Alle Artikel > #Patientenpower auf der re:publica 2018

#Patientenpower auf der re:publica 2018

04.05.2018

Mehr Krankheitssystem als Gesundheitssystem, so wird die Situation in Deutschland oft beschrieben. Aber das Bewusstsein verändert sich: Power of Patients geht alle an – und wurde auf der re:publica 2018 vielerorts diskutiert.

Im Gesundheitswesen von morgen jagt ein Buzzword das andere. Von Big Data, künstlicher Intelligenz und Virtual Reality in der Therapie ist auf dem Digitalkongress re:publica in Berlin die Rede. Die eigentliche Revolution aber liegt in der zunehmenden Souveränität der Patienten. Neue Technologien ermöglichen Ärzten, Krankenkassen, Kliniken und Pflegern, sich immer stärker zu vernetzen. Und dank Angeboten wie der elektronischen Gesundheitsakte sind auch die Patienten nicht länger passive Zuschauer in diesem System, mit dem sich die meisten erst im Krankheitsfall beschäftigen. Stattdessen werden sie von Anfang an zu Managern ihrer Gesundheitsdaten. Sie werden befähigt, selbst Verantwortung für ihre Gesundheit zu übernehmen – Power of Patients!

PoP – Power of Patients

Unter diesem Motto stand auch die diesjährige Diskussionsrunde der TK auf der re:publica. Gemeinsam mit der Schweizer Professorin und Digitalexpertin Dr. Andréa Belliger stellte sich TK-Chef Dr. Jens Baas den Fragen und Herausforderungen rund um das Thema Patientenpower. Dabei wurde deutlich, dass es trotz der genannten Chancen von eHealth in der Realität noch viel Luft nach oben gibt.

„Datenschutz ist für die meisten Todesfälle im Gesundheitswesen verantwortlich – weil wir Daten nicht austauschen“.

Mit dieser extremen These untermalte Andréa Belliger das Problem der derzeit noch mangelhaften Interoperabilität zwischen den einzelnen Akteuren im Gesundheitswesen. Einerseits fehlen die technischen Schnittstellen, um Gesundheitsdaten zwischen den Akteuren auszutauschen und sinnvoll auszuwerten. Andererseits braucht Vernetzung auch kulturelle Interoperabilität – also den Willen, Daten mit anderen auszutauschen und das eigene Wissen und Handeln dadurch ein Stück transparenter zu machen.

Empowerment braucht gute Kommunikation

Während Belliger auf das eigenständige Empowerment der Menschen setzt, gelingen laut Baas weder Patientenpower noch Vernetzung im Gesundheitswesen ohne die Mediziner. „Ärzte benutzen ein System erst dann, wenn sie das Gefühl haben, dass es gut ist und ihnen hilft“, so Baas. Um neue Technologien einzuführen, muss man seiner Ansicht nach alle Akteure gleichermaßen mitnehmen und ihnen den individuellen Mehrwert aufzeigen. Den Ärzten können zum Beispiel eHealth-Angebote helfen, weniger Zeit mit bürokratischen Aufgaben zuzubringen und Patienten effizienter zu behandeln.

Aber auch in der Kommunikation von Kassen, Medizinern und allen anderen Anbietern von Gesundheitsleistungen mit den Patienten ist ein Umdenken nötig, sagt Baas:

„Um neue Technologien in der Versorgung zu etablieren, müssen eHealth-Angebote anders kommuniziert werden: weniger als lustiges Gadget und mehr über den medizinischen Nutzen.“

 

Titelfoto: Jan Michalko/re:publica


Weiterlesen:

Die TK auf der re:publica – alle Infos und Termine

Wo informieren sich die Menschen zu Gesundheitsthemen? Studienergebnisse zur digitalen Gesundheitskompetenz

Von Roboter-Zwillingen und anderen Zukunftshelfern: Pathfinder 2018

Kommentieren Sie als Erster diesen Artikel

    Weitere Artikel aus den Sammlungen „#SmartHealth“, „Events“, „Presse und Politik“

    0

    „Selbstverwaltung ermöglicht Versicherten selbstbestimmte Entscheidungen“

    Der Sinn der Selbstverwaltung

    17.05.2018

    Zum Tag der Selbstverwaltung sprechen Corina Reifenstein (Arbeitgebervertreterin) und Gerard Wolny (Versichertenvertreter) des TK-Verwaltungsrats über die Arbeit der Ehrenamtlichen und Erwartungen an die Politik.

    Zum Tag der Selbstverwaltung sprechen Corina Reifenstein (Arbeitgebervertreterin) und Gerard Wolny (Versichertenvertreter) des TK-Verwaltungsrats über die Arbeit der Ehrenamtlichen und Erwartungen an die Politik.

    Artikel jetzt lesen
    0

    „Regionale Zusammenarbeit ist ein Riesengewinn“

    "Regionale Zusammenarbeit ein Riesengewinn"

    14.05.2018

    Wie steht Deutschland im Vergleich zu anderen EU-Staaten da, wenn es um grenzüberschreitende Versorgung und das deutsche Sozialsystem im Ganzen geht? Dr. Günter Danner, Europabeauftragter der TK und stellvertretender Direktor der Europavertretung der Deutschen Sozialversicherung, sprach dazu auf dem Gesundheitskongress "SALUT! DaSein gestalten" in Saarbrücken. Im Interview greifen wir die wichtigsten Aspekte nochmals auf.

