Laura Hassinger

Beratung für pflegende Angehörige in der Corona-Krise

Die Corona-Pandemie stellt derzeit nicht nur medizinisches Personal vor große Herausforderungen, sondern belastet auch pflegende Angehörige enorm. Diplom-Psychologin Imke Wolf erklärt, wo die Stresspunkte liegen und was jetzt helfen kann.

Frau Wolf, Sie und Ihr Team von pflegen-und-leben.de beraten pflegende Angehörige in Belastungssituationen. Welche Rolle spielt das Thema Corona dabei?

Seit Ausbruch der Corona-Pandemie sind die Kontaktzahlen bei uns in der Online-Beratung auf jeden Fall gestiegen. In den ersten vier Wochen waren viele Ratsuchende bezüglich der Kontakt- und Besuchsregelungen in Seniorenheimen verunsichert. Es bleibt auch die Sorge, die Pflegebedürftigen in den Heimen oder zu Hause eventuell unwissentlich mit dem Virus anzustecken. Zusätzlich gibt es viele Anfragen von pflegenden Angehörigen, die durch den Wegfall vieler ambulanter Entlastungsangebote mehr denn je an ihre Grenzen kommen, weil sie alle Betreuungs- und Pflegeaufgaben wieder alleine stemmen müssen. Die Not ist bei den pflegenden Angehörigen also größer denn je, und auch die Verzweiflung kommt teilweise sehr drastisch bei uns an.

Wie erkennen pflegende Angehörige, wann sie an ihre Grenzen stoßen?

Das kann sich auf ganz unterschiedliche Art und Weise bemerkbar machen. Körperlich leiden fast alle Betroffenen unter Schlafstörungen, sehr oft unter Verspannungen und unter Kopfschmerzen. Auch die Verdauung kann betroffen sein. Die Gedanken bewegen sich häufig im Kreis, ohne dass eine Lösung gefunden wird. Viele Angehörige reagieren dann auf Dauer mit einer zunehmenden Ängstlichkeit, andere werden schnell ärgerlich. Insgesamt ist das Nervenkostüm sehr angegriffen.

Imke Wolf berät pflegende Angehörige

Was sind Ihre Empfehlungen – wie können sich pflegende Angehörige stärken?

Grundsätzlich helfen gegen Stress alle Formen der körperlichen und seelischen Entspannung. Also Übungen und Aktivitäten, die die Menschen für eine gewisse Zeit von dem aktuellen Geschehen wegbringen wie zum Beispiel Yoga, Autogenes Training, Fahrradfahren oder Spaziergänge. Wenn man nicht aus dem Haus gehen kann oder möchte, können auch gesprochene Entspannungsübungen, wie wir sie auf unserer Internetseite kostenfrei als MP3-Dateien zur Verfügung stellen, eine kurze Erholung bieten.

Viele Ratsuchende sind aktuell jedoch so an ihrer Grenze, dass ansonsten sehr hilfreiche Anregungen für körperliche Entspannung nicht ausreichen. Sie fühlen sich allein gelassen und ihnen fehlt die Möglichkeit, sich mitteilen können. Dabei kann es sehr entlastend sein, mit anderen Menschen über seine Gefühle und Unsicherheiten zu sprechen. Eine Option, sich mit jemandem auszutauschen, ist unsere psychologische Online-Beratung für pflegende Angehörige.

Können Sie beschreiben, wie die Beratung bei Ihnen abläuft?

Wir sind ein Team von fünf Psychologinnen und bieten mit pflegen-und-leben.de eine kostenfreie und anonym nutzbare Beratungsmöglichkeit für pflegende Angehörige an.

„Gerade jetzt, wo die Zeit für die Ratsuchenden noch knapper geworden ist und die persönlichen Beratungsstellen geschlossen sind, steigt das Interesse an digitalen Hilfsangeboten.“

Unsere Beratung über das Internet ist also eine gute Möglichkeit, unkompliziert professionelle Hilfe zu bekommen. Wir helfen und begleiten entweder schriftlich oder per Video-Gespräch. Die Ratsuchenden erstellen dafür lediglich ein eigenes Postfach auf pflegen-und-leben.de und schreiben uns, was ihnen auf der Seele liegt. Wir antworten in der Regel innerhalb von einer Woche und gehen mit den Ratsuchenden in den individuellen Austausch. Zusammen suchen wir nach Lösungen, wie die Belastungen vielleicht ein wenig besser bewältigt und ertragen werden können.


Kommentieren Sie diesen Artikel

Lädt. Bitte warten...

Der Kommentar konnte nicht gespeichert werden. Bitte überprüfen Sie Ihre Eingaben.


Lesen Sie hier weiter

Kerstin Grießmeier Kerstin Grießmeier
Lena Cordes Lena Cordes
Laura Hassinger Laura Hassinger