Alle Artikel > Hauptstadtkongress 2017 – hitziges Wetter und kühle Köpfe

Hauptstadtkongress 2017 – hitziges Wetter und kühle Köpfe

26.06.2017

Der Hauptstadtkongress Medizin und Gesundheit ist der alljährliche Pflichttermin für nahezu alle Akteure des Gesundheitswesens. Zum 20. Jubiläum knackte der Kongress in diesem Jahr alle Rekorde: 8.250 Besucher und Außentemperaturen um die 30 Grad sorgten auf dem Berliner Messegelände für optimale Festivalbedingungen. Statt Dosenbier gab es jedoch Mineralwasser, statt Badeshorts dunkle Anzüge und aus den Boxen dröhnten die Evergreens „Morbi-RSA“, „InnoFonds“ und „Pflegeberufegesetz“.

Prominente Besetzung

Der dreitägige Kongress stand unter dem Motto „Qualität und nachhaltige Finanzierung“. Das Line-up setzte sich aus den Stars der Gesundheitspolitik und -wirtschaft zusammen. Mit dabei: Bundesgesundheitsminister Herrmann Gröhe, vdek-Vorsitzende Ulrike Elsner, Finanz-Staatssekretär Jens Spahn sowie die Vertreter aller großen Parteien, Krankenkassen und Kliniken in Deutschland. Als Special Guests lockerten Dr. Eckart von Hirschhausen und Dr. Johannes Wimmer so manche ernste Debatte auf, während am Buletten-Stand Starkoch Alfons Schubeck persönlich für das leibliche Wohl der Besucher sorgte.

Bundesgesundheitsminister Gröhe auf dem Hauptstadtkongress.

 

Wenig überraschend: Die Digitalisierung kommt!

Eines der Top-Themen auf dem Hauptstadtkongress war wie bei allen Großveranstaltungen der letzten Jahre die Digitalisierung. Die altbekannten Lieder konnte schon fast jeder mitsingen: Die Digitalisierung kommt, sie nimmt an Fahrt auf, sie ist nicht aufzuhalten, sie rollt über uns hinweg. Wirklich Neues wurde dabei nicht vorgestellt, das Thema schwang eher als Pflichtprogramm mit, zu dem jeder mehr oder weniger zu sagen hatte. Das nüchterne Fazit: Hier muss sich etwas bewegen.

Im Vorfeld der Bundestagswahl standen allerdings auch Diskussionen zu den Themen Intersektorale Vernetzung und Morbi-RSA auf der Agenda.

Thomas Ballast diskutierte auf dem HSK über die Gegenwart und Zukunft der Versorgung.

Sektorengrenzen überwinden

Ein Highlight war das Panel zum Fachärztetag am 21. Juni. Hier diskutierte unter anderem der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der TK, Thomas Ballast, über das Thema „Neue regionale Versorgungsmodelle an der Schnittstelle ambulant/stationär“. Die zentrale Frage war, wie die Sektorengrenzen im Sinne einer guten Versorgung überwunden werden können. Einen Ansatz hierfür liefert das von der TK unterstützte Innovationsfonds-Projekt IGiB – Strukturmigration im Mittelbereich Templin. Ambulante und stationäre Leistungserbringer arbeiten hier Hand in Hand zusammen, um den Bedürfnissen in der strukturschwachen Region Uckermark mit ihrem hohen Altersdurchschnitt in der Bevölkerung gerecht zu werden.

„Projekte wie in Templin ermöglichen disruptive Vorgänge ohne Konkurrenzkampf“, sagte Lars Lindemann vom Spitzenverband Fachärzte. Bisher sind derartige, sektorenübergreifende Vorhaben stark von einer Förderung durch den Innovationsfonds abhängig.

Wie geht es weiter mit dem Innovationsfonds?

Alle Diskussionsteilnehmer waren sich einig: Was im Rahmen solcher Projekte punktuell beginnt, ist auf breiterer Ebene noch nicht möglich. Zudem ist der Innovationsfonds nur auf drei Jahre angelegt worden. Die Förderung von Versorgungsinnovationen sollte aber auf Dauer sichergestellt sein, unbürokratisch und wirtschaftlich funktionieren und den Wettbewerbsanreize für die Kassen schaffen.

Eine Idee, wie so etwas künftig funktionieren könnte, brachte Thomas Ballast ein: Ein Innovationsbudget, das Krankenkassen verpflichtet, pro Versichertem eine bestimmte Summe für Innovationen auszugeben.

