Alle Artikel > Die TK hat 38.857 Geburten analysiert. Sie werden nicht glauben, was dabei herausgekommen ist.

Die TK hat 38.857 Geburten analysiert. Sie werden nicht glauben, was dabei herausgekommen ist.

03.07.2017

Knapp 300 Seiten, mehr als 200 Diagramme, 30 Kapitel und fast 39.000 Datensätze: Der aktuelle Geburtenreport ist nicht nur ein Mammutprojekt in Sachen Datenauswertung, sondern setzt auch einen neuen Rekord für unser Lektorat. Er fasst die Routinedaten von Müttern und ihren 2008 entbundenen Kindern zusammen und untersucht Zusammenhänge zwischen Kaiserschnitt und Frühgeburt sowie Erkrankungen vor und nach der Geburt. Die Premiere: Es ist der erste Geburtenreport, der die Daten von Müttern und Kindern verknüpft, um daraus neue Erkenntnisse zu ziehen. Warum wir uns diesen Stress gemacht haben? Weil wir es beim Thema Schwangerschaft und Geburt ganz genau wissen wollen, bevor wir uns an die Entwicklung neuer Versorgungsangebote machen. Denn noch immer herrschen zu viele Unklarheiten rund um Kaiserschnitte und Frühgeburten. Und genau aus diesem Grund haben wir unseren Fokus auf diese zwei Felder gelegt.

Der TK-Geburtenreport 2017.

Frühgeburten: Unklarheit über Risikofaktoren und optimale Versorgung

Zwar sind sich alle einig bei dem Ziel, Frühgeburten nach Möglichkeit zu vermeiden – über wirksame Programme zur Früherkennung von Risiken und zur erfolgreichen Behandlung jedoch gibt es noch keine klaren Erkenntnisse. Woher kommt die herrschende Unklarheit? Das hat mehrere Gründe: Ergebnisse aus medizinischen Studien werden nicht immer äquivalent in der Versorgung umgesetzt, zudem steigt die Rate der Frühgeburten trotz guter Versorgung der Schwangeren. Das wiederum liegt auch an einem vermehrten Einsatz fruchtbarkeitsfördernder Maßnahmen. Gemäß der Logik: Klappt es mit Hilfe solcher Unterstützung mit der Schwangerschaft, besteht ein höheres Risiko für eine Frühgeburt. Umso wichtiger ist es, die Folgen einer Frühgeburt auch in der späteren Entwicklung der Kinder zu verstehen, um eine bestmögliche Versorgung anbieten zu können.

Umstritten: Nutzen und Risiken von Kaiserschnitten

Kaiserschnitte können Leben retten. Aber retten mehr Kaiserschnitte auch immer mehr Leben? Die Diskussion über das Für und Wider von Kaiserschnitten ist spannend.  Die Kaiserschnittraten steigen weltweit, gleichzeitig ist die Kritik der Weltgesundheitsorganisation WHO über ihren stetigen Anstieg allgegenwärtig: Nur zehn Prozent aller Kaiserschnitte weltweit seien wirklich medizinisch notwendig, heißt es bei der Gesellschaft für Qualität in der außerklinischen Geburtshilfe e.V. (QUAG) mit Bezug auf die WHO. Und auch in Deutschland tut sich was: So ist eines der jüngsten nationalen Gesundheitsziele hierzulande die Förderung einer natürlichen Geburt. Wie erklären sich die Kaiserschnittraten? Als Ursachen werden Faktoren wie die mittlerweile geringen Operationsrisiken diskutiert oder die bessere Planbarkeit. Der Geburtenreport eröffnet eine weitere Perspektive auf das Thema, denn unserem Team ist es gelungen, aus den Daten eine Reihe von Erkrankungen zu identifizieren, die im Zusammenhang mit einer höheren Kaiserschnittrate stehen. Überraschend: Begünstigend für einen Kaiserschnitt sind nicht nur erwartete Vorbelastungen, die bereits in der Schwangerenvorsorge versorgt werden, wie Bluthochdruck oder genetische Vorbelastungen, sondern auch Vorerkrankungen wie Depressionen oder Adipositas.

Stolze Eltern: Dr. Anne Lanfer, Christine Vietor und Dr. Andrea Gillessen (v.l.n.r.) freuen sich über die Veröffentlichung ihrer Analysen im TK-Geburtenreport.

 

Von der Idee zum Studienband

Die Mindmap hinter dem Geburtenreport.

