Anne Kraemer

„Was mit persönlichen Daten passieren kann, überblicken Kinder oft nicht.“

Das TK-Portal „Medienuniversum“ bietet Schulen Unterstützung in der digitalen Welt. Julia Bude, Lehrerin an der Grundschule Zerzabelshof in Nürnberg, berichtet von ihren Erfahrungen bei der Umsetzung in Zeiten von Corona.

Schülerinnen und Schüler wachsen heutzutage bereits mit digitalen Medien auf und können beinahe intuitiv damit umgehen. Weshalb müssen sie trotzdem Medienkompetenz erlernen?

Kinder kommunizieren heute wie selbstverständlich miteinander über Apps und suchen im Netz nach Inhalten. Sie beherrschen die Handhabung von digitalen Medien oft gut, ihnen fehlt aber die Analyse, Bewertung und kritische Reflektion von Medien. Sie sind erschrocken, wenn sie von einem Mitschüler auf ein persönliches Video angesprochen werden, welches sie über WhatsApp nur an einen guten Freund verschickt haben. Was mit persönlichen Aufnahmen und Daten passieren kann, überblicken Kinder oft nicht. Dafür müssen sie erst sensibilisiert werden.

Julia Bude arbeitet an der Grundschule Zerzabelshof in Nürnberg.

Wie setzen Sie das „Medienuniversum“ im Unterricht ein – auch während der Coronapandemie?

Kinder sind von Medien wahnsinnig fasziniert und direkt motivierter, wenn es im Unterricht darum geht. Weil die behandelten Themen sich an den Lebenswelten der Kinder orientieren, lässt sich das „Medienuniversum“ gut in die Schule integrieren. Neulich haben die Kinder einen digitalen Comic über einen typischen Tag ihrer persönlichen Medienhelden gestaltet. Dadurch konnten wir gemeinsam reflektieren, wie Mediendarstellung und Realität auseinander gehen können.

Im Homeschooling haben wir mit dem Medienuniversum Regeln für den digitalen Unterricht entwickelt. Plötzlich wurde miteinander gechattet, anstatt persönlich miteinander zu sprechen. Damit Schülerinnen und Schüler es auch im digitalen Raum schaffen, freundlich miteinander umzugehen, haben wir mit einer Lückentext-Aufgabe des Medienuniversums eine Netiquette festgelegt.

Welche Bedeutung hatten die im Medienuniversum behandelten Gesundheitsthemen wie Stress oder Entspannung in Zeiten von Homeschooling?

Während der Coronapandemie haben Kinder oft viel mehr Zeit als sonst an Tablet, Computer oder vor dem Fernseher verbracht: Eine sensible Phase, um mit Kindern den digitalen Medienkonsum zu reflektieren. Um nicht noch mehr Druck auf Eltern auszuüben, die mit Arbeit und Kinderbetreuung oft überlastet und froh über digitale Helfer waren, habe ich das Thema ausgespart. Stattdessen habe ich den Fokus eher auf Entspannung gesetzt und gemeinsam mit den Kindern überlegt, wie sie Ausgleich vom digitalen Unterricht finden können: ob durch ein Hörbuch, einen Spaziergang oder Bücher.

Gestresst waren die Kinder im Homeschooling zum Beispiel von Chatnachrichten ihrer Mitschüler und Mitschülerinnen, die sie während der Hausaufgaben erreichten. Müssen sie darauf sofort antworten? Wie können sie sich weniger ablenken lassen? Auch dafür haben wir Regeln erarbeitet.

Das Portal Medienuniversum unterstützt Lehrerinnen und Lehrer mit Materialien und Konzepten bei der Medienbildung in ihren Klassen.

Wie hat sich die Medienkompetenz in Ihrer Klasse durch die Arbeit mit dem Medienuniversum entwickelt?

Die lebensnahen Themen, der kindgerechte Aufbau sowie die interaktiven und vielseitigen Unterrichtsmethoden der Plattform haben meine Schülerinnen und Schüler gut an einen reflektierten und kritischen Blick auf digitale Medien herangeführt. Trotzdem: Medienkompetenz ist ein lebenslanger Lernprozess. Daher habe auch ich durch die Arbeit dazugelernt, vor allem im Bereich der digitalen Unterrichtsmethoden. Beispielsweise haben wir digitale Mind-Maps genutzt oder Begriffe wie „Like/Dislike“ verwendet, die für die Kinder oft spannender waren – weil sie einen Medienbezug haben.

Haben Sie Ideen zur Weiterentwicklung des Portals?

Viele Kinder suchen lange nach einzelnen Buchstaben auf der Tastatur, um schriftliche Aufgaben zu lösen. Da das 10-Finger-System aber erst an der weiterführenden Schule erlernt wird, wären andere Aufgabenformate für die Kinder einfacher.

In der Pandemie konnte ich durch den eingeschränkten Unterricht nur wenig Zeit mit meinen Schülerinnen und Schülern verbringen und so nur ausgewählte Schwerpunkte setzen. Daher freue ich mich besonders darauf, Themen wie Gaming oder Smartphones nun wieder im Präsenzunterricht zu behandeln.

Weitere Informationen

Medienkompetenz ist Lebenskompetenz. Unter diesem Motto gibt das Medienuniversum Lehrerinnen und Lehrern Material und pädagogische Methoden an die Hand, um ihren Klassen den verantwortungsbewussten Umgang mit Smartphone und Tablet beizubringen. Dabei wird die Medienkompetenz verknüpft mit Gesundheitsthemen wie Ernährung oder Entspannung.

 


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