Alle Artikel > Pflegende Angehörige: Was hilft den Helfern?

Pflegende Angehörige: Was hilft den Helfern?

10.09.2018

Der TK-Meinungspuls Pflege zeigt: Einen nahen Angehörigen zu pflegen steht bei den Menschen in Deutschland hoch im Kurs. 86 Prozent der Befragten sind grundsätzlich bereit, zu pflegen. Die Zahl derjenigen, die es tatsächlich tun, ist aber deutlich geringer.

von Anne Wunsch

Für viele Menschen mit pflegebedürftigen Angehörigen zu Hause ist diese Verantwortung ein Kraftakt. Als sogenannte informell Pflegende brauchen sie Unterstützung und Entlastung. Wir haben drei Experten gefragt, wie das gelingen kann.

 

Thomas Ballast ist stellvertretender Vorstandsvorsitzender der TK und verantwortet dort den Bereich Pflege. Er setzt sich dafür ein, dass auch die Politik pflegende Angehörige unterstützt.

Thomas Ballast ist stellvertretender TK-Vorstandsvorsitzender.

„Der Großteil der Pflegebedürftigen wird zu Hause versorgt. Damit leisten Angehörige oder Freunde den Löwenanteil in der Pflege.

„Um pflegende Angehörige zu entlasten, ist es an der Zeit, die Chancen der Digitalisierung besser zu nutzen und für die Betroffenen zugänglich zu machen.“

Als Pflegekasse sind wir hier schon aktiv. Mit dem TK-Pflege-Coach haben wir eine Möglichkeit geschaffen, online Pflegekurse zu absolvieren. Das reicht aber nicht aus. Beim Thema Pflege müssen alle Beteiligten an einen Tisch. Große Chancen sehen wir beispielsweise im Bereich Smart Home. Technische Lösungen, die eine längere Selbständigkeit ermöglichen und Angehörige entlasten, gibt es bereits. Wir setzen uns dafür ein, dass sie ihren Platz in der Pflegeversicherung finden – dafür ist dann allerdings die Politik gefragt.“

 

Diplom-Psychologin Imke Wolf leitet das Onlineportal pflegen-und-leben.de. Sie und ihr Team beraten individuell pflegende Angehörige in Belastungssituationen.

„Es ist wichtig, dass der oder die Pflegende von der Familie, beziehungsweise vom sozialen Umfeld, unterstützt wird und sich mit dieser großen Aufgabe nicht alleine gelassen fühlt – auch, um sich Auszeiten zu nehmen. In der aktuellen Umfrage wird die Hilfe durch Freunde oder Familie als wichtigster Faktor genannt, wenn es um die Motivation für die Pflege eines Angehörigen geht – wichtiger als finanzielle Hilfe. Außerdem:

Imke Wolf berät Pflegende

„Miteinander zu reden, ist wichtig, um zu erfahren, wie die Eltern oder der Partner alt werden möchten.
Es wird zu wenig über Wünsche, Sorgen und Ängste gesprochen.“

Das zeigt der Meinungspuls Pflege ganz deutlich. Noch nicht einmal die Hälfte der Menschen in Deutschland hat sich dazu bisher mit seinen Lieben an einen Tisch gesetzt. Auch wenn es unangenehm scheint, können frühzeitige Gespräche Sicherheit bringen und so späteren Stress mindern. Dazu gehört auch, über eine Patientenverfügung zu reden.“

 

Georg van Elst ist – unter anderem –  ausgebildeter Krankenpfleger und begleitet die Entwicklungen im Bereich Pflegeversicherung als Leiter des Teams Pflege der TK.

Georg van Elst leitet das Team Pflege in der TK.

„Dass immer mehr Menschen in Deutschland pflegebedürftig werden, kommt nicht überraschend. Bei der TK verzeichnen wir jedes Jahr einen Anstieg der Pflegebedürftigen, die Leistungen erhalten. Aktuell sind es rund 20 Prozent mehr als vor einem Jahr. Als Pflegekasse beraten wir ihre Angehörigen, informieren über die Leistungen der Pflegeversicherung und bieten Pflegekurse an.

