Laura Hassinger

Altenpflege: „Die Arbeit erfüllt mich noch immer mit Freude“

Verena P., 62 Jahre, arbeitet seit 18 Jahren im Sophienhaus in Berlin mit an Demenz erkrankten Menschen. Warum sie sich für den Beruf in der Pflege entschieden hat und wie sie mit den täglichen Herausforderungen umgeht, erzählt sie im Interview.

Frau P., warum haben Sie sich für den Beruf Altenpflegerin entschieden?

Nach vielen Jahren als Büroleitung habe ich mich neu orientiert. Ich hatte den Wunsch nach einer sinnstiftenden Tätigkeit, die mich ausfüllt – möglichst bis zum Ende meines Berufslebens. Schon während der theoretischen Ausbildung habe ich mit an Demenz erkrankten Pflegeheimbewohnern gearbeitet. Ich habe mich entschieden, in diesem Bereich auch weiter tätig zu sein. Inzwischen arbeite ich seit 18 Jahren mit an Demenz erkrankten Bewohnern. Und die Arbeit erfüllt mich noch immer mit Freude.

Demenzkranke Menschen zu pflegen ist sicher nicht immer einfach. Wie gehen Sie mit den Herausforderungen im Arbeitsalltag um?

Um der großen Verantwortung in der Pflege gerecht zu werden, ist die eigene Haltung und Wertevorstellung ganz wichtig – gerade im Umgang mit an Demenz erkrankten Menschen. Sich auf ihre Bedürfnisse einlassen zu können, steht an erster Stelle. Man muss sich natürlich sehr gut mit dem Krankheitsbild auskennen und auch viel Verständnis aufbringen. Unsere Bewohner fordern viel von uns Pflegekräften, geben aber auch viel zurück. Oft motiviert mich schon ein Lächeln und ein kleines „Danke“.

A propos Motivation: Die Arbeitsbedingungen für Pflegende sind momentan auch in der politischen Diskussion. Wie ist Ihre Erfahrung in dieser Hinsicht?

Vor allem der Faktor Zeit ist ein Thema. Die ist bei unserer Arbeit mit an Demenz erkrankten Menschen besonders wichtig.  Selbst einfache Handlungen scheinen für die Bewohner oft eine unlösbare Aufgabe und erfordern viel Zeit. Um als Pflegekraft lange und gesund in diesem Beruf arbeiten zu können, muss ich mich auch selbst pflegen.

Um als Pflegekraft lange und gesund in diesem Beruf arbeiten zu können, muss ich mich auch selbst pflegen.

Die Digitalisierung im Gesundheitswesen, auch in der Pflege, ist aktuell ein großes Thema. Auch bei Ihnen?

Unsere Leiterin Dr. Landgraf führte die digitale Vernetzung als Pilotprojekt im Sophienhaus ein. Das digitale Dokumentationssystem erleichtert unseren Pflegealltag enorm. Nun können wir Pfleger ohne großen zeitlichen Aufwand in der elektronischen Pflegeakte Informationen über den Gesundheitszustand unserer Bewohner teilen. Dr. Landgraf kann relevante Informationen sehr zeitnah nach Dringlichkeit filtern. Je nachdem antwortet sie direkt im System, meldet sich telefonisch oder kommt direkt zur Visite. Lange Telefonate entfallen – und es passieren auch weniger Fehler. Wobei die persönliche Kommunikation weiterhin eine wichtige Schnittstelle bedeutet.


Sie arbeiten häufig im Schichtdienst, haben eine hohe körperliche und psychische Belastung und leiden oft unter engen Dienstplänen aufgrund von Personalnot: Kein Wunder, dass der Nachwuchs in der Pflegebranche fehlt. Rund 40.000 Stellen sind derzeit unbesetzt, Fachkräfte werden händeringend gesucht. Doch wie geht es den Pflegenden in Deutschland wirklich? Geht es ihnen tatsächlich schlechter als den Berufstätigen in anderen Branchen? Der Gesundheitsreport 2019 der TK hat dazu umfangreiche Daten erhoben.

*Das Titelbild ist ein Symbolbild.


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