Katharina Borgerding

Sabbatjahr: Leben, wo der Pfeffer wächst

Ein Jahr raus aus dem Alltag: Unsere Kollegin Gabriela Kresse hat es wahr gemacht und ist in die Ferne geschweift. Dort ist sie rundum glücklich – nur zwei Dinge aus der Heimat fehlen ihr.

Gabriela Kresse ist seit 25 Jahren bei der TK beschäftigt und davon seit mehr als 20 Jahren in der Pressestelle. Dort ist sie für die Mediendokumentation und -analyse zuständig. Im Moment übt sie diese Tätigkeit allerdings nicht aus, sondern befindet sich seit Juli 2015 in einem Sabbatjahr in Kambodscha. Bei der TK gibt es die Möglichkeit, ein Lebensarbeitszeitkonto für solche Zwecke zu nutzen. Am 1. Juli diesen Jahres sitzt sie dann wieder an ihrem Schreibtisch in Hamburg. Wir waren neugierig und haben sie zu ihrem Alltag, Erfahrungen und Reisetipps befragt.

Warum haben Sie sich für Kambodscha entschieden? Für viele ist es sicher ein relativ unbekanntes Land, können Sie uns einen Crash-Kurs mit den wichtigsten Infos zu Land, Kultur und Leuten geben?

Vor mehr als 15 Jahren bin ich das erste Mal allein als Rucksacktouristin nach Kambodscha gereist. Damals haben mich in erster Linie die Tempel von Angkor Wat interessiert. Warum ich mich jetzt wieder für Kambodscha entschieden habe? Wegen der Menschen. Die Kambodschaner sind unglaublich freundliche und offene Menschen mit einem wunderbaren Sinn für Humor. Mir ist das Land eine zweite Heimat geworden, was nicht zuletzt darin liegt, dass ich hier mittlerweile mit meinem kambodschanischen Freund ein Haus gebaut habe.

Kambodscha liegt in Südostasien am Golf von Thailand und ist ein vom Buddhismus geprägtes Land mit wunderschönen Landschaften, abgelegenen Inseln, Stränden und einer großen Vielfalt an Tieren und Pflanzen und einem reichen kulturellen Erbe. Den meisten Deutschen ist es, abgesehen von den Tempeln, eigentlich nur ein Begriff wegen Pol Pot und der Zeit der „Roten Khmer“. In den Jahren des Bürgerkriegs (1975-78) versuchte Pol Pot mit Brachialgewalt einen sogenannten Steinzeitkommunismus zu etablieren. Nach heutigen Schätzungen starben in dieser Zeit mehr als zwei Millionen Menschen und das Land wurde in tiefe Armut gestürzt.

Wo leben Sie im Moment und wie sieht dort Ihr Alltag aus?

Ich lebe im wahrsten Sinne des Wortes dort, wo der Pfeffer wächst – in einer kleinen Stadt im Südwesten Kambodschas, die Kampot heißt und berühmt für ihren exquisiten Pfeffer ist. Ich lebe hier im Luxus, weil ich total frei bin. Bei mir klingelt kein Wecker und ich muss mich nicht beeilen, schnell irgendwo hinzukommen. Ich kann jeden Tag entscheiden, was ich machen möchte und wann. Außerdem gehe ich zweimal die Woche zum Sprachunterricht und spreche inzwischen ein ganz passables Khmer. Ich kann beim Einkauf mit den Marktfrauen scherzen, das fühlt sich toll an. Ich bin zum ersten Mal in meinem Leben Hausfrau und kämpfe täglich gegen die Ameisen, Moskitos und Käfer, die unser Haus einnehmen wollen. Wenn es mir zu heiß wird, setze ich mich auf meinen Motorroller und fahre an den Fluss, um mich dort abzukühlen.

Wie funktioniert die Kommunikation mit kambodschanischen Freunden und Nachbarn?

Dass ich inzwischen ein bisschen Khmer spreche, erleichtert die Kommunikation natürlich, aber am Anfang habe ich mich mit Händen und Füßen verständigt. Es sprechen zwar viele ein bisschen Englisch, aber längst nicht alle. Wenn Kambodschaner einen „barang“ (so nennt man hier westliche Ausländer) sehen, erwarten sie nicht, dass man ihre Sprache spricht und schon ein einziges „awkoon“ (Danke) bringt sie zum Lächeln. Mein gebrochenes Khmer führt oft zu Amüsement, letztens wollte ich zum Beispiel Grillkohle kaufen und fragte mangels der passenden Vokabel nach „schwarzen Steinen zum Grillen“.

Und was fehlt Ihnen in Kambodscha? Oder anders: Wenn Sie eine Sache aus Deutschland herbei rufen könnten, was wäre das und warum?

Schickt mir Lakritze und eine norddeutsche Meeresbrise.

Gab es für Sie ein prägendes Erlebnis in Kambodscha?

Ein einziges prägendes Erlebnis gibt es nicht, eher viele kleine. Ich erinnere mich zum Beispiel, wie ich vor mehr als zehn Jahren über einen abgelegenen Grenzposten von Thailand nach Kambodscha einreiste. Die einzige Transportmöglichkeit zur nächsten, mehr als 50 km entfernten Stadt, war ein „Motodup“ (Motorradtaxi). Der Fahrer sprach kein Englisch und ich musste vor der Fahrt zahlen, das hat mich etwas beunruhigt. Dann ging es stundenlang wortlos auf holprigen Sandpisten durchs Gebirge.
Als das erste Dorf in Sicht kam, fuhr der Fahrer zu einem der Häuser, machte dort halt und gestikulierte, dass ich ihm folgen sollte. Es stellte sich heraus, dass dort seine Familie wohnte, die mich direkt zum Essen eingeladen hat. Die Großmutter hatte in ihrem Leben noch nicht viele „Weiße“ gesehen und war fasziniert von meiner bleichen Haut – sie hat mich gekniffen um zu testen, ob das echt ist. Auch wenn das Essen mit reichlich „Prahok“ (vergorener Fischpaste) nicht mein Geschmack war – ein richtig schönes Erlebnis.

Was sind Ihre Top-Drei Reisetipps oder „life hacks“, um in Kambodscha einen schönen Urlaub / eine schöne Zeit zu haben?

1) Möglichst oft einen „local guide“ anheuern, auch wenn man viele Dinge allein machen könnte. Mit einem Guide sieht und erfährt man viel, was nicht im Reiseführer steht und so profitieren auch die Einheimischen von den Touristen und es macht Spaß!
2) Sich Zeit nehmen und versuchen, sich dem kambodschanischen Tempo anzupassen.
3) Einen Kambodschanischen Friseur besuchen. Wer sich nicht die Haare schneiden lassen möchte, lässt sich einfach die Haare waschen („kok sok“) und bekommt dabei eine tolle Kopfmassage.


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