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Mit Zahnbürsten die Welt verbessern

08.01.2018

Zahnbürsten und Fußball – das passt nicht zusammen? Von wegen! Genau mit dieser Kombination wollen wir die Welt ein wenig besser machen und haben zusammen mit dem FC St. Pauli eine außergewöhnliche Spendenaktion ins Leben gerufen. Und diese hat eine Zahnärztin so begeistert, dass sie sich mit einer großzügigen Gabe beteiligte.

„Die Welt jeden Tag ein wenig besser machen“ – das ist das Motto der Weltverbesser-Initiative der Techniker und des FC St. Pauli. Und im Rahmen derer haben in den vergangenen Monaten TK-Mitarbeiter und Fußballfans Zahnbürsten und Zahnpasta für Hilfsbedürftige gesammelt – insgesamt fast 16.000 Zahnpflegeartikel. Die Sachspenden kamen einkommensschwachen Familien und Geflüchteten zu Gute.

Dr. Cornelia WempeDie Zahngesundheit von Kindern fördern

Für eine bessere Zahngesundheit engagiert sich auch Dr. Cornelia Wempe. Als Zahnärztin im Öffentlichen Gesundheitsdienst zeigt sie Kindern, wie diese ihre Zähne pflegen können, untersucht das Gebiss und erklärt Eltern, warum Mundhygiene so wichtig ist. Dass ihr das Thema am Herzen liegt, hat die Hamburgerin aber nicht nur mit ihrer Berufswahl bewiesen. Sie unterstützte unsere Aktion „Bürste Hilfe leisten“ mit einer Geldspende von 150 Euro.

Wie sind Sie auf die Aktion aufmerksam geworden?

Ich habe im Hamburger Abendblatt einen Artikel über das anstehende Heimspiel des FC St. Paulis gegen den 1. FC Kaiserslautern gelesen. Dort stand, dass die Zuschauer Zahnbürsten und Zahnpasta als Spende mit ins Stadion mitbringen können. Die Idee fand ich toll. Ich habe recherchiert, wer hinter dieser Aktion steckt und bin dann bei der Techniker gelandet.

Warum haben Sie sich an der Aktion beteiligt?

Im vergangenen Mai habe ich zusammen mit meiner Co-Autorin bei einem Posterwettbewerb eines wissenschaftlichen Kongresses 300 Euro gewonnen. Wir haben den Preis geteilt. Ich wollte meinen Anteil spenden – sehr gerne für zahnärztliche Projekte. Daher kam der Zeitungsartikel mit dem Aufruf wie gerufen.

Warum sind Sie Zahnärztin im Öffentlichen Dienst geworden?

Während meiner Assistenzzeit nach dem Studium habe ich festgestellt, dass mir besonders die Behandlung von Kindern Spaß macht. Das war vor mehr als 20 Jahren, damals gab es leider noch keine zahnärztlichen Spezialpraxen für Kinder. Daher habe ich versucht, mir eine andere Nische zu suchen und bin so auf den Öffentlichen Dienst gestoßen.

Was machen Sie dort genau?

Wir besuchen regelmäßig Kindertagesstätten und Schulen und sprechen dort mit den Kindern, klären über Zahngesundheit auf und untersuchen die Zähne. Nach der Untersuchung bekommt jedes Kind einen Zettel, auf dem steht, ob es bei ihm weiteren Handlungsbedarf gibt oder alles in Ordnung ist. Wenn wir feststellen, dass Kinder anschließend nicht zur Behandlung gehen, wenden wir uns mit Briefen und Telefonaten an die Eltern. Gegebenenfalls helfen wir auch bei der Suche nach einer geeigneten Praxis für die Behandlung.

Laut der fünften Deutschen Mundgesundheitsstudie leiden Kinder aus einkommensschwachen Familien häufiger an Karies. Warum ist das so?

Diese Familien haben aufgrund ihrer Lebensumstände viele Schwierigkeiten, so dass die Zahngesundheit eher nachrangig ist. Und wenn bei den Eltern das Verständnis fehlt, dass man seine Zähne pflegen muss, dann können sie das auch nicht an ihre Kinder vermitteln. Außerdem kursieren sehr viele Mythen zum Thema – beispielsweise „Meine Eltern hatten schon Karies, ich kann da nichts gegen machen“.

Was kann man dagegen unternehmen?

Da diese Familien meist nicht von alleine zum Zahnarzt gehen, ist eine aufsuchende Versorgung sehr wichtig. Kinder müssen in Kitas und Schulen betreut werden, um ihnen so den Weg in die Zahnarztpraxis zu bahnen. Familienhebammen sind eine weitere Alternative. Sie kommen zu den Familien nach Hause und zeigen ihnen unter anderem auch, wie sie die Zähne ihrer Kinder gesund halten können. Dabei ist eine einfache Art der Ansprache auf Augenhöhe notwendig. Familienhebammen und Erzieherinnen können das meist besser als Zahnärzte und Fachpersonal.

Was können Eltern tun, um die Zahngesundheit ihrer Kinder zu fördern?

Eltern sollten darauf achten, dass ihr Nachwuchs mindestens zweimal am Tag seine Zähne putzt. Doch das alleine reicht nicht: Wichtig ist, dass sie wenigstens einmal täglich die Zähne ihrer Kinder nachputzen. Denn Kinder sind erst ab der zweiten Klasse motorisch so weit entwickelt, ihre Zähne selbst gründlich genug putzen zu können. Außerdem sollten Eltern frühestmöglich mit ihrem Nachwuchs zum Zahnarzt gehen, spätestens ab dem ersten Milchzahn! Es ist entscheidend, bei kleinen Kindern Vertrauen aufzubauen, dass ein Zahnarztbesuch angenehm sein kann. Auch beim Thema Ernährung können Eltern auf einige Punkte achten: keine Fläschen mit ins Bett geben, nur selten süße Getränke und Naschereien anbieten und früh den Schnuller abgewöhnen.

Warum sollten Eltern schon so früh mit der Mundhygiene beginnen? Die Milchzähne fallen doch eh wieder aus.

Das stimmt zwar, aber im Gebiss sind die bleibenden Zähne schon angelegt. Wenn die Milchzähne kariös sind, kann die Entzündung auch den noch verborgenen Zahn schädigen. Hinzu kommt, dass natürlich auch Milchzähne schmerzen können – sogar relativ schnell, weil der Zahnnerv im Vergleich zu den bleibenden Zähnen im Milchzahn weiter ausgedehnt ist.

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