    Wie steht Deutschland im Vergleich zu anderen EU-Staaten da, wenn es um grenzüberschreitende Versorgung und das deutsche Sozialsystem im Ganzen geht? Dr. Günter Danner, Europabeauftragter der TK und stellvertretender Direktor der Europavertretung der Deutschen Sozialversicherung, sprach dazu auf dem Gesundheitskongress "SALUT! DaSein gestalten" in Saarbrücken. Im Interview greifen wir die wichtigsten Aspekte nochmals auf.

    Artikel jetzt lesen
    0

    Techniker trifft Netzgemeinde – Rückblick auf die re:publica 2018

    Techniker trifft Netzgemeinde - Rückblick auf die re:publica 2018

    09.05.2018

    POP war das Motto der diesjährigen Internetkonferenz re:publica. POP wie Popkultur, Power of People, oder wie das Geräusch, wenn die Filterblase um einen herum zerplatzt.

    POP war das Motto der diesjährigen Internetkonferenz re:publica. POP wie Popkultur, Power of People, oder wie das Geräusch, wenn die Filterblase um einen herum zerplatzt.

    Artikel jetzt lesen
    0

    Von Roboter-Zwillingen und anderen Zukunftshelfern: Pathfinder 2018

    Das war der Pathfinder 2018

    02.05.2018

    Zum Start in den Mai lud das Handelsblatt auf einen Tag des Nachdenkens ins Tempodrom Berlin ein. Visionäre Gedankenstränge wurden ebenso vernetzt wie junge Führungskräfte verschiedenster Branchen und Berufsfelder.

    Zum Start in den Mai lud das Handelsblatt auf einen Tag des Nachdenkens ins Tempodrom Berlin ein. Visionäre Gedankenstränge wurden ebenso vernetzt wie junge Führungskräfte verschiedenster Branchen und Berufsfelder.

    Artikel jetzt lesen
    0

    „Nicht nur irgendeine neue schöne App“

    IBM und TK kooperieren bei Gesundheitsakte

    23.04.2018

    Drei Fragen, drei Antworten: Matthias Hartmann, DACH-Chef bei IBM, erzählt von der Zusammenarbeit bei der elektronischen Gesundheitsakte "TK-Safe" und seiner Sicht auf dieses durchaus besondere Projekt.

    Drei Fragen, drei Antworten: Matthias Hartmann, DACH-Chef bei IBM, erzählt von der Zusammenarbeit bei der elektronischen Gesundheitsakte "TK-Safe" und seiner Sicht auf dieses durchaus besondere Projekt.

    Artikel jetzt lesen
    0

    Stottertherapie: Keine Angst mehr vor L, M, S

    Keine Angst mehr vor L, M, S

    18.04.2018

    Stottern ist eine immense Belastung für Betroffene. Mittlerweile lässt sich die Sprechstörung jedoch gut behandeln – sogar via Onlinetherapie: zwei Erfolgsgeschichten der sogenannten Kasseler Stottertherapie.

    Stottern ist eine immense Belastung für Betroffene. Mittlerweile lässt sich die Sprechstörung jedoch gut behandeln – sogar via Onlinetherapie: zwei Erfolgsgeschichten der sogenannten Kasseler Stottertherapie.

    Artikel jetzt lesen
    0

    Karriere machen in Teilzeit

    Karriere machen in Teilzeit

    10.04.2018

    Arbeiten in Teilzeit und gleichzeitig Karriere machen? Geht! Vorstandsmitglied Karen Walkenhorst spricht im Interview über Chancen und Herausforderungen flexibler Teilzeitmodelle für Führungskräfte bei der TK.

    Arbeiten in Teilzeit und gleichzeitig Karriere machen? Geht! Vorstandsmitglied Karen Walkenhorst spricht im Interview über Chancen und Herausforderungen flexibler Teilzeitmodelle für Führungskräfte bei der TK.

    Artikel jetzt lesen
    0

    Migräne-Aura: So habe ich es erlebt

    Migräne-Aura: So habe ich es erlebt

    29.03.2018

    Jana Walther ist Pressereferentin der TK in Schleswig-Holstein. Und Migräne-Patientin. Wie sich das anfühlt - und wie die Migräne-App der TK Betroffenen helfen kann: ein Erfahrungsbericht.

    Jana Walther ist Pressereferentin der TK in Schleswig-Holstein. Und Migräne-Patientin. Wie sich das anfühlt - und wie die Migräne-App der TK Betroffenen helfen kann: ein Erfahrungsbericht.

    Artikel jetzt lesen
    Cheng Loew mit den teilnehmern der bundesjugendkonferenz Medien
    0

    Sexting, Mobbing und Hatespeech – die Bundesjugendkonferenz Medien

    Sexting, Mobbing und Hatespeech - Die Bundesjugendkonferenz Medien

    15.03.2018

    Sexting, Mobbing und Hatespeech - auf der Bundesjugendkonferenz Medien kommen jedes Jahr Jugendliche zusammen, die an ihren Schulen als Medienscouts Wissen über Medienkompetenz vermitteln. Wir waren dabei.

    Sexting, Mobbing und Hatespeech - über 300 Medienscouts trafen sich auf der Bundesjugendkonferenz Medien. Auch wir waren dabei.

    Artikel jetzt lesen