Anhaltende Diskussion um den Kassenwettbewerb

In der Debatte „Der Morbi-RSA als Grundlage für fairen Kassenwettbewerb“ diskutierten Ulrike Elsner vom Verband der Ersatzkassen (vdek), Siegfried Gänsler von der Schwenninger BKK, Martin Litsch, AOK Bundesverband, und Frank Plate, Präsident des Bundesversicherungsamts (BVA), über notwendige Reformen beim Verteilschlüssel der Gelder aus dem Gesundheitsfonds. Ulrike Elsner stellte klar: Der morbiditätsorientierte Risikostrukturausgleich erfüllt aktuell seine Aufgabe nicht. Um die Chancengleichheit zwischen den Kassen wieder herzustellen, seien Reformen notwendig. Im Vorfeld der Diskussion hatten 91 von 113 Ersatzkassen, Innungs- und Betriebskrankenkassen  – darunter auch die TK – eine gemeinsame Erklärung zum Morbi-RSA veröffentlicht.

Hoffnung für das nächste Jahr

Insgesamt konnte der Hauptstadtkongress nicht mit der ganz großen Bühnenshow aufwarten. Dennoch bot die Veranstaltung viel Hörenswertes und eine gute Gelegenheit, sich zu vernetzen. Letztendlich war der Kongress auch nur die Ruhe vor dem Sturm. Denn wie es sich für ein ordentliches Festival gehört, endete alles am Donnerstagnachmittag mit einem gewaltigen Unwetter, das deutschlandweit etliche Bahnstrecken lahmlegte und für Aufregung bei den Heimreisenden sorgte. Mein Fazit zum HSK: Hoffentlich bewegt sich bis zum nächsten Termin 2018 nicht nur was beim Wetter, sondern auch in Sachen Gesundheitspolitik und Digitalisierung.

Fotos: WISO.


Weiterlesen:

Der Hauptstadtkongress 2016: Die Digitalisierung im Dschungel des Gesundheitswesens.

Warum wir eine elektronische Gesundheitsakte brauchen.

TK trifft auf Watson -ein Besuch bei IBM.

Weichen stellen für die Zukunft: Die gesundheitspolitischen Forderungen der TK zur Bundestagswahl 2017.

Kommentieren Sie als Erster diesen Artikel

    Weitere Artikel aus der Sammlung „Presse und Politik“

    0

    Digitalisierung stärkt die Krebsmedizin

    Digitalisierung stärkt die Krebsmedizin

    22.02.2018

    Wie Krebs entsteht, sich entwickelt und bekämpft werden kann: Präzisionsmedizin schafft hier völlig neue Einblicke. Mit einem innovativen Vertrag mit der Berliner Charité und der Heidelberger Firma Molecular Health sichert die TK Kindern und Jugendlichen mit wiederauftretendem oder als unheilbar geltendem Krebs die Leistungen dieses neuen Medizinzweigs. Aber sie befasst sich auch grundsätzlich mit den Chancen und Risiken der neuen Technik.

    Wie Krebs entsteht, sich entwickelt und bekämpft werden kann: Präzisionsmedizin schafft hier völlig neue Einblicke. Ein innovativer Vertrag der TK mit der Charité und Molecular Health sichert Kindern und Jugendlichen mit wiederauftretendem oder als unheilbar geltendem Krebs die Leistungen dieses neuen Medizinzweigs.

    Artikel jetzt lesen
    0

    Organspende braucht Botschafter

    Organspende braucht Botschafter

    08.02.2018

    In den letzten Jahren hat das Thema Organspende reichlich für Schlagzeilen gesorgt. Was jetzt getan werden muss, damit keine Menschen mehr auf der Warteliste sterben, erklärt TK-Vorstand Dr. Jens Baas.

    In den letzten Jahren hat das Thema Organspende reichlich für Schlagzeilen gesorgt. Was jetzt getan werden muss, damit keine Menschen mehr auf der Warteliste sterben, erklärt TK-Vorstand Dr. Jens Baas.

    Artikel jetzt lesen
    1

    Koalitionsvertrag: Richtige Ansätze – jetzt zählt die Ausgestaltung

    Koalitionsvertrag: Es zählt die Ausgestaltung

    07.02.2018

    Rund viereinhalb Monate nach der Bundestagswahl liegt der lang erwartete Koalitionsvertrag endlich vor - wenn auch noch ohne Unterschriften. Die Themen Gesundheit und Pflege füllen immerhin acht von 177 Seiten.

    Rund viereinhalb Monate nach der Bundestagswahl liegt der lang erwartete Koalitionsvertrag endlich vor - wenn auch noch ohne Unterschriften. Die Themen Gesundheit und Pflege füllen immerhin acht von 177 Seiten.

