Katharina Lemke

Sport in der Krebstherapie – kann Bewegung heilen?

Bewegung beugt Krankheiten vor und kann sogar Prognosen und Heilungschancen verbessern. Gemeinsam mit Prof. Dr. Martin Halle von der TU München entwickelte die TK das Bewegungsprogramm „Sport als Therapie“. Es wird auch für Patienten in der akuten Krebstherapie angeboten.

„Für Stillstand ist unser Körper nicht geschaffen“, findet Professor Dr. Martin Halle. Bewegung könne sogar die Wirkung eines Medikaments haben: Regelmäßiges Training führe zu einer Verbesserung des Stoffwechsels, Blutzuckers, Blutdrucks und der Cholesterinwerte. So beuge Bewegung Krankheiten wie Diabetes, Herz-Kreislauferkrankungen oder Krebs vor und verbessere als unterstützende Therapie zu einer konventionellen Behandlung sogar die Prognosen und Heilungschancen von Patienten. Aber wie kann ein begleitendes Sportprogramm ganz konkret in der Krebstherapie zum Einsatz kommen? Das stellen wir anlässlich des diesjährigen Weltkrebstages am 4. Februar 2017 am Beispiel des TK-Programmes „Sport als Therapie“ vor.

Sport in der akuten Krebstherapie

„Hightech-Medizin und neue Behandlungsmethoden haben dafür gesorgt, dass die Prognose für viele Krebspatienten heute besser ist als vor 25 Jahren“, erklärte Thomas Ballast, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der TK im Februar 2016, als die Techniker Krankenkasse gemeinsam mit Professor Dr. Martin Halle, Sportmediziner im Zentrum für Prävention und Sportmedizin, das Behandlungsprogramm Sport in der akuten Krebstherapie vorstellte. Vor mehr als sechs Jahren startete das Programm „Sport als Therapie“ – das auf Bewegung als integralem Bestandteil des Therapie-Erfolgs setzt – zunächst für Patienten mit Diabetes und Herz-Kreislaufkrankheiten. Die Ergebnisse wurden dabei kontinuierlich wissenschaftlich dokumentiert. Eine daraus resultierende 5-Jahres-Studie machte deutlich: Individuelle Therapieergebnisse und Prognosen lassen sich verbessern, wenn der Patient aktiv an der Therapie beteiligt ist.

Vorstellung des Therapieprogramms 2016 (von links): Thomas Ballast, stellv. TK-Vorstandsvorsitzender, Prof. Dr. Martin Halle von der Technischen Universität München und Klaus Rupp, Leiter des Bereichs Versorgungsinnovation bei der TK.
Vorstellung des Therapieprogramms 2016 (von links): Thomas Ballast, stellv. TK-Vorstandsvorsitzender, Prof. Dr. Martin Halle von der Technischen Universität München und Klaus Rupp, Leiter des Bereichs Versorgungsinnovation bei der TK.

Mit Bewegung die Angst durchbrechen

Seit einem Jahr gibt es das Angebot nun auch für Krebspatienten. Der Grundgedanke ist, Körper und Psyche des Patienten in der akuten Phase einer Krebserkrankung durch Bewegung zu unterstützen. Damit kann die Abwärtsspirale – aus krankheitsbedingtem Bewegungsmangel, der daraus resultierenden Lustlosigkeit und in der Folge immer weniger Bewegung und noch größerer Erschöpfung – durchbrochen werden. Urvater der Sporttherapie Prof. Dr. Martin Halle sagt:

„Der Patient soll sich von Beginn an daran gewöhnen, selbst etwas für sich zu tun. Das ist gut für die eigene Psyche. Außerdem fördert die Bewegung die Verträglichkeit der Chemotherapie“

Risikofaktor Inaktivität

In der konventionellen Krebstherapie neigte man lange dazu, den Patienten hinzulegen, ihm viel Ruhe zu verordnen, meint Halle. Das sei sicher nicht falsch. Dennoch sei es wichtig, am Tag nach der Chemo wieder mit einem körperlichen Training zu beginnen. Denn: Grade wenn Gift durch den Körper läuft, sollte man sportlich aktiv sein.

So funktioniert das Programm

Die Bewegung zählt neben der Ernährungsmedizin und der Psycho-Onkologie zu den sogenannten Supportiven Therapien bei der Krebsbehandlung. Dem gegenüber stehen die Standardtherapien Operation, Chemotherapie, Bestrahlung und Hormontherapie. Bereits während des ersten Krankenhausaufenthaltes stellt der behandelnde Arzt dem Patienten einen Behandlungsplan aus, der auf mehreren Modulen aufgebaut ist: Neben gesunder Ernährung, psychoonkologischer Betreuung und einem Gesundheits-Coaching wird noch während der Chemotherapie und Bestrahlung auch eine Sporttherapie verordnet. Das Trainingsprogramm wird individuell an die Therapie, die jeweilige Symptomatik und die Verfassung des Patienten angepasst. Das Ziel: Den passiven zu einem aktiven Patienten zu machen und somit die Heilungschancen zu verbessern. Halle erklärt: „Inaktivität ist an sich schon ein Risikofaktor für Krebs. Je eher man damit beginnt, die Inaktivität in Aktivität umzuwandeln, desto besser wird die Prognose für Tumorpatienten.“

Sich den Heilungsprozess zu Eigen machen

Wir können. Ich kann. lautet der Slogan des diesjährigen Weltkrebstages. Das Motto betont, dass jeder Einzelne – betroffen oder nicht betroffen – etwas gegen Krebs tun kann – aber auch die Gemeinschaft. Beim Programm Sport als Therapie geht es letztlich genau darum: Etwas tun, aktiv werden, um aus dem Gefühl der Hilflosigkeit herauszukommen, sich nicht als Opfer zu fühlen, sondern sich den Gesundungsprozess zu eigen zu machen und gegen die Krankheit anzugehen. Wenn der Patient in Bewegung kommt, kann er Chemo- und Strahlentherapie besser durchstehen. Nebenwirkungen wie Abgeschlagenheit, Müdigkeit, Übelkeit, Schmerzen, Angstzustände oder Depressionen verringern sich. Insgesamt verbessern sich seine Lebensqualität und letztlich damit auch die Prognose.

Im Video: Die Ergebnisse der Pressekonferenz zu „Sport in der akuten Krebstherapie“:


Weitere Informationen zum Programm „Sport als Therapie“ der Techniker Krankenkasse.


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