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    Wie steht Deutschland im Vergleich zu anderen EU-Staaten da, wenn es um grenzüberschreitende Versorgung und das deutsche Sozialsystem im Ganzen geht? Dr. Günter Danner, Europabeauftragter der TK und stellvertretender Direktor der Europavertretung der Deutschen Sozialversicherung, sprach dazu auf dem Gesundheitskongress „SALUT! DaSein gestalten“ in Saarbrücken. Im Interview greifen wir die wichtigsten Aspekte nochmals auf.

    Hallo Herr Dr. Danner, Sie haben an der Diskussionsrunde „Mit Gesundheit und Pflege Grenzen überwinden: Silver Economy an den Binnengrenzen Europas“ teilgenommen. Die Quintessenz?

    Es ist unglaublich wichtig, dass wir endlich vom Europa der abstrakten Redewendungen, gar hohler Versprechungen aus Brüssel wegkommen. Die Bürger müssen Europa als etwas Positives, sich selbst Bereicherndes erleben. Ein Europa der Regionen und der regionalen Zusammenarbeit ist ein Riesengewinn, was Bürgernähe angeht. Das kann man nicht hoch genug einschätzen. Aber es ist Unsinn, wenn man sagt, wir müssen ein gemeinsames Sozialsystem in Deutschland und Frankreich haben. Es geht darum, voneinander zu lernen und zusammenzuarbeiten.

    Das Thema Pflege und der Pflegenotstand sind momentan stark in der Diskussion. Kann man hier in Grenzregionen profitieren?

    Man kann schon. Aber das ist ein zweischneidiges Schwert. Die Skandinavier beispielsweise werben überall, wo es in der EU Börsen gibt, Pflegepersonal an und haben damit Erfolg. Das ist natürlich auf der einen Seite eine Lösung für die Länder, die unbesetzte Stellen haben. Aber es hinterlässt auch Lücken in den anderen Staaten. Wenn man gesamteuropäisch denkt, steckt man was von der rechten in die linke Jackentasche. Aus deutscher Sicht hat das durchaus seinen Reiz – gerade in Grenzregionen. Man kommt aber nicht darum herum zu sagen: Wenn wir eine bessere Pflege wollen und die Jobs attraktiver machen wollen, müssen wir mehr Geld in die Hand nehmen.

    Dr. Günter Danner, Europabeauftragter der TK

    Wie sehen Sie die Entwicklung des Gesundheitssystems in Frankreich?

    Es sind dringend Reformen nötig und auch angekündigt. Das französische Sozialwesen ist völlig verkrustet und marktfern. Es lehnt Wettbewerb in jeder Form ab und blendet die elementaren Instrumente zur Verteilung knapper Ressourcen aus. Wir haben Solidargemeinschaften mit einer aktiven Selbstverwaltung. In Frankreich macht alles der Staat. Die Kontrolle funktioniert oft nicht richtig. Die Reform, die jetzt kommt, ist dem öffentlichen Druck geschuldet. Um die Situation zu verbessen, will die französische Regierung beispielweise eine Ökonomisierung von bestehenden Prozessen. Ich halte diesen Ansatz für gut, es ist allerdings noch nicht viel darüber hinausgegangen. In Frankreich knirscht es also ordentlich im Gebälk.

    Ein großes Thema beim Kongress SALUT!, aber auch im Koalitionsvertrag, ist die Digitalisierung im Gesundheitswesen. Wo sehen Sie da Chancen?

    Die Digitalisierung ist eine technologische Innovation, vergleichbar mit der Dampfmaschine oder der Kernspaltung. Dinge sind technisch möglich geworden, weil wir digital einfach deutlich mehr Daten speichern können als analog. Das verändert das Leben eines jeden Menschen. Sie ist eine enorme Herausforderung, aber auch eine Gelegenheit für ein modern handelndes Unternehmen. Aber die Digitalisierung ist und bleibt ein „Werkzeug“. Stellen Sie sich ein Besteck vor, feinstes Silber, aber der Teller bleibt leer. Wenn nichts serviert werden kann, weil das Gesundheitssystem auf dem Rücken liegt, nutzt die Digitalisierung auch nichts. Wir brauchen Synergien durch den technischen Fortschritt. Aber wir können die humanitäre Hingabe, diesen urchristlichen Gedanken damit nicht ersetzen.

    Fotos: Thomas Wieck


    Daniel Konrad ist Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit in der TK-Landesvertretung im Saarland. Er interessiert sich für digitale Neuerungen und Social Media, kann aber auch guten analogen Büchern nur selten widerstehen. In seiner Freizeit ist er sportlich aktiv und regelmäßig in saarländischen Handballhallen anzutreffen.

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