, „Presse und Politik“

    0

    Investitionsstau auf dem Klinikflur – das sagen Selbstverwalter dazu

    Investitionsstau auf dem Klinikflur - das sagen Selbstverwalter dazu

    14.12.2018

    Joachim Feldmann ist Arbeitgebervertreter im Verwaltungsrat der TK und Mitglied des Finanzausschusses. Im Interview erläutert er, warum das Gremium den Umgang mit GKV-Geldern im Krankenhaus kritisch sieht.

    Joachim Feldmann ist Arbeitgebervertreter im Verwaltungsrat der TK. Im Interview erläutert er, warum das Gremium den Umgang mit GKV-Geldern im Krankenhaus kritisch sieht.

    Artikel jetzt lesen
    0

    TK-Safe: „Jeder hat seinen persönlichen Schlüssel“

    "Jeder hat seinen persönlichen Schlüssel"

    05.12.2018

    Digitale Gesundheitsakten waren das große Thema bei der TK-Fachveranstaltung #Bremengoesdigital. Zentraler Punkt dabei: der Datenschutz. Wir haben Ronald Fritz, Executive IT-Architekt von IBM Deutschland, zu unserer Zusammenarbeit bei TK-Safe befragt. Und zu seinem persönlichen Gesundheitsmanagement.

    Digitale Gesundheitsakten waren das große Thema bei der TK-Fachveranstaltung #Bremengoesdigital. Zentraler Punkt dabei: der Datenschutz. Wir haben Ronald Fritz, Executive IT-Architekt von IBM Deutschland, zu unserer Zusammenarbeit bei TK-Safe befragt. Und zu seinem persönlichen Gesundheitsmanagement.

    Artikel jetzt lesen
    0

    Herr Baas, macht Künstliche Intelligenz Ärzte in Zukunft überflüssig?

    Macht KI Ärzte in Zukunft überflüssig?

    28.11.2018

    Das Gesundheitswesen steht vor einer Revolution: In keiner anderen Branche sind die Erwartungen an Künstliche Intelligenz (KI) so hoch wie in der Medizin. TK-Chef Dr. Jens Baas über die medizinische Versorgung der Zukunft.

    In keiner anderen Branche sind die Erwartungen an Künstliche Intelligenz so hoch wie in der Medizin. TK-Chef Dr. Jens Baas über die medizinische Versorgung der Zukunft.

    Artikel jetzt lesen
    0

    Mein Freund, der Roboter: Altenpflege 4.0

    Mein Freund, der Roboter: Altenpflege 4.0

    23.11.2018

    Wie sieht die Pflege der Zukunft aus? Wer kümmert sich um uns, wenn wir es selbst nicht mehr können? Mit diesen Fragen hat sich das 7. MEDICA ECON FORUM by Techniker Krankenkasse befasst. Die Prognosen klingen ernüchternd: Es gibt immer mehr alte Menschen, aber nicht genügend Pflegepersonal. Können Pflege-Roboter helfen?

    Wie sieht die Pflege der Zukunft aus? Wer kümmert sich um uns, wenn wir es selbst nicht mehr können? Mit diesen Fragen hat sich das 7. MEDICA ECON FORUM by Techniker Krankenkasse befasst.

    Artikel jetzt lesen
    0

    MEDICA ECON FORUM 2018: Das sind die Top-Themen

    MEDICA ECON FORUM 2018: Das sind die Top-Themen

    12.11.2018

    Bereits zum 7. Mal lädt die TK im Rahmen der weltgrößten Medizinmesse zum MEDICA ECON FORUM. Spannende Diskussionen und Vorträge drehen sich um neue Trends im Gesundheitswesen. Hier gibt es die wichtigsten Themen im Überblick.

    Bereits zum 7. Mal lädt die TK im Rahmen der weltgrößten Medizinmesse zum MEDICA ECON FORUM. Hier gibt es die wichtigsten Themen im Überblick.

    Artikel jetzt lesen
    1

    Brennpunkt Pflege: „Wir müssen möglichst früh ansetzen“

    Brennpunkt Pflege: "Möglichst früh ansetzen"

    08.11.2018

    Thomas Ballast, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der TK, spricht anlässlich der Berliner Pflegekonferenz über PPSG, Finanzierbarkeit und mögliche Lösungen für die Zukunft der Pflege.

    Thomas Ballast, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der TK, spricht anlässlich der Berliner Pflegekonferenz über PPSG, Finanzierbarkeit und mögliche Lösungen für die Zukunft der Pflege.

    Artikel jetzt lesen
    0

    Demenz: Krankheit ohne Heilung?

    Demenz: Krankheit ohne Heilung?

    25.10.2018

    1,7 Millionen Menschen in Deutschland leben mit Demenz. Noch immer gilt die Krankheit als unheilbar - wirksame Medikamente gibt es bislang nicht. Grund genug, sich mit dieser Thematik genauer zu beschäftigten und die Versorgung von Betroffenen zu diskutieren.

    1,7 Millionen Menschen in Deutschland leben mit Demenz. Noch immer gilt die Krankheit als unheilbar - wirksame Medikamente gibt es bislang nicht. Grund genug, die Versorgung von Betroffenen zu diskutieren.

    Artikel jetzt lesen
    0

    Fit für eSport?

    Fit für eSport?

    22.10.2018

    Um die 60 eingetragene Vereine, knapp drei Millionen Anhänger deutschlandweit und inzwischen sogar ein eigener Studiengang - eSport boomt in Deutschland. Das hat auch die Bundesregierung erkannt und in ihrem Koalitionsvertrag erklärt, professionelles Gaming als offizielle Sportart anerkennen zu wollen.

    Um die 60 eingetragene Vereine, knapp drei Millionen Anhänger deutschlandweit und inzwischen sogar ein eigener Studiengang - eSport boomt in Deutschland.

    Artikel jetzt lesen
    0

    Reform(ation) damals und heute – unsere Thesen zum Gesundheitswesen

    95 Thesen zum Gesundheitswesen

    19.10.2018

    Martin Luther schlug vor mehr als 500 Jahren seine 95 Thesen an. Der ausgelöste Diskurs beeinflusste die gesellschaftliche Entwicklung Europas nachhaltig. Thesen, die zum Nachdenken anregen - das kann auch im Gesundheitswesen nicht schaden!

    Martin Luther schlug vor mehr als 500 Jahren seine 95 Thesen an. Der ausgelöste Diskurs beeinflusste die gesellschaftliche Entwicklung Europas nachhaltig. Thesen, die zum Nachdenken anregen - das kann auch im Gesundheitswesen nicht schaden!

    Artikel jetzt lesen