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    von Malik Peter

    1,7 Millionen Menschen in Deutschland leben mit Demenz. Noch immer gilt die Krankheit als unheilbar – wirksame Medikamente gibt es bislang nicht. Grund genug, sich mit dieser Thematik genauer zu beschäftigten und die Versorgung von Menschen mit Demenz zu diskutieren.

    Viele große Pharmaunternehmen haben die Forschung an Alzheimer-Medikamenten mittlerweile eingestellt. Trotz hoher Investitionen habe es keine nennenswerten Fortschritte gegeben, ein wirksames Medikament gegen die Krankheit zu entwickeln. Auch die Autoren des TK-Innovationsreports werfen einen pessimistischen Blick in die Zukunft. „99,6 Prozent der in klinischen Studien erprobten Alzheimer-Medikamente wirkten nicht besser als die verfügbaren“, heißt es im Report.

    Gibt es Arzneimittel, die Betroffenen von Demenz helfen können?

    Sogenannte Antidementiva können den Krankheitsverlauf zwar nicht aufhalten, aber immerhin verlangsamen. Ein Blick auf die Verordnungszahlen unter TK-Versicherten zeigt jedoch, dass jeder vierte Betroffene ein Beruhigungsmittel erhält, während nur 14 Prozent ein Antidementivum bekommen.

    Dabei sind Beruhigungsmittel wie Neuroleptika nur dazu gedacht, den Betroffenen kurzfristig zu behandeln, wenn er für sich selbst oder seine Umwelt eine Gefahr darstellt. Aufgrund der hohen Zahl von Patienten, die mit Beruhigungsmitteln behandelt werden, sprechen die Autoren des Reports allerdings von einer „flächendeckenden Fehlversorgung“ bei Demenz. Für viele Menschen wird damit die Schreckensvorstellung wahr, im Alter einfach ruhig gestellt statt angemessen versorgt zu werden.

    Besondere Herausforderung für Betroffene und Angehörige

    Experten weisen immer wieder darauf hin, welche Belastung eine Demenzerkrankung für Betroffene und Angehörige darstellen kann: „Besonders anstrengend ist die Phase, wenn die Betroffenen verwirrt sind, sich ’seltsam‘ verhalten, sich verirren oder weglaufen – dann ist Hilfe von außen schwierig“, sagt Gerontologin Reinhild Wöhrheide in einem Interview auf Wir Techniker.

    Parallel zur Entwicklung neuer Alzheimer-Medikamente ist eine bedarfsgerechte Pflege der Betroffenen unerlässlich. Hierbei gilt es, auch die Perspektive von pflegenden Angehörigen und Fachkräften im Blick zu behalten. Sie sind zeitlich und körperlich stark eingespannt und – im Fall der informell Pflegenden – häufig durch die fehlende Erfahrung im Umgang mit einer solchen Situation überfordert. Die Ergebnisse aus dem TK-Meinungspuls Pflege zeigen, dass Menschen mit Kontakt zu Demenzbetroffenen zudem wesentlich größere Angst haben, selbst zu erkranken und auch weniger bereit sind, selbst zu pflegen.

    Ein Blick in die Zukunft

    Damit die Bedürfnisse von Menschen mit Demenz und deren Angehörigen stärker in den Fokus rücken, muss die Gesellschaft für die Krankheit sensibilisiert werden. Schließlich ist Demenz für Außenstehende nicht auf den ersten Blick sichtbar: „Oft fehlt Dritten deshalb auch die Empathie und es gibt kaum positive Rückmeldungen“, so Wöhrheide.

    Und wie geht es weiter in der Demenzforschung? Derzeit werden 20 unterschiedliche Wirkstoffe erprobt, ob das jedoch ausreicht, ist fraglich. Angesichts einer immer älter werdenden Bevölkerung brauchen wir intensive Forschung.

    Gleichzeitig müssen Politik und Gesundheitsakteure einen Rahmen setzen, der eine angemessene Pflege von Betroffenen ermöglicht und somit der Fehlversorgung entgegenwirkt. Die TK setzt sich beispielsweise für eine Stärkung der Pflegeberufe und Smart-Home-Lösungen in der Pflege ein. Ein wichtiger Schritt, um die Pflegesituation von Demenzerkrankten zu verbessern und Pflegende zu entlasten.


    Malik Peter hat sich in der Unternehmenskommunikation mit dem TK-Innovationsreport beschäftigt. Besonders treibt ihn die Frage um, ob Betroffene von Demenz in Deutschland richtig versorgt werden. Ansonsten interessiert er sich für alles rund um Politik und Kommunikation.

    Redaktion

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