Nicole Knabe

Zukunft gestalten heißt miteinander reden

In Berlin kamen Berufsschülerinnen und -schüler mit ehrenamtlichen Selbstverwalterinnen und Selbstverwaltern zur Zukunftswerkstatt „Miteinander reden!“ zusammen. Ein lebendiger Austausch, den die TK begleitet hat.

Von links nach rechts: Hans-Christoph Keller, Leiter der Abteilung Kommunikation bei Deutsche Rentenversicherung Bund, Doris Barnett, stv. Bundeswahlbeauftragte für die Sozialversicherungswahlen (BMAS), Maren Teichmann, Referentin und stv. Leiterin der Pressestelle bei der KKH, Dr. Anne Thomas, Selbstverwalterin der TK, Heribert Jöris, Mitglied des Vorstands der Deutschen Rentenversicherung Bund, Kathleen Aaliyah Garschke, Schülerin der OSZ Ästhetik und Technik, Alexander Gade, Schüler der OSZ Ästhetik und Technik, Maya-Louisa Brandt, Schülerin der OSZ Ästhetik und Technik und Hansjürgen Schnurr, KKH-Verwaltungsratsvorsitzender.

Auf dem Berliner EUREF-Campus, wo historische Backsteingebäude auf moderne Glasfassaden und Solarmodule auf den denkmalgeschützten Gasometer treffen, kamen am 29. Juni Berufsschülerinnen und Berufsschüler aus Berlin und Brandenburg mit ehrenamtlichen Selbstverwalterinnen und Selbstverwaltern der Sozialversicherung zusammen. Ihr gemeinsames Ziel: über die Zukunft unserer sozialen Sicherung sprechen.

Den Rahmen dafür bildete die Zukunftswerkstatt „Miteinander reden!“. Sie ist Teil der Initiative „Mitreden! – Bei Rente & Gesundheit“ der Deutschen Rentenversicherung Bund (DRV Bund) und der Ersatzkassen TK, BARMER, DAK-Gesundheit, KKH, hkk und HEK. Statt langer Vorträge drehte sich an diesem Tag alles um Diskussionen und unterschiedliche Perspektiven. Darüber freute sich auch die stellvertretende Bundeswahlbeauftragte für die Sozialversicherungswahlen, Doris Barnett, in ihrer Begrüßung: „Ich bin so dankbar, dass Sie hier mitmachen“, betonte sie in Richtung der Schülerinnen und Schüler. Und ergänzte mit einem Schmunzeln: „Anfangs vielleicht nicht ganz freiwillig, aber am Ende hat’s hoffentlich auch Spaß gemacht.“ Schließlich seien Rente und Gesundheit auch für junge Menschen wichtig – zum Beispiel während der Ausbildung.

Schulbesuche zum Auftakt

Bereits im April und Mai besuchten Selbstverwalterinnen und Selbstverwalter ausgewählte Berufsschulen in Berlin und Potsdam, um fachlichen Input zu gesetzlicher Kranken- und Rentenversicherung, Solidarität und Mitbestimmung in die Klassenzimmer zu bringen. Anschließend arbeiteten die Klassen eigenständig weiter, diskutierten Fragestellungen, entwickelten Ideen und bereiteten ihre Ergebnisse kreativ auf.

Für die TK nahm Verwaltungsratsmitglied Dr. Anne Thomas am Schulbesuch und auf dem EUREF-Campus teil: „Ich hatte mich sehr darauf gefreut mit jungen Menschen zusammenzukommen, die sonst nicht oft mit Mitbestimmung und Selbstverwaltung zu tun haben.“ Von der Kreativität und dem Engagement ist sie begeistert: „Dass “meine” Klasse einen Podcast produziert, in dem sie nicht nur Wissen vermittelt, sondern eigene Positionen entwickelt hat, zeigt, wie intensiv sich die Teilnehmenden mit den Inhalten beschäftigt haben.“ Für das soziale Miteinander brauche es genau solche jungen Menschen, die sich aktiv einbringen.