    Artikel jetzt lesen
    0

    Programmieren im Kindergarten

    Programmieren im Kindergarten

    31.01.2018

    Tablet, iPad, Smartphone - diese digitalen Medien gehören für Kinder heutzutage zum Alltag. Aber wie steht es mit ihrer Medienkompetenz? Und wie kann man diese fördern? Wir haben uns schlau gemacht.

    Digitale Medien gehören für Kinder heute zum Alltag. Aber wie steht es mit ihrer Medienkompetenz? Und wie kann man diese fördern?

    Artikel jetzt lesen
    0

    Was macht eigentlich … ARGO?

    Was macht eigentlich … ARGO?

    23.01.2018

    Junge Wilde für neue Ideen fördern: Beim TK-Accelerator 2017 haben drei ausgewählte Start-ups ein 100-tägiges Mentoring-Programm durchlaufen. Wie geht es nun weiter? Wir haben nachgefragt.

    Junge Wilde für neue Ideen fördern: Beim TK-Accelerator 2017 haben drei ausgewählte Start-ups ein 100-tägiges Mentoring-Programm durchlaufen. Wie geht es nun weiter? Wir haben nachgefragt.

    Artikel jetzt lesen
    0

    Gesundheit vs. Sondierungspapier: Nur die Spitze des Eisbergs

    Gesundheitspolitische Zwangspause beenden

    22.01.2018

    Die SPD hat bei ihrem Sonderparteitag grünes Licht für Koalitionsverhandlungen mit der Union gegeben. Diese müssen die Koalitionäre nutzen, um endlich die gesundheitspolitische Zwangspause zu beenden.

    Die Koalitionsverhandlungen kommen: Diese müssen Union und SPD nutzen, um endlich die gesundheitspolitische Zwangspause zu beenden.

    Artikel jetzt lesen
    0

    Sondierungsgespräche: Den Stillstand in der Gesundheitspolitik beenden

    Den Stillstand in der Gesundheitspolitik beenden

    10.01.2018

    Die politische Hängepartie seit den Wahlen im September ist auch im Gesundheitswesen zu spüren. Mit der "Bürgerversicherung" und der Pflege sind im Vorfeld der Sondierungen immerhin zwei gesundheitspolitische Themen in den öffentlichen Fokus gerückt. Was auf der Agenda weiterhin fehlt, ist eine kluge Reform des Finanzausgleichs zwischen den Kassen, die einen fairen Wettbewerb ermöglicht. Und: Mehr Tempo bei der Digitalisierung im Gesundheitswesen!

    Die politische Hängepartie seit den Wahlen im September ist auch im Gesundheitswesen zu spüren. Mit der "Bürgerversicherung" und der Pflege sind im Vorfeld der Sondierungen immerhin zwei gesundheitspolitische Themen in den öffentlichen Fokus gerückt. Was auf der Agenda weiterhin fehlt, ...

    Artikel jetzt lesen
    0

    Patient Empowerment: die elektronische Gesundheitsakte

    Die elektronische Gesundheitsakte

    04.01.2018

    Ob Online-Banking oder Reisebuchung - überall kann ich digital agieren, schnell und passgenau auf meine persönlichen Bedürfnisse abgestimmt. Warum funktioniert das nicht auch in der Gesundheitsversorgung? Um das Problem zu lösen, entwickelt die TK eine elektronische Gesundheitsakte. TK-Chef Dr. Jens Baas erklärt, warum dieser Schritt so wichtig ist.

    Ob Online-Banking oder Reisebuchung - überall kann ich digital agieren, schnell und passgenau auf meine persönlichen Bedürfnisse abgestimmt. Warum funktioniert das nicht auch in der Gesundheitsversorgung?
    TK-Chef Dr. Jens Baas erklärt, welche Chancen eine elektronische Gesundheitsakte bietet.

    Artikel jetzt lesen
    0

    Drei, zwei, eins, Zündung – TKler bringen „Space-Shuttle“ zum Fliegen

    Drei, zwei, eins, Zündung - TKler bringen "Space-Shuttle" zum Fliegen

    22.12.2017

    Ihr Zeichen ist ein Raumschiff, ihr Weg ist ein ganz neuer: Die Rede ist von einer Gruppe TKlern, die ein internes Management-Programm absolviert und sich nun zum Alumni-Netzwerk "Space" zusammengeschlossen haben. Ihre Mission: Raum für Austausch schaffen, voneinander lernen, sich gegenseitig unterstützen - und so auch die Kommunikations- und Zusammenarbeitskultur in der TK fördern.

    Ihr Zeichen ist ein Raumschiff, ihr Weg ist ein ganz neuer: Die Rede ist von einer Gruppe TKlern, die ein internes Management-Programm absolviert und sich nun zum Alumni-Netzwerk "Space" zusammengeschlossen haben.

    Artikel jetzt lesen