Thomas Ballast

Auf dem Weg zu einem nachhaltigeren Gesundheitswesen

Was hat sich bei der TK getan in Sachen Nachhaltigkeit? Und welche Ansatzpunkte gibt es darüber hinaus für Krankenkassen und Versorger? Thomas Ballast, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der TK, gibt ein Update.

Mehr als fünf Prozent der CO2-Emissionen in Deutschland werden durch das Gesundheitswesen verursacht. Grund genug, genauer hinzuschauen und sorgsam mit den vorhandenen Ressourcen umzugehen. Die neue Bundesregierung hat hierauf in ihrem Koalitionsvertrag einen klaren Fokus gelegt. Die Verknüpfung mit jedem einzelnen Bereich des gesellschaftlichen und politischen Lebens begrüßen wir sehr und sehen uns dadurch in unserem Bestreben gestärkt, durch soziales und ökologisches Handeln zu einer gesunden Lebenswelt beizutragen.

Allerdings treten im Gesundheitswesen noch immer Zielkonflikte auf, die es Krankenkassen und Leistungserbringern erschweren, nachhaltig zu handeln. Als gesetzliche Kasse stehen wir insbesondere vor der Aufgabe, potenzielle Mehrausgaben durch nachhaltigeres Agieren mit dem Anspruch der Versicherten und des Gesetzgebers auf einen wirtschaftlichen Einsatz der Beitragsgelder zu vereinbaren.

Nachhaltiges Wirtschaften bei der TK

Eine Herausforderung, die wir gerne annehmen. Ende September 2021 habe ich hier auf dem WirTechniker-Blog darüber berichtet, warum wir Techniker auf Nachhaltigkeit setzen und was wir im Unternehmen konkret dafür tun. Seitdem sind weitere Meilensteine erreicht.

Einer der größten Emissionstreiber unserer Arbeit ist Strom. Zum Jahreswechsel 2021 auf 2022 ist daher bei uns der Startschuss für die Umstellung aller TK-Dienststellen auf Ökostrom gefallen. Rund 7.000 Tonnen CO2 werden wir dadurch jährlich einsparen.

Auch unsere Immobilien sind ein wichtiger Faktor. Sowohl angemietete als auch eigene Gebäude wollen wir künftig nachhaltiger gestalten und arbeiten hier an konkreten Maßnahmen. So haben wir beispielsweise beim Erweiterungsbau an unserer Unternehmenszentrale darauf geachtet, dass wir mit der Platin-Vorzertifizierung der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DNGB) den aktuell höchsten Nachhaltigkeitsstandard für Büroneubauten erzielen.

Einen weiteren Hebel stellen Dienstreisen dar. Durch die pandemiebedingten Einschränkungen konnten wir hier einen starken Rückgang der Gesamtemissionen erkennen. Corona hat gezeigt, wie viel digital geht – und welche Vorteile sich daraus für das Klima ergeben, ebenso wie für alle, die Dienstreisen mit ihrem Tagesgeschäft und privaten Alltag zu vereinbaren haben. Diese Lerneffekte wollen wir uns beibehalten und auch in Zukunft Dienstreisen geringhalten und noch bewusster einsetzen.

Gemeinsam mit unserer Nachhaltigkeitsbeauftragten arbeiten wir zurzeit daran, ein übergeordnetes Klimaziel für uns als TK und den Weg dahin zu definieren. Dann gilt es, dieses mit geeigneten Maßnahmen über nachhaltiges Wirtschaften zu erreichen. Zudem setzen wir uns natürlich auch mit den weiteren Aspekten des Themenspektrums Nachhaltigkeit, wie Soziales und Unternehmensführung („Governance“), auseinander.

Einfluss von Politik und Versorgung

Auf politischer Ebene setzen wir uns dafür ein, den Nachhaltigkeitsaspekt im Fünften Sozialgesetzbuch als ergänzendes Kriterium zum bestehenden Wirtschaftlichkeitsgebot aufzunehmen. Die Absicht, mehr Nachhaltigkeit in das Vergaberecht und Beschaffungsprozesse zu bringen, betont auch die neue Regierung im Koalitionsvertrag – und macht sich hoffentlich zügig an die Umsetzung.

Auch im ambulanten und stationären Bereich gibt es Hebel für einen nachhaltigeren Betrieb. Viele Kliniken sind sich dessen schon bewusst und setzen unter anderem Maßnahmen im Bereich Energieeffizienz, Einkauf oder Abfallmanagement um. Aber auch eine digitale Praxisverwaltung und digitale Behandlungsoptionen können sich positiv auf den ökologischen Fußabdruck auswirken.

Als gesetzliche Kasse stehen wir insbesondere vor der Aufgabe, potenzielle Mehrausgaben durch nachhaltigeres Agieren mit dem Anspruch der Versicherten und des Gesetzgebers auf einen wirtschaftlichen Einsatz der Beitragsgelder zu vereinbaren.

Weitere Ansatzpunkte für das Gesundheitswesen

Im Arzneimittelbereich erschweren rechtliche Vorgaben, die eine globale und günstige Versorgung fokussieren, derzeit eine grünere Pharmazie. Die Produktionsverlagerung nach Asien in den vergangenen 20 Jahren hat dazu geführt, dass heute über 60 Prozent der Wirkstoffe dort hergestellt werden – oft unter wenig nachhaltigen Arbeitsbedingungen und Umweltstandards. Um dem zu begegnen, müsste der Produktionsstandort Europa stärker gefördert und der Markteintritt insgesamt an nachhaltige Herstellungsprozesse geknüpft werden.

Außerdem ist denkbar, im nationalen Zulassungsverfahren neue Anforderungen für Produktion und Logistik zu verankern. Auch bei der Bewertung des Zusatznutzens patentgeschützter Arzneimittel könnten nachhaltige Herstellungsprozesse berücksichtigt werden. Gleiches gilt für das Rabattvertragssystem.

Zusammengefasst gibt es im Gesundheitswesen also viele Stellschrauben für mehr Nachhaltigkeit. Sowohl Zielkonflikte als auch fehlende rechtliche Rahmenbedingungen beschränken derzeit noch den Spielraum der einzelnen Akteure. Hier gilt es auf nationaler und internationaler Ebene gegenzusteuern.


Kommentieren Sie diesen Artikel

Lädt. Bitte warten...

Der Kommentar konnte nicht gespeichert werden. Bitte überprüfen Sie Ihre Eingaben.


Lesen Sie hier weiter

Thomas Ballast Thomas Ballast
Frau mit VR-Brille Nicole Knabe Nicole Knabe
Nicole Knabe Nicole Knabe