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    Der Begriff „Big Data“ prägt die Diskussion um die Zukunft der Medizin und war zentrales Thema am vierten Tag der MEDICA. In kaum einer anderen Branche entstehen durch Anamnese, Untersuchung und Behandlung so große und heterogene Datenmengen wie im Gesundheitswesen. Dadurch ergeben sich große Chancen für die passgenaue individuelle medizinische Behandlung von Patienten. Gleichzeitig stellt die Digitalisierung den Datenschutz vor die große Herausforderung, die Risiken von Big Data einzufangen.

    Digitalisierung verändert das Gesundheitswesen disruptiv

    Bis vor wenigen Jahren lag der Fokus bei den Innovationen im Gesundheitswesen auf dem medizinischen Fortschritt: bessere Diagnosemethoden, neue Behandlungsmöglichkeiten, wirksamere Arzneimittel. Röntgenstrahlen oder das Antibiotikum waren Meilensteine in der Medizingeschichte. Mit der Digitalisierung bahnt sich nun ein deutlich umfassenderer, disruptiver Wandel an, der die Gesundheitsversorgung und die Gesellschaft tiefgreifend verändern wird.

    Patient auf Augenhöhe mit dem Arzt

    Die Diskussionen auf dem MEDICA ECON FORUM by TK zeigten, dass es bei Big Data nicht nur darum geht, Daten durch intelligente Algorithmen sinnvoll zu vernetzen. Auch der Arztberuf und das Arzt-Patienten-Verhältnis werden sich grundlegend ändern.

    Die Patienten werden auf Augenhöhe mit dem Arzt sein, ist Franz Bartmann, Vorstand der Bundesärztekammer, überzeugt. „Das Smartphone des Patienten ist das Stethoskop des 21. Jahrhunderts“, so Bartmann. Der Patient wird in Zukunft mit seinem Smartphone Einblick in seine Gesundheitsdaten haben und ist aktiv daran beteiligt, seine Gesundheit zu managen.

    Wie Big Data bereits heute eingesetzt wird, um Krebs zu bekämpfen, zeigte Dr. Friedrich von Bohlen, Geschäftsführer von Molecular Health. Gemeinsam mit der TK und der Charité hat Molecular Health ein Projekt für krebskranke Kinder auf die Beine gestellt. Das Genom der jungen Patienten wird analysiert und die Ergebnisse mit weltweiten Datenbanken abgeglichen. So kann der individuelle Tumor genau charakterisiert und ein passgenauer Therapieansatz gefunden werden.

    Neue Regeln für den Datenschutz

    Deutlich wurde im MEDICA ECON FORUM, dass die gesetzlichen Rahmenbedingungen bislang noch den technischen Möglichkeiten hinterherhinken. „Um für die Patienten den Datenschutz zu gewährleisten, muss es ein neues, adäquates Regulierungsmodell geben“, forderte Prof. Steffen Augsberg, Sprecher der Arbeitsgruppe „Big Data“ im Deutschen Ethikrat. Es sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, mit allen beteiligten Stakeholdern Grundwerte zu definieren, wie Big Data genutzt werden dürfe. Es müsse zwar strenge Richtlinien geben, diese dürften den Fortschritt aber nicht lähmen.

    Hans-Peter Bursig diskutierte, wie Online-Medizin und Kammerrecht zusammenpassen.

    Novellierung des Kammerrechts

    Auch beim Thema Fernbehandlung attestierten die Panel-Teilnehmer deutlichen Nachbesserungsbedarf. „Das ärztliche Kammerrecht ist derzeit auf mittelalterliche Analogmediziner ausgerichtet“, bestätigte Hans-Peter Bursig, Geschäftsführer des ZVEI-Fachverbands Elektromedizinische Technik.

    Es bedürfe grundsätzlicher rechtlicher Änderungen, um telemedizinische Möglichkeiten in der Praxis nutzbar zu machen. Digitale Verfahren müssten den analogen endlich gleichgestellt werden, forderte Bursig.

     


    Weiterlesen:

    Datenverfügbarkeit zur Verbesserung der Versorgung: „Wie wir Big Data für die Versorgung nutzen können. Und müssen.“

    Telemedizinische Fernbehandlung – warum zögern wir noch?

    „Mit Präzisionsmedizin wird der Arzt zum Berater“ – ein Gespräch zur Zukunft der Versorgung.

    Silvia Wirth

    Silvia Wirth

    Silvia Wirth ist Pressereferentin der TK. Sie kümmert sich um die Themen Digitalisierung und E-Health, elektronische Gesundheitsakte und digitale Versorgungsthemen.

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