Ehrlicher Austausch und großes Interesse

Das große Interesse der jungen Generation lobte auch Dagmar Zeppa, Selbstverwalterin bei der TK. „Mein Herz geht auf, wenn ich sehe, dass so viele junge Menschen Interesse an sozialer Selbstverwaltung haben. Es ist so wichtig, dass die junge Generation kritische Fragen stellt und ihre Ideen einbringt, um die sozialen Sicherungssysteme zukunftsfähig zu machen.“ Die Schülerinnen und Schüler hinterfragten zum Bespiel den Fakt, dass man erstmals mit 27 Jahren Kontakt mit der Rente hat. Ab dann nämlich, wenn die Deutsche Rentenversicherung regelmäßig eine Renteninformation verschickt. Der Erstkontakt sollte allerdings mit der Volljährigkeit, dem 18. Lebensjahr, erfolgen – für eine frühere Sensibilisierung. Außerdem führten die Teilnehmenden der Panel-Runde das schwedische Modell als Gegenmodell zum deutschen Rentensystem ins Feld und gingen auf dessen Vor- und Nachteile ein.

Die vielseitige inhaltliche Auseinandersetzung beeindruckte auch die beiden TK-Auszubildenden Laura Süß und Elias Arne Lindemann, die als Gäste an der Veranstaltung teilnahmen. Sie verfolgten die Präsentationen und Diskussionen auf der Bühne: „Es ist toll, dass die Schülerinnen und Schüler diese komplexen Themen angegangen sind. Das wäre auch ein super Projekt für meine Berufsschule gewesen“, sagt Elias. Der gelernte Kaufmann im Gesundheitswesen nimmt außerdem eine Erkenntnis mit: „Die eingeblendete Straßenumfrage hat gezeigt, dass wir Krankenkassen unser Leistungsspektrum online noch besser zugänglich machen müssen. Nicht nur für junge Menschen, sondern für alle Versicherten.“

Mitbestimmung braucht Mitmachen

Die Zukunftswerkstatt hat eins besonders deutlich gemacht: Soziale Selbstverwaltung ist nichts Abstraktes. Sie lebt davon, dass Versicherte ihre Sichtweisen einbringen und Verantwortung übernehmen. Formate wie dieses schaffen Begegnungen auf Augenhöhe, bauen Berührungsängste ab und zeigen, wie Mitbestimmung ganz konkret aussehen kann. „Den heutigen Austausch habe ich als sehr wertschätzend und wertvoll empfunden. Die Schülerinnen und Schüler haben deutlich gemacht, dass die junge Generation Verantwortung übernehmen und sich einbringen will“, sagt Laura. „Gleichzeitig teilten die Selbstverwalterinnen und Selbstverwalter ihre Erfahrungen aus der ehrenamtlichen Praxis.“

Wenn junge Menschen früh erfahren, wie unsere Sozialversicherung funktioniert und welche Möglichkeiten der Mitbestimmung es gibt, wächst das Verständnis für ein System, das sie schon heute begleitet. Umgekehrt gewinnt die Soziale Selbstverwaltung wertvolle Einblicke in die Erwartungen der nächsten Generation.

Die Zukunftswerkstatt hat etwas in Gang gesetzt: „Das war ein gelungener Auftakt, um in den Dialog einzusteigen“, zieht Anne Thomas ihr Fazit. Und auch Dagmar Zeppa zieht eine positive Bilanz: „Nach dem heutigen Tag gehen alle Beteiligten mit neuen Ideen und interessanten Begegnungen nach Hause.“

Weitere Details

Weitere Einblicke und die präsentierten Arbeiten der Berufsschulklassen finden sich bald online unter www.sozialwahl.de – der Kampagnenseite der Mitreden-Initiative.



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1 Kommentar

  • Detlev Günther

    Klasse! Finde ich richtig gut, wichtig und müsste noch viel mehr stattfinden. Viel mehr meint: nicht nur in Berlin, auch in Bad Lippspringe, Pinneberg und Zittau.
    Aber auch bei den Schülern vor der Berufswahl und den Lehrern der allgemein bildenden Schulen.
    Aber auch zu dem gesamten Thema: wie funktioniert der Sozialstaat und was hat das mit Demokratie zu tun.

    Wenn ich mir etwas wünschen darf: bitte lassen Sie hier nicht locker und nutzen wir unsere Wirkmacht als größte Krankenkasse. Denn nichts-tun machen schon so viele…

    Ich wünsche viel Erfolg.