Denise Jacoby

WebbyVersum: Warum Tablets in die Kita gehören

In der Kita „Am Schwanenteich“ im hessischen Eschwege gehören Tablets längst zum Alltag – jedoch nicht zum bloßen Medienkonsum. Im Rahmen eines Pilotprojekts mit der TK werden die Geräte als kreatives Lernwerkzeug eingesetzt, mit dem die Kinder ihre Welt spielerisch entdecken und gestalten.

Carina Döring, Erzieherin in der Kita „Am Schwanenteich“

„Im Grunde stellt sich heute nicht mehr die Frage, ob Kinder im Kita-Alter mit digitalen Medien in Berührung kommen sollten. Entscheidend ist, wie und mit wem sie in einer sicheren und altersgerechten Umgebung lernen können, gut damit umzugehen“, sagt Erzieherin Carina Döring. Welche Rolle die Kita dabei übernimmt, erläutert ihre Kollegin Britta Hüther: „Zu einer kindgerechten Bildung gehört heute auch, sich in einer digital geprägten Welt zurechtzufinden. Die digitale Welt verschwindet nicht, wenn wir sie aus der Kita heraushalten. Sie findet dann schlicht woanders statt, oft unbeobachtet und ohne pädagogische Begleitung.“

Medienbildung nachhaltig integrieren

Hier setzt das WebbyVersum der TK an, das als Pilotprojekt in Kooperation mit der Uni Greifswald und dem Blickwechsel e.V. für Medien- und Kulturpädagogik entstanden ist. Das Präventionsangebot unterstützt Kitas dabei, Medienbildung nachhaltig in den Alltag zu integrieren. Nach einer Pilotphase mit rund 50 Kitas in sieben Bundesländern wird das Projekt nun bundesweit ausgerollt.

Die Erzieherinnen Döring und Hüther beschäftigen sich nicht erst seit der Pilotphase mit dem Thema: „Wir haben uns als pädagogische Fachkräfte, aber auch als Eltern immer wieder gefragt, ab wann wir unseren Kindern erlauben können, digitale Medien zu nutzen und wie wir sie dabei gut begleiten. Wie relevant das Thema ist, wurde mir spätestens klar, als mein Sohn in die Grundschule kam und dort vorausgesetzt wurde, dass Kinder schon erste Erfahrungen mit dem Tablet gesammelt haben und mit digitalen Lernangeboten intuitiv umgehen können“, sagt Döring. Für Kinder, die zu Hause kaum Zugang zu digitalen Geräten haben, könne dies ein Nachteil sein.

Britta Hüther, Erzieherin in der Kita „Am Schwanenteich“

Start des WebbyVersums: Vorurteile ausräumen

Zum Projektstart fand für alle teilnehmenden Kitas ein zentraler Schulungstag statt. Döring und Hüther kehrten als „Multiplikatorinnen“ zurück in ihre Einrichtung. Es folgte eine interne Informationsveranstaltung mit dem gesamten Team, zusätzlich begleitet durch eine Vertreterin des Vereins Blickwechsel. Dieser Tag war wichtig, um Fragen zum Projekt und Unsicherheiten anzusprechen. Außerdem wurden Materialien vorgestellt, die den Kitas den Einstieg in das WebbyVersum erleichtern, wie etwa das Kinderbuch „Lotta und Klicks“ und die App „Fiete Bastelversum“.

Auch einige Eltern reagierten zunächst skeptisch. „Es war wichtig, in Gesprächen und bei einem digitalen Elternabend zu erläutern, dass Kinder das Tablet nicht in die Hand bekommen, um allein davor zu sitzen. Es geht um begleitetes, gemeinsames Entdecken, immer mit klaren Grenzen bei den Inhalten und in der Nutzungszeit,“ so Hüther.

So geht Kita mit Tablet

Heute gehören Tablets in der Kita selbstverständlich dazu. Zum Beispiel fotografieren die Kinder an „Waldtagen“ Käfer, Pflanzen oder Samen. Später in der Kita vergrößern sie die Bilder am Bildschirm. So entdecken sie an Augen, Beinen oder Flügeln Details, die sie mit bloßem Auge kaum sehen konnten. Oder sie finden gemeinsam mit einer Erzieherin über eine Bestimmungs-App heraus, wie Pflanzen oder Bäume heißen.

Wenn Kinder einen Gegenstand mitbringen oder sich etwa fragen, warum ihre Zähne anfangen zu wackeln, wird das Tablet genutzt, um kindgerechte Informationen zu suchen oder eine passende „Sendung mit der Maus“ eingebunden. So erleben die Kinder digitale Medien als Werkzeug, das ihnen Antworten auf ihre Fragen liefert und hilft, die Welt zu verstehen.

In der App „Fiete Bastelversum“ können Kinder Figuren wie Fische oder Tiere basteln, diese fotografieren und in eine digitale Welt einfügen. Die Anwendung ist bewusst einfach gehalten. „Für viele Kinder, die gern basteln, ist es faszinierend zu sehen: Mein Bild ist jetzt im Tablet und Teil einer ganzen Szene. Das stärkt das Erleben von Selbstwirksamkeit“, so Hüther.

Es warten noch andere Abenteuer

Gleichzeitig ist den Erzieherinnen bewusst, dass ihr Einfluss begrenzt ist. Trotz Kita-App, Aushängen und Elternabenden können sie nicht alle Mütter und Väter erreichen. Umso wichtiger ist für sie eine klare pädagogische Haltung. Eine zentrale Erkenntnis aus der Auseinandersetzung mit digitalen Medien ist aus ihrer Sicht: Wer mit Kindern über digitale Medien spricht, sollte immer auch über Alternativen sprechen. Nach der Geschichte „Lotta und Klicks“, in der ein Mädchen und ihr Vater viel Zeit an digitalen Geräten verbringen, fragten sie die Kinder: „Was würdet ihr am liebsten machen, wenn draußen die Sonne scheint?“ Die Antworten waren eindeutig: ins Schwimmbad gehen, in den Zoo, auf den Spielplatz, mit Freundinnen und Freunden spielen. Offenbar warten die spannendsten Abenteuer eben doch oft draußen oder im gemeinsamen Spiel mit den anderen.



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