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Arztbesuch von der Couch aus

28.05.2018

Kennen Sie das? Sie wachen morgens auf, der Hals kratzt, die Nase läuft und das Fieberthermometer vermeldet erhöhte Temperatur. Was nun? Allein die Vorstellung, die heimischen vier Wände zu verlassen um sich mit Auto, Bus oder Bahn zum Arzt zu schleppen, lässt das Fieber noch ein wenig steigen. Und eigentlich brauchen Sie „nur“ eine Krankschreibung, um in Ruhe im heimischen Bett die nächsten Tage lang ihren Infekt auszukurieren…

Stattdessen verbringen Sie schätzungsweise drei Stunden damit, zum Arzt und wieder nach Hause zu kommen, ihre Krankschreibung zur Post zu bringen und vielleicht ein Rezept einzulösen. Zeit, die auf dem heimischen Sofa für eine Gesundung vielleicht besser verbracht wäre. An einer Lösung für diese alltägliche Situation arbeiten wir derzeit in vielen Fachabteilungen der TK. Eine (Teil-)Lösung könnte Fernbehandlung heißen.

So geht Fernbehandlung heute

Ganz allgemein meint Fernbehandlung den Kontakt zwischen Arzt und Patient über elektronische Medien. Dies kann per Telefon, Videotelefonie oder aber auch per Datenübertragung innerhalb einer App sein. Bisher war die Fernbehandlung per ärztlichem Berufsrecht (§ 7 Abs. 4 Muster-Berufsordnung-Ärzte) so geregelt, sodass Ärzte ihre Patienten „nicht ausschließlich“ durch Fernbehandlung versorgen durften. Videosprechstunden konnten dementsprechend nur zur Nachkontrolle genutzt werden, also wenn sich Arzt und Patient bereits kennen.

Auf dem Deutschen Ärztetag 2018 hat die Ärzteschaft nach intensiver Debatte beschlossen, dass der entsprechende Absatz der Muster-Berufsordnung geändert wird, sodass ausschließliche Fernbehandlung künftig auch ohne vorherigen persönlichen Kontakt möglich ist. Schon vor dem Ärztetag hatten Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg ihre Berufsordnungen entsprechend geändert, jetzt müssen die restlichen Landesärztekammern nachziehen.

Aktuelle Diskussion zur Fernbehandlung

Die Fernbehandlung wird weiterhin intensiv diskutiert. Krankenkassen, Politik, Ärzteschaft, Patienten und Verbände befinden sich in einem lebhaften Austausch über Chancen, Grenzen und Rahmenbedingungen für die breitere Nutzung der Fernbehandlung. Aktuelle Pilotprojekte in Baden-Württemberg, an denen auch wir als TK beteiligt sind, verdeutlichen den Handlungsbedarf, die Fernbehandlung zu gestalten. Und wir haben 2016 als erste Krankenkasse die Online-Videosprechstunde für unsere Versicherten eingeführt, die mittlerweile Regelversorgung geworden ist.

Größer Denken als den reinen Arztkontakt

Aus Sicht des Patienten ist eine möglichst vollständige elektronische Abwicklung seines Arztbesuchs praktisch. Dazu gehört auch der elektronische Versand von Rezepten oder Attesten. Die kürzlich vorgestellte Gesundheitsakte TK-Safe könnte künftig der zentrale Ort der Dokumentation für den Patienten sein.

Chance für flexible Arbeitszeitmodelle

Das Angebot einer Fernbehandlung bietet auch den Ärzten die Möglichkeit, ihre Arbeitszeit flexibel einzuteilen, sich für ein Teilzeitmodell zu entscheiden oder Home Office für die Behandlung ihrer Patienten zu nutzen. Eine Chance, den Arztberuf für künftige Generationen attraktiv zu gestalten!

Die Vorteile der Fernbehandlung klug nutzen

Ziel ist dabei, lange Anfahrtswege und volle Praxen zu vermeiden und stattdessen die Versorgung in strukturschwachen Regionen zu stärken. Qualitativ hochwertige Versorgung darf kein Zufallsprodukt sein. Wir gestalten diese aktiv mit – dabei haben Datenschutz und einen geregelter Zugriff auf die Versichertendaten oberste Priorität. Der Versicherte soll jederzeit selbst über das „Wie“ seiner Versorgung und den Zugriff auf seine Daten entscheiden. Dazu gehört für uns auch die Option einer Fernbehandlung.


Weiterlesen:

Von Allergie-App bis Videosprechstunde: Digitale Angebote bei der TK

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