Nicole Battenfeld

Achtsam durch die Schwangerschaft

Das Projekt Mind:Pregnancy hilft Schwangeren in Baden-Württemberg mit Ängsten und psychischen Belastungen vor der Geburt umzugehen. Damit die Vorfreude auf das neue Leben eine Chance hat.

Ein nervenzehrender Hausbau, der bevorstehende Umzug und dann auch noch im sechsten Monat schwanger – irgendwann wurde alles zu viel im Leben von Alexandra Knebel aus Schwetzingen. Bei einem Vorsorgetermin meinte ihre Frauenärztin: „Sie sehen ganz schön kaputt aus.“ Sie bot ihr an bei einem Modellprojekt mitzumachen, das in Baden-Württemberg ein Screening aller gesetzlich versicherten Schwangeren vorsieht.

Mind:Pregnancy begleitet werdende Mütter durch Höhen und Tiefen der Schwangerschaft

Hat Mind:Pregnancy in der Schwangerschaft getestet: Alexandra Knebel

Dafür füllte Alexandra zunächst einen Fragebogen aus, den ihre Ärztin an die Projektkoordinatoren von Mind:Pregnancy an der Universitätsklinik Heidelberg schickte. Dorthin wurde sie dann wenig später zu einem Gespräch mit einer Psychologin eingeladen. Dieser berichtete sie von ihren Schlafstörungen und wie erschöpft sie sich oft fühlte: „Anfangs dachte ich, dass daran die Hormonumstellung während der Schwangerschaft schuld sein muss.“ Da Alexandra ihr erstes Kind erwartete, konnte sie nicht auf Erfahrungswerte zurückgreifen.

Durch das Screening wurde ihr bewusst, dass mehr dahinter steckte. Sie stimmte zu, das online-basierte Achtsamkeitstraining „Mindmom“ zu testen. Die folgenden acht Wochen nahm die werdende Mutter sich meist morgens zu einem festen Termin Zeit, um sich mit den verschiedenen Modulen zu beschäftigen. Diese widmen sich Themen wie Achtsamkeit, körperlichen Stress-Symptomen oder der Beziehung zum Baby und beinhalten beispielsweise Lehrvideos und Übungen.

Übungen helfen, vor und nach der Entbindung zu entspannen

Man lernt, die eigenen Bedürfnisse besser wahrzunehmen, und wird auch auf schwierige Situationen in der aktuellen und kommenden Lebensphase vorbereitet.

Alexandra Knebel, Mind:Pregnancy-Teilnehmerin

Besonders hilfreich fand Alexandra meditative- und Entspannungsübungen, die sie auch nach der Geburt ihres Sohnes beibehalten will. Eigentlich fühlte sie sich damit auch gut gerüstet für eine natürliche Geburt; ein weiteres Ziel der Intervention. Doch medizinische Gründe sprachen dagegen und Sohn Max kam Anfang August per Kaiserschnitt auf die Welt.

Letztendlich ist die 36-Jährige glücklich, dass alles gut ging und sie nun den neuen Lebensabschnitt mit ihrer kleinen Familie im neuen Heim genießen kann. Für den Stress und die Herausforderungen, die das mit sich bringt, ist sie – auch dank Mind:Pregnancy – gewappnet.


Das von der Universitäts-Frauenklinik Heidelberg geleitete Innovationsfonds-Projekt Mind: Pregnancy soll psychischen Belastungen in der Schwangerschaft vorbeugen und Betroffene niedrigschwellig unterstützen. Im Januar 2019 startete das Programm in ganz Baden-Württemberg. Bisher wurden knapp 1.700 Screenings durchgeführt. Schwangere mit psychischen Belastungen bekamen ein ausführliches psychologisches Gespräch an den Unikliniken Heidelberg oder Tübingen angeboten – bei Bedarf auch per Video-Sprechstunde. Je nach Ergebnis können die Teilnehmerinnen ein online-basiertes Achtsamkeitstraining nutzen oder bekommen eine Therapie.


Kommentieren Sie diesen Artikel

Lädt. Bitte warten...

Der Kommentar konnte nicht gespeichert werden. Bitte überprüfen Sie Ihre Eingaben.


Lesen Sie hier weiter

Laura Hassinger Laura Hassinger
Nicole Battenfeld Nicole Battenfeld
Katharina Lemke