Die ersten Überlegungen zu dem Studienband in dieser Größenordnung liegen schon mehrere Jahre zurück. Wir wussten, dass die medizinische Studienlange zu dem Thema unklar ist, dass ein vorheriges Modellprojekt von uns enttäuschende Ergebnisse gebracht hatte und dass wir damit bei den Leistungserbringern auf wenig Resonanz für unser Ziel gestoßen sind, die Ergebnisse im Rahmen einer integrierten Versorgung von niedergelassenen Gynäkologen, Hebammen sowie Geburtskliniken umzusetzen. Im Gespräch mit unseren Analysten kamen wir schließlich zu der Erkenntnis, dass ein Blick in unsere Routinedaten helfen könnte.

Die Methodik und Vorgehensweise waren nicht revolutionär: Von der Literaturrecherche über die Findung der Fragestellungen bis hin zum Austausch mit externen Versorgungsforschern – der bekannte Gang einer Forschung. Neuen Grund beschritten wir jedoch, was die Größenordnung der Studie anging. Bei über 38.000 Datensätzen bekommt das Wort „selektieren“ auf einmal eine ganze neue Bedeutung. Und wo kommen die Daten her? Um überhaupt Informationen zum Auswerten zu haben, erwirkten wir beim Bundesversicherungsamt eine Genehmigung, die Daten der Kohorte für zehn Jahre vorhalten zu dürfen. Damit leisteten wir tatsächlich Pionierarbeit: Zuvor hatte noch keine Krankenkasse von dieser speziellen Rechtsgrundlage Gebrauch gemacht.

Der vorliegende Report enthält den Untersuchungszeitraum bis zwei Jahre nach der Geburt. Die Analyse eines längeren Zeitraums ist aber in Planung. Von Aussagen über Krankheitsverläufe acht Jahre nach Geburt vermuten wir vor allem wertvolle Erkenntnisse über die Kinder.

Doch bevor wir mit der nächsten Studie loslegen, freuen wir uns erst einmal sehr über unseren aktuellen Report. Wir hoffen auf eine rege Resonanz und einen fruchtbaren Austausch mit anderen Experten aus der Versorgungsforschung!


Weiterlesen:

Der vollständige Studienband „Geburtenreport – Eine Routinedatenanalyse zu Kaiserschnitt und Frühgeburt“ gibt es hier zum Download.

Die Gesundheitsberichterstattung der TK hat ihre eigene Webpräsenz: https://www.tk.de/tk/gesundheitsberichterstattung/934538

Kommentieren Sie als Erster diesen Artikel

    Weitere Artikel aus den Sammlungen „Hinter den Kulissen“, „Presse und Politik“

    0

    „Nicht nur irgendeine neue schöne App“

    IBM und TK kooperieren bei Gesundheitsakte

    23.04.2018

    Drei Fragen, drei Antworten: Matthias Hartmann, DACH-Chef bei IBM, erzählt zum Start der elektronischen Gesundheitsakte "TK-Safe" von der Zusammenarbeit und seiner Sicht auf dieses durchaus besondere Projekt.

    Drei Fragen, drei Antworten: Matthias Hartmann, DACH-Chef bei IBM, erzählt zum Start der elektronischen Gesundheitsakte "TK-Safe" von der Zusammenarbeit und seiner Sicht auf dieses durchaus besondere Projekt.

    Artikel jetzt lesen
    0

    Karriere machen in Teilzeit

    Karriere machen in Teilzeit

    10.04.2018

    Arbeiten in Teilzeit und gleichzeitig Karriere machen? Geht! Vorstandsmitglied Karen Walkenhorst spricht im Interview über Chancen und Herausforderungen flexibler Teilzeitmodelle für Führungskräfte bei der TK.

    Arbeiten in Teilzeit und gleichzeitig Karriere machen? Geht! Vorstandsmitglied Karen Walkenhorst spricht im Interview über Chancen und Herausforderungen flexibler Teilzeitmodelle für Führungskräfte bei der TK.

    Artikel jetzt lesen
    0

    Auf die richtige Pflege kommt es an

    Auf die richtige Pflege kommt es an

    14.03.2018

    Vom 15. bis 17. März findet in Berlin der Deutsche Pflegetag statt. Anlässlich des Kongresses lohnt ein Blick auf die aktuelle Situation der Pflege und der Pflegeberufe.

    Vom 15. bis 17. März findet in Berlin der Deutsche Pflegetag statt. Anlässlich des Kongresses lohnt ein Blick auf die aktuelle Situation der Pflege und der Pflegeberufe.

    Artikel jetzt lesen
    0

    Jetzt heißt es anpacken!

    Jetzt heißt es anpacken!

    13.03.2018

    Nach monatelangem Ringen steht die neue Regierung, der Koalitionsvertrag ist unterschrieben. Jens Spahn und seine Mannschaft stehen nun in der Verantwortung: Sind die Weichen bei den drängendsten gesundheitspolitischen Themen richtig gestellt?

