Rebecca Pomp

BarCamp Health-IT 2020: Sicher digital

„Menschen.Daten.Sicherheit.“ – 120 Teilnehmende lockte das Motto des diesjährigen „BarCamp Health-IT“ in Berlin. Die größte Herausforderung in diesem Jahr: Wie lässt sich eine kreative Veranstaltung, die von Performance und Interaktion lebt, ins Digitale übertragen? Rebecca Pomp, eine der Moderatorinnen, berichtet:

Das „BarCamp Health-IT“, das die TK gemeinsam mit Berlin Partner und der Bayer AG veranstaltet, ist eine ideale Plattform für Wissenschaftler, Start-ups und junge Unternehmen, um ihre Projekte vorzustellen und sich auszutauschen. Normalerweise funktioniert das Format so: Mehr als 100 Menschen treffen sich. Ein bisschen Small Talk, eine rasante Vorstellungsrunde, die wirklich alle einbezieht. Dann der Hauptteil: Spontan laufen Teilnehmende zur Bühne und stellen ihr Gesundheitsprojekt in drei Sätzen vor. Spontan entscheiden alle Besucher nach diesen Mini-Pitches per Applaus, über welche Projekte sie mehr erfahren wollen. Spontan werden Sessions in verschiedenen Räumen eingeteilt. Was dann folgt: viel Diskussion, wenig Präsentation. Viel kreativer Austausch, wenig Planung. Zum Schluss noch ein schnelles Plenum, und dann das beinahe Wichtigste: das Get Together.

Die Moderatorinnen Rebecca und Mona

Rasante Diskussionen trotz Videotechnik

In diesem Jahr ist vieles anders. Ich bin als Session-Moderatorin beim BarCamp dabei, und eins ist klar: Im Corona-Jahr geht das alles nur im digitalen Raum. Wie wird das funktionieren? Wie bekommen wir minutenkurze Pitches und sekundenschnelle Abstimmungen hin? Schaffen wir es, trotz Videotechnik gleichzeitig rasante Diskussionen und enge Vernetzung herzustellen?
Das vergangene halbe Jahr hat uns auch in dieser Hinsicht viel gelehrt. Wir beschließen: Fast alles wird digital. Allerdings müssen allein wegen der Technik die anderen Moderierenden und ich an einem Ort zusammenkommen. Mit entsprechendem Sicherheitsabstand treffen wir uns bei Berlin Partner. Ich sitze mit meiner Ko-Moderatorin Mona in einem Raum, habe durch eine Glasscheibe Sichtkontakt zu anderen Moderatorinnen. Dazu ein Team-Chat, den wir parallel zu den digitalen Diskussionen führen.

Drei Projekte – drei Sessions

Nur ganz am Anfang holpert es mit der Technik. Dann läuft’s. Aber werden die Teilnehmenden sich auf dieses Format einlassen? Werden ihre Pitches knackig-kurz sein, die Diskussionen fokussiert und trotzdem lebendig? Und wie läuft das mit den Parallel-Chats, in denen kommentiert und abgestimmt wird?
Es läuft perfekt. Die Pitches sind an Kürze kaum noch zu unterbieten, jede Abstimmung dauert rund zehn Sekunden. Schließlich stehen die zwölf Sieger fest, die sich in den Sessions präsentieren. Die Themen sind vielfältig. Das Spektrum reicht von der Relevanz von User Experience Lösungen bis zu KI-gestützter Diagnostik für Lungen- und Herzgeräusche. In meinem Raum moderiere ich Projekte etwa zur Zulassung von Software als Diagnostikum bzw. Medizinprodukt nach der neuen EU-Medizinprodukteverordnung, zu technikgestützten Konzepten für ältere Menschen oder zur Unterstützung bei der OP-Vorbetrachtung von Eingriffen mithilfe Mixed Reality.

Ich bin froh, dass es seinen besonderen Charakter auch in der digitalen Welt behalten hat.

Teilnehmende lassen sich auf das neue Format ein

Ich merke in den ersten Minuten der Sessions: Digitale Moderation kann fordernder sein als Präsenzmoderation. Zwei PCs gleichzeitig zu bedienen, das Videoforum zu gestalten und die Chatgruppen nicht aus den Augen zu verlieren – das gelingt nur im Zweier-Team. Und im Gegensatz zu einer Konferenz, bei der ein Beitrag auf den nächsten folgt, ist dies hier ein Format mit mehreren Parallelveranstaltungen, das schnelle Orts- und Themenwechsel verlangt. Aber die Teilnehmenden lassen sich auf diese Form ein, nutzen alle Kanäle, und bleiben eng an den Themen dran.

BarCamp 2020: Es war in diesem Jahr komplett anders – aber ich bin froh, dass es seinen besonderen Charakter auch in der digitalen Welt behalten hat.


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