Alle Artikel > Darum braucht der Morbi-RSA dringend eine Reform

Darum braucht der Morbi-RSA dringend eine Reform

19.06.2017

Über den morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleich – kurz Morbi-RSA – werden die Beitragsgelder an die Krankenkassen verteilt. Die zentrale Aufgabe des Instruments ist eigentlich, seitens der Krankenkassen nicht beeinflussbare Faktoren ihrer Versichertenstruktur auszugleichen, allerdings ist das System in eine Schieflage geraten. Weil der Morbi-RSA die Finanzströme zwischen dem Gesundheitsfonds und den Krankenkassen maßgeblich bestimmt, ist seine Ausgestaltung entscheidend für den Wettbewerb zwischen den Krankenkassen. Seine derzeitige Beschaffenheit führt jedoch – anstatt eine faire Grundlage dafür zu bieten – ganz im Gegenteil zu starken Wettbewerbsverzerrungen. Mit einer gemeinsamen Erklärung fordern nun Ersatzkassen, Betriebs- und Innungskrankenkassen eine Reform des Morbi-RSA. Aus diesem aktuellen Anlass haben wir Dr. Barbara Bertele auf ein Wort gebeten. Die promovierte Volkswirtin ist Expertin in Sachen morbiditätsorientierter Risikostrukturausgleich bei der TK.

Frau Dr. Bertele, warum braucht der Morbi-RSA eine Reform?

Der RSA erfüllt seine Funktion, Risikoselektion zu verhindern. Es ist aber festzustellen, dass aktuell die Wettbewerbschancen der Kassen sehr unterschiedlich sind. Seit es den Morbi-RSA gibt, hat er die Finanzausstattung einiger regional geöffneter Krankenkassen stark verbessert. Andere Krankenkassen hingegen haben enorme Mindereinnahmen. Besonders bundesweit geöffnete und in überversorgten Regionen tätige Krankenkassen sind hier betroffen. Und die Schere der Finanzergebnisse der einzelnen Kassenarten klafft immer weiter auseinander. Mit unterschiedlich effizienten Kassenstrukturen kann diese Schere nicht erklärt werden. Vielmehr liegt die Ursache für die immer breiter werdende Schere insbesondere an den Verzerrungen des derzeitigen Morbi-RSA. Konkret: An den Fehlanreizen seiner Ausgleichssystematik.

 

An welchen Stellen muss sich etwas verändern?

Morbi-RSA Expertin der TK Dr. Barbara Bertele.

Ohne eine Änderung der Ausgleichssystematik wird sich die finanzielle Handlungsfähigkeit der Krankenkassen weiter auseinander entwickeln. Das kann – insbesondere bei steigenden Zusatzbeiträgen – für Krankenkassen mit geringem Deckungsgrad existenzbedrohend werden. Der Morbi-RSA muss so gestaltet werden, dass er nicht durch gezielte Eingriffe einzelner Kassen manipuliert werden kann. Das System selbst muss manipulationsresistent sein, nachträgliche Kontrollen können eine solche Ausgestaltung nicht ersetzen. Die Kriterien, nach denen die Ausgestaltung des RSA bewertet wird, können nicht rein quantitativ sein. Nur statistische Parameter zur Bewertung heranzuziehen, reicht nicht aus. Ein wichtiger Punkt, der bei den Diskussionen um den Morbi-RSA nicht aus dem Blick geraten darf: Der RSA hat auch ein qualitatives Ziel – er muss die Chancengleichheit der Kassen im Wettbewerb gewährleisten. Dafür müssen die Wettbewerbsbedingungen fair und einheitlich sein.

Wie bewerten Sie, dass die Ersatzkassen, IKKen und BKKen hier jetzt einen gemeinsamen Weg gehen?

Obwohl die beteiligten Kassen untereinander im Wettbewerb stehen, fordern sie gemeinsam eine Reform des Morbi-RSA. Dies ist ein klares Signal an den Gesetzgeber, dass Veränderungen notwendig sind, um einen funktionsfähigen Wettbewerb unter den Krankenkassen zu ermöglichen und zu stärken!

