Deutschland gibt pro Kopf mehr für die Gesundheitsversorgung aus als alle anderen EU‑Staaten. Trotzdem liegt die durchschnittliche Lebenserwartung hierzulande unter Frankreich, Italien und Spanien. Das zeigt: Höhere Gesundheitsausgaben bedeuten nicht automatisch mehr Gesundheit. Ein entscheidender Hebel sind deshalb Präventionsangebote. Wer sich gesund verhält, kann viele Krankheiten verhindern oder deren Verlauf abschwächen.
Gute Prävention muss für alle leicht zugänglich sein
Häufig erreichen Präventionsangebote vor allem Menschen, die bereits ein gesundheitsbewusstes Leben führen und sich aktiv informieren. Daher reicht es nicht, auf individuelle Eigeninitiative zu setzen. Prävention und Gesundheitsförderung müssen dort ansetzen, wo Menschen leben und viel Zeit verbringen: in ihren Lebenswelten. So werden auch diejenigen erreicht, die sonst nur schwer Zugang zu Gesundheitsangeboten finden.
Die Kita als Lebenswelt mit besonderer Verantwortung
Ein Blick nach Sachsen-Anhalt verdeutlicht das Potenzial lebensweltbezogener Prävention: 98,8 Prozent der Kinder im Alter zwischen drei und sechs Jahren besuchen eine Kindertagesstätte. Damit bilden Kitas eine Lebenswelt, in der Gesundheitsförderung flächendeckend, früh und nachhaltig für Kinder, ihre Familien und Fachkräfte umgesetzt werden kann.
Gesundheitsangebote in Kitas erreichen nicht nur Familien, die ohnehin aktiv danach suchen, sondern fast alle Kinder und ihre Eltern. Und vor allem unabhängig davon, wie gesundheitsbewusst sie bereits leben. Zu den Gesundheitsangeboten gehören zum Beispiel die Verpflegung, der Umgang mit Stress sowie ein inklusives und wertschätzendes Miteinander. Die Kita-Umgebung ist somit ein besonders wirksamer Hebel, um Gesundheit zu stärken und soziale Ungleichheiten zu verringern.
Auf dem Podium (v.l.n.r.): Tobias Krull, Sozialpolitischer Sprecher und Vorsitzender der Arbeitsgruppe Arbeit und Soziales der CDU-Fraktion in Sachsen-Anhalt; Steffi Suchant, Leiterin der TK-Landesvertretung Sachsen-Anhalt; Prof. Dr. Raimund Geene, Sprecher der AG Gesundheit der BAG-BEK und Berlin School of Public Health; Alice Salomon , Hochschule Berlin; Prof. Dr. Susanne Borkowski, Hochschule Magdeburg-Stendal und Bundesarbeitsgemeinschaft für Bildung und Erziehung in der Kindheit
Der erste bundesweite Fachtag „Kita als Ort der Gesundheitsförderung“ in Magdeburg.
Erkenntnisse vom Fachtag „Kita als Ort der Gesundheitsförderung“
Der erste bundesweite Fachtag „Kita als Ort der Gesundheitsförderung“ fand im Juni 2026 in Magdeburg statt. Mehr als 180 Fach- und Leitungskräfte, Kita-Träger und weitere Fachleute haben mit Vertreterinnen und Vertretern aus der Wissenschaft, Politik und von der TK diskutiert, wie Kitas die Gesundheit nachhaltig stärken können. Die zentrale gemeinsame Erkenntnis war: Gesundheitsförderung entfaltet erst dann ihre volle Wirkung, wenn sie fest in Organisationskultur, Leitungshandeln und Rahmenbedingungen verankert ist.
Gleichzeitig ist klar geworden, dass Gesundheitsförderung nur gemeinsam gelingt: Eltern, pädagogische Fach- und Leitungskräfte, Träger und Fachpolitik tragen eine geteilte Verantwortung und benötigen Konzepte, um den Schutz und die Gesundheit aller Beteiligten im Blick zu behalten.
Wie die TK Resilienzförderung im Kita-Alter unterstützt
Im Kontext der Prävention spielt auch die seelische Gesundheit eine Rolle. Durch Programme zur Resilienzförderung, bindungsorientierte Pädagogik oder diskriminierungssensible Ansätze, kann psychische Gesundheit bereits in der frühen Kindheit wirksam gestärkt werden.
Auch die TK begleitet solche Entwicklungen mit qualitätsgeprüften Präventionsangeboten, etwa durch Programme wie „Schatzsuche“, Medienbildungsinitiativen oder Unterstützungsangebote für die Gesundheit pädagogischer Fachkräfte. Sie alle eint das Ziel, Ressourcen zu stärken, Belastungen zu reduzieren und Gesundheitskompetenz aufzubauen, für ein gesundes Aufwachsen und Arbeiten in der Lebenswelt Kita.