Allerdings stellen wir noch immer fest, dass das Wissen über bestimmte Leistungen – etwa zu individuellen Schulungen zu Hause – recht unterschiedlich ausgeprägt ist. Dass für mehr als ein Drittel der Angehörigen die Pflegesituation sehr plötzlich auftritt, ist ein weiterer Grund, sich früh mit dem Thema auseinanderzusetzen.“


 

Ich bin Anne Wunsch und entdecke als Praktikantin die große weite Welt der Unternehmenskommunikation der TK. Besonders gerne schreibe ich und erzähle dabei mal kleine und mal größere Geschichten. Jetzt auch hier auf dem Blog WirTechniker.

 


Weiterlesen:

Hauptstadtkongress 2018: Das sagen Kongressteilnehmer zum Thema Pflege

Pflege ins Zentrum rücken: TK-Position zum Ansatz der Politik

86 Prozent würden nahen Angehörigen pflegen – Hier geht es zum Meinungspuls Pflege.

 

Kommentieren Sie als Erster diesen Artikel

    Weitere Artikel aus der Sammlung „Presse und Politik“

    0

    TK-Verwaltungsrat: Stimme der Versicherten

    Die Stimme der Versicherten

    21.09.2018

    Sie tun es ehrenamtlich. Für mehr als zehn Millionen Menschen setzen sie sich ein. Und ihre Entscheidungen sind für alle TK-Versicherten spürbar - die Rede ist von den Verwaltungsräten der TK.  

    Sie tun es ehrenamtlich. Für mehr als zehn Millionen Menschen setzen sie sich ein. Und ihre Entscheidungen sind für alle TK-Versicherten spürbar - die Rede ist von den Verwaltungsräten der TK.  

    Artikel jetzt lesen
    0

    „Demenz ist unsichtbar“

    "Demenz ist unsichtbar"

    17.09.2018

    Am 21. September ist Weltalzheimertag, der auf die häufigste Form von Demenz aufmerksam machen soll. Reinhild Wörheide hat das Konzept für die Kursreihe "Begleitung im Andersland" entwickelt, das TK-Versicherte nutzen können. Im Interview spricht die Diplom-Gerontologin über ihre Erfahrungen.

    Am 21. September ist Weltalzheimertag, der auf die häufigste Form von Demenz aufmerksam machen soll. Reinhild Wörheide hat das Konzept für die Kursreihe "Begleitung im Andersland" entwickelt, das TK-Versicherte nutzen können.

    Artikel jetzt lesen
    0

    Organspende: Wir müssen die Krankenhäuser stärken!

    Organspende: Wir müssen die Krankenhäuser stärken!

    05.09.2018

    Selten herrscht so ein großer Konsens zwischen den Regierungsparteien wie beim Thema Organspende. Die große Koalition ist sich einig, dass die Zahl der Organspender in Deutschland deutlich erhöht werden muss. Dass es den Parteien damit ernst ist, zeigt der jetzt vorgelegte Referentenentwurf für das "Gesetz für bessere Zusammenarbeit und bessere Strukturen bei Organspenden".

    Die große Koalition ist sich einig, dass die Zahl der Organspender in Deutschland deutlich erhöht werden muss. Dass es den Parteien damit ernst ist, zeigt der jetzt vorgelegte Referentenentwurf für das "Gesetz für bessere Zusammenarbeit und bessere Strukturen bei Organspenden".

    Artikel jetzt lesen
    0

    Rätsel Migräne: „Schmerz ist wie ein Puzzlespiel“

    Rätsel Migräne: "Schmerz ist wie ein Puzzlespiel"

    21.08.2018

    Migräne ist nicht gleich Kopfschmerz - während letzteres fast jeder schon einmal erlebte, ist die Migräne eine eigenständige und besonders ausgeprägte Form. Für Betroffene bedeutet dies oft eine starke Einschränkung im Alltag. Prof. Dr. Hartmut Göbel von der Schmerzklinik Kiel im Interview über seine Erfahrungen als Migräne-Experte und wie eine App den Patienten helfen kann.