    Nach monatelangem Ringen steht die neue Regierung, der Koalitionsvertrag ist unterschrieben. Jens Spahn und seine Mannschaft stehen nun in der Verantwortung: Sind die Weichen bei den drängendsten gesundheitspolitischen Themen richtig gestellt?

    Artikel jetzt lesen
    0

    (Neues) Leben mit Organspende: Sarah

    (Neues) Leben mit Organspende: Sarah

    09.03.2018

    "Das größte Geschenk meines Lebens": Bei der Kampagne „Von Mensch zu Mensch“ zum Thema Organspende ließ die TK 2012 Betroffene zu Wort kommen. Unsere Praktikantin Laura Krüger hat nun, Jahre später, einige von ihnen wieder getroffen. Hier die Geschichte von Sarah-Angelina Gross.

    "Das größte Geschenk meines Lebens": Bei der Kampagne „Von Mensch zu Mensch“ zum Thema Organspende ließ die TK 2012 Betroffene zu Wort kommen. Unsere Praktikantin Laura Krüger hat nun, Jahre später, einige von ihnen wieder getroffen. Hier die Geschichte von Sarah-Angelina Gross.

    Artikel jetzt lesen
    0

    Forum Versorgung: Fortschritt in alten Gemäuern

    Fortschritt in alten Gemäuern

    06.03.2018

    Das diesjährige Forum Versorgung stand unter dem Titel Präzisionsmedizin – und widmete sich damit der gezielten Behandlung von Patienten, ausgerichtet an ihrer individuellen Genetik. Sieht so die Zukunft unserer Gesundheitsversorgung aus?

    Das diesjährige Forum Versorgung stand unter dem Titel Präzisionsmedizin – und widmete sich damit der gezielten Behandlung von Patienten, ausgerichtet an ihrer individuellen Genetik.

    Artikel jetzt lesen
    0

    (Neues) Leben mit Organspende: Alex Winter

    (Neues) Leben mit Organspende: Alex Winter

    02.03.2018

    Wie lebt es sich mit einem neuen Herzen? Bei der Kampagne "Von Mensch zu Mensch" zum Thema Organspende ließ die TK 2012 Betroffene zu Wort kommen. Unsere Praktikantin Laura Krüger hat nun, Jahre später, einige von ihnen wieder getroffen. Hier die Geschichte von Alex Winter.

    Wie lebt es sich mit einem neuen Herzen? Bei der Kampagne "Von Mensch zu Mensch" zum Thema Organspende ließ die TK 2012 Betroffene zu Wort kommen. Unsere Praktikantin Laura Krüger hat nun, Jahre später, einige von ihnen wieder getroffen. Hier die Geschichte von Alex Winter.

    Artikel jetzt lesen
    1

    Big Data wird Patientenversorgung revolutionieren

    Big Data wird Patientenversorgung revolutionieren

    01.03.2018

    Daten sind das Gold des 21. Jahrhunderts: Immer größere Datenmengen können in kürzester Zeit analysiert und nutzbar gemacht werden. TK-Vorstandsvorsitzender Dr. Jens Baas erklärte beim Big-Data.AI Summit der Bitkom, wie die TK dieses Potenzial zum Wohl ihrer Versicherten nutzen will.

    Daten sind das Gold des 21. Jahrhunderts: Immer größere Datenmengen können in kürzester Zeit analysiert und nutzbar gemacht werden. TK-Vorstandsvorsitzender Dr. Jens Baas erklärte beim Big-Data.AI Summit der Bitkom, wie die TK dieses Potenzial zum Wohl ihrer Versicherten nutzen will.

    Artikel jetzt lesen
    0

    Digitalisierung stärkt die Krebsmedizin

    Digitalisierung stärkt die Krebsmedizin

    22.02.2018

    Wie Krebs entsteht, sich entwickelt und bekämpft werden kann: Präzisionsmedizin schafft hier völlig neue Einblicke. Mit einem innovativen Vertrag mit der Berliner Charité und der Heidelberger Firma Molecular Health sichert die TK Kindern und Jugendlichen mit wiederauftretendem oder als unheilbar geltendem Krebs die Leistungen dieses neuen Medizinzweigs. Aber sie befasst sich auch grundsätzlich mit den Chancen und Risiken der neuen Technik.

    Wie Krebs entsteht, sich entwickelt und bekämpft werden kann: Präzisionsmedizin schafft hier völlig neue Einblicke. Ein innovativer Vertrag der TK mit der Charité und Molecular Health sichert Kindern und Jugendlichen mit wiederauftretendem oder als unheilbar geltendem Krebs die Leistungen dieses neuen Medizinzweigs.

    Artikel jetzt lesen