Laura Hassinger

Schluss mit der Zettelwirtschaft: Medikamente per eRezept

450 Millionen Rezepte von gesetzlich Krankenversicherten werden jährlich in öffentlichen Apotheken eingelöst. 450 Millionen Zettel, die sich Ärzte, Patienten und Apotheker vielleicht schon bald sparen können – dank eRezept.

Wer kennt es nicht – man ist krank, schleppt sich zum Arzt, bekommt ein Rezept für das Medikament, das die erhoffte Linderung bringen soll. In der Apotheke dann die große Frage: Wo ist das Rezept geblieben? Steckt es im Portemonnaie, in der Jacke, habe ich es gar auf dem Praxistresen vergessen? Wie praktisch wäre jetzt eine elektronische Variante auf dem Smartphone!

TK testet eRezept in Hamburg

Ein Pilotprojekt der TK in Hamburg-Wandsbek soll zeigen, wie das eRezept in der Praxis funktioniert. 18 Monate lang können Versicherte, Ärzte und Apotheker die Vorteile einer papierlosen Verordnung testen.

Im Zuge der Digitalisierung des Gesundheitswesens ist das eRezept ein weiterer konsequenter Schritt nach vorn. Dr. Jens Baas

„Das eRezept wird ein fester Bestandteil der Versorgung werden. Die Technik zum elektronischen Rezept ist längst vorhanden – die Herausforderung liegt darin, dass sich Patienten, Ärzte, Apotheken und Krankenkassen über eine gemeinsame Schnittstelle einigen. Wir wollen keine Insellösungen bauen, sondern ein System, das für alle offen ist“, sagt TK-Chef Jens Baas.

So funktioniert das eRezept

Für alle offen und vor allem unkompliziert soll der Prozess sein, ein Medikament per eRezept zu bekommen. Wie genau das abläuft, erklärt unser Video:

Und das Beste: Mit dem eRezept geht es in der Apotheke nicht nur schneller voran – auch Übertragungsfehler klassischer Rezepte können vermieden werden. Nie wieder Rätselraten um die schwer leserliche Handschrift auf dem Verordnungsblatt, keine überlagerten oder schwach gedruckten Zeilen bei maschinengeschriebenen Rezepten.

TKler hinter dem eRezept: Thomas Widmann und Kathrin Benart aus dem Team Arzneimitteldistribution mit Teamleiter Dr. Frank Verheyen (v.l.)
TKler hinter dem eRezept: Thomas Widmann und Kathrin Benart aus dem Team Arzneimitteldistribution mit Teamleiter Dr. Frank Verheyen (v.l.)

Die technische Lösung für das eRezept kommt von dem Hamburger E-Health-Unternehmen connected-health.eu GmbH und dem Software-Dienstleistungsunternehmen „König IDV GmbH“. Weitere Partner sind außerdem die „Privilegierte Adler Apotheke“ in Hamburg-Wandsbek und das „Diabetes Zentrum Wandsbek“.


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4 Kommentare

  • S.Connerley

    Als P.T.A. finde ich die Idee von den vielen Nachteilen der Papierrezepte befreit zu werden verlockend: Fehlende Informationen oder Arztunterschrift, abgelaufenes Datum, Probleme mit der Bedruckung, stundenlange Nachkontrolle, Verschickung an die Verrechnungsstelle, dort weitere Nachkontrolle.
    Auch kann man mit dem e-Rezept hoffentlich schneller bestellen, die Frage bleibt welche Auswahl die Krankenkassen bei Lieferproblemen noch zulassen.
    Wer trägt die Kosten für Handis und neue Software und was passiert wenn die Technik versagt?

    Es waren einmal goldene Zeiten als man mit dem Rezept an die Schulblade ging und das passende Medikament abgeben durfte, inzwischen sucht man durch einen Dschungel von Kassenverträgen, Generika, ReImporten, Festbeträgen, etc., um dem Patienten an die Behandlung gelangen zu lassen. Den Apotheken werden immer wieder die Bezahlung wegen dieser Unstimmigkeiten versagt. Dazu die Bestrafung bei ReImporten, wenn die Quote pro Apotheke nicht erreicht wird. Dieser bürokratische Wahnsinn kostet mehr als die Einsparungen, nachdem die Preise sich schon lange angeglichen haben.
    Nun ist noch jede Packung auf den QR Code abzusuchen und ein 2.Mal zu scannen.
    Das Arbeiten macht unter den heutigen Bedingungen eine gute Patientenberatung kaum noch möglich, die ja bereits in den immer kürzeren Arztgesprächen fehlt.

    Bin gespannt auf die Erfahrungsberichte dieses Feldversuches. Gibt es doch noch eine Verbesserung durch Technik?

  • Redaktion

    Hallo S.Connerley,

    vielen Dank für Ihren Kommentar, wir freuen uns über Ihr Interesse an dem Thema! Wie Sie beschreiben, sollen durch das eRezept Abläufe, die direkt mit dem Rezept zu tun haben, für Apotheker, Ärzte und Patienten schneller und bequemer werden. Die Daten des eRezeptes sind dabei mittels einer Ende-zu-Ende-Verschlüsselung geschützt. Sie liegen dezentral in der Arztpraxis, bis die Apotheke die Daten abruft. Nach einer erfolgreichen Testphase befindet sich das Projekt nun in der der sogenannten Echtphase und damit konkret im Einsatz. Die technische Lösung hat sich bewährt. Im Rahmen des Projektes wird sichergestellt, dass die hohen Anforderungen an die technische Umsetzung erfüllt und im ständigen Qualitätssicherungsprozess überwacht werden. Zudem gibt es im Pilotprojekt weiterhin die Möglichkeit, das Rezept in Papierform auszustellen.

  • R. Rothweiler

    In den kommenden Jahren wird die Digitalisierung im Gesundheitswesen weiter an Fahrt aufnehmen und Pilot-Projekte wie dieses tragen zur Beschleunigung einer solchen, längst überfälligen Entwicklung bei – auch wenn sich die Politik mal wieder nicht einig ist (s. Beratungen zum Kabinettsentwurf elektronische Patientenakte im Zwist zwischen BMG und BMJ).
    Nun zu meiner Frage: Wenn Sie ausführen, dass die Daten „dezentral in der Arztpraxis liegen“, was meinen Sie damit? Eine Integration in die PVS der Leistungserbringer als auch die AVS der Apotheken erscheint für eine Marktdurchdringung unabdingbar, oder? Und der Teilprozess von der Apotheke bis zur Krankenkasse könnte dann die bisher etablierten Wege über Abrechnungszentren verlassen, oder?
    VG
    R. Rothweiler

    • Redaktion

      Hallo R. Rothweiler,

      vielen Dank für Ihren Kommentar, wir freuen uns über Ihr Interesse an dem Thema!
      Die „Dezentralität“ in unserem Projekt bedeutet, dass das Rezept so lange beim Arzt liegt, bis es von der beliefernden Apotheke dort abgerufen wird. Es wird auf keinem externen Server zwischengespeichert. Sowohl in das Praxisverwaltungssystem als auch in das Apothekenverwaltungssystem kann unser eRezept bereits heute voll integriert werden. Ein Verzicht auf das Apothekenrechenzentrum ist in unserem Projekt nicht vorgesehen.


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