 


Weiterlesen:

Verpassen Sie keine News der TK zum Morbi-RSA – unter #fairteilen können Sie uns zu dem Thema auf unserem Twitter Kanal folgen.

Die Forderungen der TK zur fairen Gestaltung des Kassenwettbewerbs können Sie hier nachlesen.

Von Digitalisierung über Versorgungsqualität bis zum fairen Wettbewerb – die gesundheitspolitischen Forderungen der TK anlässlich der Bundestagswahl 2017 finden Sie im Pressecenter.

Auch interessant auf Wir Techniker: Welche Problematik sich hinter Morbi-RSA verbirgt.

Kommentieren Sie als Erster diesen Artikel

    Weitere Artikel aus der Sammlung „Presse und Politik“

    0

    Digitalisierung stärkt die Krebsmedizin

    Digitalisierung stärkt die Krebsmedizin

    22.02.2018

    Wie Krebs entsteht, sich entwickelt und bekämpft werden kann: Präzisionsmedizin schafft hier völlig neue Einblicke. Mit einem innovativen Vertrag mit der Berliner Charité und der Heidelberger Firma Molecular Health sichert die TK Kindern und Jugendlichen mit wiederauftretendem oder als unheilbar geltendem Krebs die Leistungen dieses neuen Medizinzweigs. Aber sie befasst sich auch grundsätzlich mit den Chancen und Risiken der neuen Technik.

    Wie Krebs entsteht, sich entwickelt und bekämpft werden kann: Präzisionsmedizin schafft hier völlig neue Einblicke. Ein innovativer Vertrag der TK mit der Charité und Molecular Health sichert Kindern und Jugendlichen mit wiederauftretendem oder als unheilbar geltendem Krebs die Leistungen dieses neuen Medizinzweigs.

    Artikel jetzt lesen
    0

    Organspende braucht Botschafter

    Organspende braucht Botschafter

    08.02.2018

    In den letzten Jahren hat das Thema Organspende reichlich für Schlagzeilen gesorgt. Was jetzt getan werden muss, damit keine Menschen mehr auf der Warteliste sterben, erklärt TK-Vorstand Dr. Jens Baas.

    In den letzten Jahren hat das Thema Organspende reichlich für Schlagzeilen gesorgt. Was jetzt getan werden muss, damit keine Menschen mehr auf der Warteliste sterben, erklärt TK-Vorstand Dr. Jens Baas.

    Artikel jetzt lesen
    1

    Koalitionsvertrag: Richtige Ansätze – jetzt zählt die Ausgestaltung

    Koalitionsvertrag: Es zählt die Ausgestaltung

    07.02.2018

    Rund viereinhalb Monate nach der Bundestagswahl liegt der lang erwartete Koalitionsvertrag endlich vor - wenn auch noch ohne Unterschriften. Die Themen Gesundheit und Pflege füllen immerhin acht von 177 Seiten.

    Rund viereinhalb Monate nach der Bundestagswahl liegt der lang erwartete Koalitionsvertrag endlich vor - wenn auch noch ohne Unterschriften. Die Themen Gesundheit und Pflege füllen immerhin acht von 177 Seiten.

    Artikel jetzt lesen
    0

    Programmieren im Kindergarten

    Programmieren im Kindergarten

    31.01.2018

    Tablet, iPad, Smartphone - diese digitalen Medien gehören für Kinder heutzutage zum Alltag. Aber wie steht es mit ihrer Medienkompetenz? Und wie kann man diese fördern? Wir haben uns schlau gemacht.

    Digitale Medien gehören für Kinder heute zum Alltag. Aber wie steht es mit ihrer Medienkompetenz? Und wie kann man diese fördern?

    Artikel jetzt lesen
    0

    Was macht eigentlich … ARGO?

    Was macht eigentlich … ARGO?

    23.01.2018

    Junge Wilde für neue Ideen fördern: Beim TK-Accelerator 2017 haben drei ausgewählte Start-ups ein 100-tägiges Mentoring-Programm durchlaufen. Wie geht es nun weiter? Wir haben nachgefragt.