    Migräne ist nicht gleich Kopfschmerz - während letzteres fast jeder schon einmal erlebte, ist die Migräne eine eigenständige und besonders ausgeprägte Form. Für Betroffene bedeutet dies oft eine starke Einschränkung im Alltag. Prof. Dr. Hartmut Göbel von der Schmerzklinik Kiel im Interview über seine Erfahrungen als Migräne-Experte und wie eine App den Patienten helfen kann.

    Artikel jetzt lesen
    1

    Der Weg zum neuen Morbi-RSA

    Der Weg zum neuen Morbi-RSA

    02.08.2018

    Je kränker der Versicherte, desto mehr Geld bekommt seine Kasse. Das regelt der Morbi-RSA. Das Problem: Kassen können auf ärztliche Diagnosen Einfluss nehmen und sich so Vorteile gegenüber anderen verschaffen. Die Vorbereitungen für die kommende Reform deuten an: Es könnte noch schlimmer werden.

    Je kränker der Versicherte, desto mehr Geld bekommt seine Kasse. Das regelt der Morbi-RSA. Das Problem: Kassen können auf ärztliche Diagnosen Einfluss nehmen und sich so Vorteile gegenüber anderen verschaffen. Die Vorbereitungen für die kommende Reform deuten an: Es könnte noch schlimmer werden.

    Artikel jetzt lesen
    0

    Ein Mausklick ersetzt den gelben Schein

    Ein Mausklick ersetzt den gelben Schein

    26.07.2018

    Was immer schon so war, muss nicht immer so bleiben: Die TK treibt das Projekt digitale Krankmeldung konsequent voran. Das ist bequemer für alle Beteiligten und schont unsere Aktenordner und Papierkörbe.

    Was immer schon so war, muss nicht immer so bleiben: Die TK treibt das Projekt digitale Krankmeldung konsequent voran. Das ist bequemer für alle Beteiligten und schont unsere Aktenordner und Papierkörbe.

    Artikel jetzt lesen
    1

    Das Patientengesetz: Ein Kommentar

    Das Patientengesetz: Ein Kommentar

    26.07.2018

    Der Referentenentwurf für das Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) will Patienten einen besseren Zugang zu ärztlichen Leistungen ermöglichen. Dabei werden zentrale Problemfelder in Angriff genommen.

    Der Referentenentwurf für das Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) will Patienten einen besseren Zugang zu ärztlichen Leistungen ermöglichen. Dabei werden zentrale Problemfelder in Angriff genommen.

    Artikel jetzt lesen
    0

    Notfallversorgung in Deutschland steht vor Zäsur

    Notfallversorgung in Deutschland steht vor Zäsur

    23.07.2018

    Überfüllte Notaufnahmen mit Patienten, die dort größtenteils gar nicht hingehören - dem will die Politik ein Ende setzen. "Integrierte Notfallzentren" lautet das Zauberwort aus dem Konzept des Sachverständigenrates.

    Überfüllte Notaufnahmen mit Patienten, die dort größtenteils gar nicht hingehören - dem will die Politik ein Ende setzen. "Integrierte Notfallzentren" lautet das Zauberwort aus dem Konzept des Sachverständigenrates.

    Artikel jetzt lesen
    0

    Gesundheit auf dem Campus (er-)leben

    Gesundheit auf dem Campus (er-)leben

    20.07.2018

    Auf dem Campus Berlin-Buch ist ein besonderes Projekt gestartet: 13 Unternehmen gestalten gemeinsam ihr Betriebliches Gesundheitsmanagement. Die TK unterstützt das Angebot.

    Auf dem Campus Berlin-Buch ist ein besonderes Projekt gestartet: 13 Unternehmen gestalten gemeinsam ihr Betriebliches Gesundheitsmanagement. Die TK unterstützt das Angebot.

    Artikel jetzt lesen