Jessica Kneißler

Organspende: Jüngere sind offener dafür

Wie wird sich die Gesetzgebung zur Organspende in Deutschland verändern? Im Vorfeld der Bundestagsabstimmung zeigt eine Forsa-Umfrage im Auftrag der TK, dass die Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland nach wie vor keinen Organspendeausweis besitzt.

„Wir haben einen Spender für Sie gefunden!“ Auf diese Nachricht warten in Deutschland laut Eurotransplant mehr als 9.000 Menschen (am letzten Stichtag, dem 1. Januar 2019, waren es genau 9.403 Patienten, die aktiv auf der Warteliste standen). Eine Transplantation bedeutet oft den Beginn eines neuen Lebensabschnitts. Doch in vielen Fällen ist das Warten vergebens: Im Schnitt sterben täglich drei Menschen, weil sie nicht rechtzeitig ein Spenderorgan bekommen.

Um die Zahl der Organspender zu erhöhen, wird jetzt das Transplantationsgesetz geändert: Die Abstimmung im Bundestag findet am 16. Januar 2020 statt. Eine aktuelle Forsa-Umfrage im Auftrag der TK ergab, dass nicht einmal die Hälfte der Menschen in Deutschland einen Organspendeausweis besitzt.

Mehrheit sieht Organspende positiv

Dabei ist die Mehrheit – insgesamt rund 84 Prozent – dem Thema Organspende gegenüber aufgeschlossen. Besonders die Jüngeren stechen laut unserer Erhebung hervor: In der Altersgruppe zwischen 18 und 29 Jahren sehen 93 Prozent Organspenden positiv. Auch besitzen in dieser Gruppe immerhin 51 Prozent einen Organspendeausweis. Bei Menschen über 70 Jahren sind es nur rund 25 Prozent.

Im internationalen Vergleich ist die Zahl der Organspender hierzulande sehr niedrig. In Spanien gibt es nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) pro einer Million Einwohner im Schnitt 46,9 Spenden, in den USA 32, in Frankreich 24,7. Die Quote in Deutschland liegt bei 9,7.

Widerspruchslösung oder Zustimmungslösung?

In vielen Ländern wird dabei schon praktiziert, was Gesundheitsminister Jens Spahn und SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach befürworten: die Widerspruchslösung. Diese würde bedeuten, dass grundsätzlich jeder Bürger auch Organspender ist – außer die Person hat ausdrücklich erklärt, dass sie das nicht möchte.

Dem gegenüber steht eine Gruppe um Grünen-Chefin Annalena Baerbock: Ihr Vorschlag ist, dass alle Bürger in regelmäßigen Abständen auf öffentlichen Ämtern zum Thema angesprochen werden, zum Beispiel wenn sie einen Ausweis beantragen. Auch Hausärzte sollen ihre Patienten informieren. In diesem Fall müsste weiterhin einer Spende aktiv zugestimmt werden. Beide Vorschläge sehen ein Online-Register vor, in dem man seine Entscheidung für oder gegen eine Organspende jederzeit ändern kann.

Noch ein Hörtipp zum Schluss: In unserem Podcast „Ist das noch gesund?“ spricht Dr. Yael Adler mit zwei Betroffenen und einer Ärztin über deren ganz persönliche Erfahrungen mit dem Thema Organspende.


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