    Junge Wilde für neue Ideen fördern: Beim TK-Accelerator 2017 haben drei ausgewählte Start-ups ein 100-tägiges Mentoring-Programm durchlaufen. Wie geht es nun weiter? Wir haben nachgefragt.

    Artikel jetzt lesen
    0

    Gesundheit vs. Sondierungspapier: Nur die Spitze des Eisbergs

    Gesundheitspolitische Zwangspause beenden

    22.01.2018

    Die SPD hat bei ihrem Sonderparteitag grünes Licht für Koalitionsverhandlungen mit der Union gegeben. Diese müssen die Koalitionäre nutzen, um endlich die gesundheitspolitische Zwangspause zu beenden.

    Die Koalitionsverhandlungen kommen: Diese müssen Union und SPD nutzen, um endlich die gesundheitspolitische Zwangspause zu beenden.

    Artikel jetzt lesen
    0

    Sondierungsgespräche: Den Stillstand in der Gesundheitspolitik beenden

    Den Stillstand in der Gesundheitspolitik beenden

    10.01.2018

    Die politische Hängepartie seit den Wahlen im September ist auch im Gesundheitswesen zu spüren. Mit der "Bürgerversicherung" und der Pflege sind im Vorfeld der Sondierungen immerhin zwei gesundheitspolitische Themen in den öffentlichen Fokus gerückt. Was auf der Agenda weiterhin fehlt, ist eine kluge Reform des Finanzausgleichs zwischen den Kassen, die einen fairen Wettbewerb ermöglicht. Und: Mehr Tempo bei der Digitalisierung im Gesundheitswesen!

    Die politische Hängepartie seit den Wahlen im September ist auch im Gesundheitswesen zu spüren. Mit der "Bürgerversicherung" und der Pflege sind im Vorfeld der Sondierungen immerhin zwei gesundheitspolitische Themen in den öffentlichen Fokus gerückt. Was auf der Agenda weiterhin fehlt, ...

    Artikel jetzt lesen
    0

    Patient Empowerment: die elektronische Gesundheitsakte

    Die elektronische Gesundheitsakte

    04.01.2018

    Ob Online-Banking oder Reisebuchung - überall kann ich digital agieren, schnell und passgenau auf meine persönlichen Bedürfnisse abgestimmt. Warum funktioniert das nicht auch in der Gesundheitsversorgung? Um das Problem zu lösen, entwickelt die TK eine elektronische Gesundheitsakte. TK-Chef Dr. Jens Baas erklärt, warum dieser Schritt so wichtig ist.

    Ob Online-Banking oder Reisebuchung - überall kann ich digital agieren, schnell und passgenau auf meine persönlichen Bedürfnisse abgestimmt. Warum funktioniert das nicht auch in der Gesundheitsversorgung?
    TK-Chef Dr. Jens Baas erklärt, welche Chancen eine elektronische Gesundheitsakte bietet.

    Artikel jetzt lesen
    0

    Drei, zwei, eins, Zündung – TKler bringen „Space-Shuttle“ zum Fliegen

    Drei, zwei, eins, Zündung - TKler bringen "Space-Shuttle" zum Fliegen

    22.12.2017

    Ihr Zeichen ist ein Raumschiff, ihr Weg ist ein ganz neuer: Die Rede ist von einer Gruppe TKlern, die ein internes Management-Programm absolviert und sich nun zum Alumni-Netzwerk "Space" zusammengeschlossen haben. Ihre Mission: Raum für Austausch schaffen, voneinander lernen, sich gegenseitig unterstützen - und so auch die Kommunikations- und Zusammenarbeitskultur in der TK fördern.

    Ihr Zeichen ist ein Raumschiff, ihr Weg ist ein ganz neuer: Die Rede ist von einer Gruppe TKlern, die ein internes Management-Programm absolviert und sich nun zum Alumni-Netzwerk "Space" zusammengeschlossen haben.

    Artikel jetzt lesen