Flexibles Arbeiten, der Einsatz von KI und Remote Work aus dem Home-Office gehören längst zum Arbeitsalltag in der Startup-Welt. Seit der Corona-Pandemie gewinnt aber insbesondere das Thema Gesundheit immer mehr an Bedeutung: Das ist ein Kernergebnis des Reports „Startups, Gesundheit & die Zukunft der Arbeit“ des Startup-Verbands. Die TK hat die Studie gefördert.
Studienleiter Vanusch Walk
Während 2021, mitten in der Coronapandemie, 64 Prozent der Befragten sagten, Gesundheit sei für sie ein wichtiges oder sehr wichtiges Thema, liegt dieser Wert jetzt bei 77 Prozent. Vanusch Walk, Senior Researcher beim Startup-Verband und hauptverantwortlich für die Studie, sieht in dem Ergebnis eine positive Nachwirkung aus der Corona-Pandemie: „Auf der Arbeit wird offener über das Thema Gesundheit gesprochen“. Auch niedrigschwellige Angebote rund um Gesundheit sind heute keine Ausnahme mehr: Bereits 47 Prozent der Startups stellen ihren Mitarbeitenden solche Gesundheitsangebote bereit. Je größer die Unternehmen sind, desto eher können sie strukturierte Angebote machen.
Über die Studie
Für den Report „Startups, Gesundheit & die Zukunft der Arbeit“ wurden im ersten Quartal 2026 insgesamt 305 Gründer:innen und Führungskräfte aus der höchsten Führungsebene (C-Level) deutscher Startups befragt. Der Report baut methodisch auf dem Deutschen Startup Monitor, sowie der Studie „#whatsnext 2025 – gesund arbeiten in herausfordernden Zeiten“ der TK und des IFBG auf. Als Startups zählt die Studie innovative Wachstumsunternehmen, deren Gründung nicht mehr als zehn Jahre zurückliegt und übernimmt damit die Definition des Deutschen Startup Monitors.
Dr. Amelie Wiedemann
„Mentale Gesundheit von Anfang an mitdenken“
Die Bedeutung von Gesundheit für den Unternehmenserfolg erklärt Dr. Amelie Wiedemann, Gründerin des Startups DearEmployee: „Hohe Arbeitsdichte gehört oft zur Startup-Realität – umso wichtiger ist es, mentale Gesundheit von Anfang an mitzudenken.“ Das erlebt sie auch persönlich: „Als Gründerin und Arbeitspsychologin sehe ich täglich, wie stark psychische Belastung darüber entscheidet, ob Teams langfristig leistungsfähig bleiben. Das im Blick zu haben und hier proaktiv zu sein, ist kein Nice-to-have, sondern entscheidend für jedes Unternehmen.“ Die Studie bestätigt ihren Eindruck: Die befragten Gründer:innen und C-Level-Führungskräfte nennen vor allem die hohe Arbeitsdichte (68 Prozent) und den damit verbundenen Druck (59 Prozent) als zentrale gesundheitliche Risiken.
Ute Erdenberger
Der Schlüssel für einen gesunden Umgang mit dieser fordernden Arbeitsumgebung liegt bei den Führungskräften, weiß Ute Erdenberger. Bei der TK leitet sie den Bereich Gesundheitsmanagement. Gesundheit müsse von Anfang an mitgedacht werden. „Dabei spielt Führung eine besonders wichtige Rolle, denn gerade in Startups prägen Gründer:innen die Kultur unmittelbar.“
Dank KI: mehr Kreativität, weniger Belastung?
Ein Faktor, der in diesem Arbeitsumfeld zuletzt besonders rasant an Bedeutung gewonnen hat und auch Auswirkungen auf die mentale Gesundheit der Beschäftigten haben kann, ist die Künstliche Intelligenz. In der Studie geben 57 Prozent der Gründerinnen und Gründer an, dass der Einsatz von KI mehr Freiraum für Innovation und Kreativität ermögliche. So könnte die hohe Arbeitsdichte in einem Startup reduziert werden, da gewisse Prozesse von der KI übernommen werden. Das könnte sich auch positiv auf die Gesundheit der Beschäftigten auswirken. Rund 81 Prozent der KI-nutzenden Startups berichten zudem von einer höheren Produktivität der Mitarbeitenden. Bereits 85 Prozent der Startups setzen neben Chat-basierten Tools wie ChatGPT auf spezialisierte KI-Anwendungen. In der Gesamtwirtschaft liegt der Anteil lediglich bei 45 Prozent.
Magdalena Oehl
Wer sich mit Gesundheit befasst, ist bereit für die Zukunft
Für die Co-Founderin des Unternehmens TalentRocket, Magdalena Oehl, kommen bei der Arbeitsweise von Startups mehrere Faktoren zusammen: „Startups arbeiten anders: hohe Eigenverantwortung, Flexibilität und eine offene Fehlerkultur. Sie setzen weiter stark auf Remote- und Hybridmodelle – und nutzen KI so umfassend wie kein anderer Teil der Wirtschaft. Diese Arbeitsweise ist eine Stärke, bringt aber auch Herausforderungen mit sich. Entsprechend gewinnt Gesundheit für Gründerinnen und Gründer klar an Bedeutung. Wer sich hier gut aufstellt, prägt die Arbeitswelt von morgen.“
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