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    Neue Lunge und trotzdem 100 Prozent Lebensqualität? Bei der Kampagne „Von Mensch zu Mensch“ zum Thema Organspende ließ die TK 2012 Betroffene zu Wort kommen. Unsere Praktikantin Laura Krüger hat nun, Jahre später, einige von ihnen wieder getroffen. Hier die Geschichte von Roland Kaiser.

    „Dich zu lieben“, „Manchmal möchte ich schon mit dir“ oder „Die Gefühle sind frei“ – viele kennen Roland Kaiser und seine Lieder. Doch nicht jeder weiß um sein Schicksal. Durch eine chronische Lungenerkrankung brauchte der Schlagersänger im Alter von 57 Jahren eine neue Lunge. Eine schwere Zeit für ihn, seine Familie, seine Fans.
    Unter dem Motto „Von Mensch zu Mensch“ besuchte die TK 2012 Patienten, die bereits ein Spenderorgan erhalten hatten oder noch auf eines warteten. Seitdem habe ich mich immer wieder gefragt: Wie geht es Ihnen heute? Dank meines Praktikums bei der TK konnte ich zu einigen der damaligen Protagonisten Kontakt aufnehmen und sie interviewen.

    Lieber Herr Kaiser, Sie leben nun schon seit 2010 mit ihrer neuen Lunge. Was hat sich seitdem für Sie verändert?

    Selbstverständlich hat sich in meinem Leben eine Menge verändert. Meine Lebensqualität ist seit der Transplantation wieder bei einhundert Prozent angekommen. Ich kann all das tun, was ich eine ganze Zeit lang nicht mehr uneingeschränkt konnte – Konzerte geben, neue Alben aufnehmen und mich meinen sozialen Engagements widmen. Körperlich habe ich keine Einschränkungen mehr, aber ich sehe das Leben auch inzwischen ganz anders. Ich will nicht wie früher alles sofort erreichen, sondern lasse vielmehr die Dinge auf mich zukommen und genieße meine Zeit intensiver.

    Sie haben uns damals erzählt, dass Sie Ihrem Spender sehr dankbar sind und mit Ihrer neuen Lunge sehr vorsichtig umgehen. Vergisst man trotzdem manchmal, dass man mit einem Spenderorgan lebt?

    Ich bin meinem Spender jeden Tag dankbar, und diese Dankbarkeit wird auch niemals aufhören. Aber ich denke nicht permanent darüber nach, dass ich mit einem Spenderorgan lebe. Es gehört inzwischen zu mir wie alles andere auch.

    Sie mussten damals sehr lange auf ein passendes Organ warten. Anderen Patienten geht es ähnlich. Wie fühlt sich das an?

    Man muss die Situation akzeptieren. Und man muss sich bewusst sein, dass man diese Situation nicht beeinflussen kann, und einfach Ruhe bewahren. Das würde ich jedem mit auf den Weg geben, der auf ein Spenderorgan wartet.

    Das Thema Organspende ist für Sie heute ein wichtiges Thema. Hatten Sie sich bereits vor ihrer Krankheit mit dem Thema beschäftigt?

    Ja, auf jeden Fall, das Thema ist schon sehr lange in meinem Kopf. Ich habe schon seit vielen Jahren einen Organspendeausweis und bin auch bei der DKMS typisiert. Das ist für mich selbstverständlich und diese Art von Hilfe ein Akt der Nächstenliebe.

    Die Spendebereitschaft in Deutschland sinkt immer weiter. Was glauben Sie, wie man das ändern kann?

    Leider gab es damals keine parlamentarische Mehrheit für die Widerspruchslösung. Das wäre wünschenswert gewesen. Ich finde es wichtig, dass sich jeder Mensch mit dem Thema Organspende auseinandersetzt und sich entscheidet. Die Last dieser Entscheidung darf meines Erachtens nicht an die Angehörigen weitergetragen werden. Nicht immer wissen die nächsten Verwandten, wie jemand zu dem Thema Organspende stand. Sich zu entscheiden und seine Entscheidung niederzuschreiben bedeutet, Verantwortung gegenüber seinen Verwandten zu zeigen. Die Menschen müssen über Organspende informiert und aufgeklärt werden.

    Fotos: Sandra Ludewig und Stefan Malzkorn


    Organspende – Wenn Angehörige entscheiden müssen

    Das Transplantationsgesetz in Deutschland legt fest, dass der Wille des Verstorbenen auch nach seinem Tod weiterhin gilt. Wenn der Hirntod im Krankenhaus festgestellt und zu Lebzeiten keine Entscheidung über den Verbleib der eigenen Organe getroffen wurde, müssen die nächsten Angehörigen entscheiden. Ärzte sind in dieser Situation dazu verpflichtet, die Angehörigen über eine mögliche Organspende zu informieren und nachzufragen, was der Verstorbene nach dem Tod gewollt hätte . Gemeinsam mit dem Arzt – und oftmals auch mit Mitarbeitern der Deutschen Stiftung Organtransplantation – wird versucht, eine Entscheidung im Sinne des Verstorbenen zu treffen.


    Weiterlesen:

    Teil 1 der Reihe – (Neues) Leben mit Organspende: Alex

    Teil 2 der Reihe – (Neues) Leben mit Organspende: Sarah

    Weitere Informationen zum Thema Organspende

    Redaktion

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