Natalie Hahn

Wie die OMR 2026 Politik, Gesundheit und Innovation zusammenbringt

Eine Veranstaltung in Hamburg, die das Supermodel Heidi Klum, Vizekanzler Lars Klingbeil oder NFL-Spieler Tom Brady auf eine Bühne holt? Das kann nur die OMR sein – Europas größte Digitalmesse.

Hamburgs Busse und Bahnen sind am Dienstag‑ und Mittwochmorgen außergewöhnlich voll. Rund 70.000 Menschen strömen zu den Messehallen, um die OMR 2026 zu besuchen. Die Stimmung des Branchentreffs aus Marketing, Kommunikation, Wirtschaft, und Politik hat eher etwas von Jahrgangstreffen. Ihr gemeinsames Ziel für die nächsten zwei Tage: zahlreichen Vorträgen lauschen, sich auf Workshops fortbilden und mit rund 500 Ausstellern networken.

Ein Update zu Deutschland vom ersten Digitalminister

Es ist der erste Programmpunkt auf der größten OMR-Bühne als Dr. Karsten Wildberger zum Mikro greift. Als Erster trägt er das Amt eines Bundesministers für Digitales und Staatsmodernisierung. Sein Hauptziel? In Zeiten des rasanten technologischen Wandels die digitale Souveränität Deutschlands sicherzustellen. Auf welche zwei Strategien er dabei setzt, teilte er in seinem Vortrag „Update für Deutschland“. Erstens, die Abhängigkeiten von ausländischen digitalen Lösungen zu reduzieren und zweitens, am Wachstum von KI zu partizipieren. Engagierte Vorhaben, wofür er innerhalb des ersten Amtsjahres bereits Maßnahmen in die Wege geleitet hat.  So zum Beispiel den Aufbau einer nationalen, sicheren Cloud-Infrastruktur, dem sogenannten „Deutschland-Stack“ oder die Erhöhung der Rechen- und KI-Kapazitäten am Standort Deutschland.

Wie sehr sich die deutsche Wirtschaft noch auf Technologien anderer verlässt, zeigen Zahlen aus dem Vortrag von Rolf Schumann, CO-CEO von Schwarz Digits: 96 Prozent der heimischen Unternehmen beziehen digitale Technologien oder Services aus dem Ausland.

Vor diesem Hintergrund schloss der Digitalminister seinen Auftritt mit einem Appell ab: „Wir können nur vorankommen, wenn alle Beteiligten Innovationen mutig vorantreiben. Die Politik soll den Rahmen schaffen, die Politik soll möglich machen.“

Welchen Pitch braucht das deutsche Gesundheitssystem jetzt?

Gleich zweimal standen TK-Chef Jens Baas und Unternehmer Georg Kofler gemeinsam auf einer Bühne. Die beiden verbindet das Gespür für Innovationen und unternehmerisches Denken. Eine gute Voraussetzung, um zu diskutieren, welche Ideen und Reformen das deutsche Gesundheitssystem dringend braucht. So würde den Juror aus der „Höhle der Löwen“ ein System faszinieren, das die „Zettelwirtschaft“ im Gesundheitssystem digitalisiert. Die gute Nachricht ist: Das gibt es schon und heißt „elektronische Patientenakte“ (ePA).

Aktuelle Einblicke in Sachen ePA gab Sandra Hoyer, Teamleiterin im TK-Versorgungsmanagement, auf der TK-Bühne: Mittlerweile sind bundesweit 70 Millionen ePAs angelegt und über eine Millionen Menschen nutzen die App TK-Safe, um auf ihre ePA zuzugreifen. Im gemeinsamen Talk ergänzt Mediziner Dr. Johannes Wimmer: Die ePA sei wie ein Kollege, der unkündbar ist.

Digitalisierung für mehr Struktur im Behandlungsdschungel

Welche Reformen das Gesundheitssystem nach Baas Meinung aber noch braucht, ist eine besser organisierte Versorgung der Menschen. „Den Menschen fehlt es an Klarheit, wo sie die richtige medizinische Hilfe bekommen. Welche Anlaufstelle ist die richtige: Hausarzt, ein Facharzt oder gar die Notaufnahme?“ Damit der Weg durch das Gesundheitssystem weniger der subjektiven Selbsteinschätzung oder gar dem Zufall überlassen wird, befürwortet Baas eine standardisierte digitale Ersteinschätzung, die Patientinnen und Patienten unterstützt und sie auf den richtigen Behandlungsweg bringt. „Das kann per App, Telefonkontakt oder an den Arzttresen erfolgen“. Doch egal wie gut eine Idee sein mag, vieles steht und fällt mit der politischen Umsetzung. Das zeigen auch die jüngsten Debatten um die GKV-Finanzen. Was sich Baas von der Regierung wünschen würde? Eine ehrliche Kommunikation und Mut für Veränderung in einem komplexen System: „Es reicht nicht immer, eine Wunde mit einem Pflaster zu zukleben, manchmal braucht man eine tiefergehende Therapie.“

Buntes Programm am TK-Stand

Am TK-Stand herrschte die gesamten zwei Tage über ordentlich Trubel. Viele der OMR-Gäste interessierten sich für das bunte Programm auf der TK-Bühne. Kein Wunder! Schließlich gab es hier Journalistin Amelie Weber zur Frage, wie man in Zeiten von Fake und Bad News optimistisch bleibt zu hören oder auch Tech-Influencerin Lara Sophie Bothur zur Frage, wie man komplizierte Themen nahbar rüberbringt. Auch die Schaulustigen durften selbst aktiv werden und digitale Angebote wie die TK-App, TK-Coach oder TK-Doc erleben. Am TK-Stand drehte sich alles auch um die „SocialPizza“ – eine symbolische Pizza, die für das umfassende Start-up-Portal der Techniker steht. Das Angebot unterstützt Gründerinnen und Gründer rund um das Thema Sozialversicherung und zeigt, wie sich einzelne ‚Zutaten‘ zu einer stimmigen Gesamtlösung für Start-ups verbinden.

Nach zwei intensiven Tagen mit vielen gesammelten Schritten und spannenden Impulsen ist klar: Der Weg zu einem digitalen Gesundheitswesen beginnt mitmutigen Entscheidungen – sowohl in der Politik als auch bei uns in der TK. Oder anders gesagt: „Du kannst. Machen wir‘s!“



Lesen Sie hier weiter

TK-Stand auf der #OMR25 Johanna Küther Johanna Küther
Arztgespräch Anne Kraemer Anne Kraemer
Tagesspiegel Fachforum Lennart Paul Lennart Paul

Kommentieren Sie diesen Artikel

Lädt. Bitte warten...

Der Kommentar konnte nicht gespeichert werden. Bitte überprüfen Sie Ihre Eingaben.