Johanna Küther

TK-Gesundheitsreport 2022: Long-COVID im Fokus

Wie geht es Deutschlands Beschäftigten? Dieser Frage gehen wir jedes Jahr mit dem TK-Gesundheitsreport auf den Grund. Ein Sonderteil des Reports beschäftigt sich diesmal mit der verhältnismäßig neuen Diagnose Long-COVID.

Schwerpunkt Long-COVID: Corona und die Folgen einer COVID-19-Erkrankung

Als im März 2020 die Coronapandemie in Deutschland ankam, stellte sich schnell heraus, dass die Pandemie massive Folgen für alle Bereiche des Lebens haben würde. Die Auswirkung der Pandemie auf die körperliche und psychische Gesundheit der Beschäftigten haben wir im letzten Gesundheitsreport 2021 beleuchtet. Noch relativ unbekannt waren zu Beginn der Pandemie die längerfristigen Folgen einer Coronainfektion. Diese haben wir daher im diesjährigen Report genauer untersucht.

Die Auswertung zeigt, dass knapp ein Prozent der Beschäftigten, die nachweislich mit dem Coronavirus infiziert waren, in den Monaten nach einer COVID-19-Erkrankung an Long-COVID erkrankten. Insgesamt handelt es sich damit zwar um eine relativ geringe Zahl von Betroffenen, jedoch waren die Patientinnen und Patientenüberdurchschnittlich lange krankgeschrieben. Je schwerer der Verlauf einer akuten Coronaerkrankung, desto länger waren die Betroffenen auch im Nachhinein krankgeschrieben. Dies betraf ganz besonders die Patientinnen und Patienten, die beatmet wurden.

 

Auswirkungen von Long-COVID noch nicht absehbar – Dunkelziffer hoch

TK-Vorstand Dr. Jens Baas mit Blick auf die Anzahl der nachweislich Betroffenen: „Die Zahl erscheint relativ gering. Aber das sind nur die Patientinnen und Patienten, die auch mit dieser konkreten Diagnose krankgeschrieben worden sind – wir gehen zusätzlich von einer hohen Dunkelziffer aus.“ Denn wie auch bei den Coronainfizierten-Zahlen bereits bekannt, kann man auch bei Long-COVID von einer Untererfassung ausgehen. Zum einen stand der Diagnoseschlüssel und die damit verbundene Erfassung erst seit November 2020 zur Verfügung, zum anderen ist zu vermuten, dass dieser vor dem Hintergrund des vielfältigen Krankheitsbilds nicht immer genutzt wurde. Dr. Thomas Grobe vom aQua-Institut hat daher auch Daten von Verdachtsfällen einer COVID-19-Erkrankung hinzugezogen. „Damit hatte mehr als jede und jeder Achte der TK-versicherten Erwerbstätigen 2020 eine COVID-19-Diagnose.“ Darauf aufbauende Modellrechnungen zeigen, dass 1,6 Prozent aller verursachten Fehlzeiten auf längerfristige Auswirkungen dieser Coronaerkrankung zurückzuführen sind.

Long-COVID – wie geht es weiter?

TK-Chef Dr. Jens Baas stellt klar: „Für den Report konnten wir bisher nur die Fehlzeiten der Betroffenen COVID-Erkrankten aus dem ersten Pandemiejahr analysieren. Damals hatten wir noch nicht so viele Virusvarianten und keine Impfung. Hinzu kommt die steigende Anzahl der Coronainfizierten im Laufe der Pandemie.“ Wir lernen also ständig dazu. Das gilt nicht nur für Impfstoffe, COVID-19-Medikamente, sondern eben auch für das vergleichsweise junge und vielschichtige Krankheitsbild Long-COVID. So vielfältig wie die Auswirkungen einer COVID-19-Infektion müssen auch die Behandlungsansätze sein. Lungenfacharzt Dr. Christian Gogoll an der Evangelischen Lungenklinik Berlin rät, sich frühzeitig Hilfe zu holen und ergänzt: „Es gibt nicht „die eine“ richtige Behandlungsmethode. Generell steht die Hausarztpraxis im Mittelpunkt. Hier wird die Behandlung koordiniert und die Betroffenen – wenn notwendig – an Facharztpraxen oder spezielle Long-COVID-Ambulanzen weitergeleitet.“

 

Weitere Informationen

Hier finden Sie den TK-Gesundheitsreport 2022: Zwei Jahre Coronapandemie – Wie geht es Deutschlands Beschäftigten? (Teil 2).



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