Thomas Ballast

„Wir brauchen ein widerstandsfähigeres Gesundheitssystem“

Die Auswirkungen des Klimawandels sind durch Hitzewellen, andauernde Trockenphasen oder Extremwetterereignisse auch in Deutschland zu spüren. Das gefährdet neben der Umwelt auch Gesundheit und Wohlbefinden. Der stellvertretende TK-Vorstandsvorsitzende Thomas Ballast erklärt, warum und wie das Gesundheitswesen resilienter und nachhaltiger werden muss.

Als Krankenkasse kümmern wir uns um die Gesundheit unserer Versicherten – in der Prävention und im Krankheitsfall. Dem Gesundheitsrisiko „Klimawandel“ stellen wir uns also auch aus der Verantwortung für unsere Versicherten heraus.

An einigen Stellen stehen wir noch am Anfang

Was können wir tun? Ein Schlüssel liegt in einem Gesundheitssystem, das widerstands- und handlungsfähig, also resilient ist. Der Weg dorthin führt auch über Nachhaltigkeit. Auch im Gesundheitssystem gilt es, mit unseren Ressourcen schonend und effizient umzugehen.

In Sachen Klimaschutz hat das Gesundheitswesen zudem großes Potenzial, einen wesentlichen Beitrag zur CO₂-Einsparung zu leisten: Schätzungen zufolge ist es für etwa fünf Prozent der klimaschädlichen Emissionen in Deutschland verantwortlich (RKI Sachstandsbericht 2023). Immer mehr Akteure der Gesundheitsbranche erkennen ihre damit einhergehende Verantwortung und setzen Aspekte der Nachhaltigkeit um. Auch wir haben Nachhaltigkeit als strategisches Thema in der TK verankert. An einigen Stellen stehen wir noch am Anfang und setzen uns konkrete Ziele, an anderen können wir schon auf Fortschritte zurückblicken.

Unsere Strategie: Nachhaltigkeit in der TK und darüber hinaus verankern

In der Nachhaltigkeitsstrategie der TK haben wir Handlungsfelder entlang unserer Wertschöpfungskette betrachtet und gebündelt: Ziel ist zum einen, die eigene Geschäftstätigkeit der TK als gesetzliche Krankenkasse nachhaltiger zu gestalten. Dazu quantifizieren wir zum Beispiel unsere CO2-Emissionen und schauen gezielt, an welchen Stellen wir unseren Fußabdruck so weit wie möglich aus eigener Kraft reduzieren können. Die flächendeckende Umstellung auf Ökostrom und unsere klimafreundliche Reiserichtlinie sind zwei Beispiele, mit denen wir auf unser Ziel der Treibhausgas-Neutralität bis spätestens 2030 einzahlen. Auch der Erhalt gesunder und fairer Arbeitsbedingungen für unsere über 14.500 Mitarbeitenden ist Teil unserer unternehmerischen Nachhaltigkeit.

Zum anderen wollen wir auch über unsere unternehmerischen Grenzen hinausgehen und unsere Rolle im Gesundheitssystem nutzen, um zu mehr Nachhaltigkeit und Klimaschutz zu motivieren: Hier kommen Stichworte wie Lieferkette und Beschaffung, verantwortungsvolle Digitalisierung oder ressourceneffiziente Versorgung ins Spiel. Da stellt sich verständlicherweise die Frage, was eine Krankenkasse in Anbetracht dieser großen Aufgabe alleine ausrichten kann.

Es gilt, im Gesundheitssystem noch mehr zu kooperieren und politisch mit verbindlichen Vorgaben die Nachhaltigkeit im Gesundheitswesen noch weiter voranzutreiben – und zwar jetzt! 

Perspektiven und Wissen bündeln

Nachhaltigkeit ist eine Meta-Disziplin mit ökologischen, ökonomischen und sozialen Handlungsfeldern. Um Nachhaltigkeit umfassend anzugehen, sind verschiedene fachliche Perspektiven und Expertisen nötig. Wir müssen voneinander lernen, unser Wissen bündeln und Ideen gemeinsam weiterentwickeln.

Auch eine repräsentative Befragung der Hamburger Stiftung im Auftrag des Berliner Centre for Planetary Health Policy (CPHP) zeigt: Obwohl vielen Ärztinnen und Ärzten Nachhaltigkeit wichtig ist, fehlt es an der Umsetzung konkreter Maßnahmen in Praxen und Gesundheitseinrichtungen. 68 Prozent der befragten Ärztinnen und Ärzte wünschen sich daher Aus- und Weiterbildungen zum Thema. In Zusammenarbeit mit dem aQua-Institut, der Stiftung Praxissiegel, wissenschaftlichen Partnern sowie der Deutschen Allianz Klimawandel Gesundheit (KLUG) haben wir das Qualitätssiegel „Nachhaltige Praxis“ mitinitiiert. Dafür sind Erfahrungen aus Wissenschaft und Praxis in ein umfassendes eLearning-Portal geflossen. Die Onlinekurse unterstützen die Praxen dabei, ihren Alltag nachhaltiger zu gestalten. Nach einem externen Audit erhalten die Arztpraxen, die die Anforderungen erfüllen, das Siegel. Das Beispiel zeigt: Zusammen können wir wichtige Hebel in Sachen Nachhaltigkeit für das Gesundheitswesen ansetzen.

Verbindlichkeit durch politische Signale nötig

Im Gesundheitswesen beschränken jedoch sowohl Zielkonflikte als auch fehlende rechtliche Rahmenbedingungen den Spielraum einzelner Akteure. Daher fordern wir, Nachhaltigkeit als Kriterium in das Sozialgesetzbuch (SGB) aufzunehmen. So wären Krankenkassen auch gesetzlich dazu ermächtigt, in ihrem Handeln Nachhaltigkeitskriterien neben Wirtschaftlichkeitsaspekten zu berücksichtigen. Im Verband der Ersatzkassen (vdek) haben wir uns in einer Resolution zu eigenen Nachhaltigkeitszielen verpflichtet, aber auch von der Politik gefordert, die gesundheitlichen Konsequenzen des Klimawandels verstärkt in den Blick zu nehmen und Impulse für ein nachhaltiges Gesundheitssystem zu setzen.

Es gilt, im Gesundheitssystem noch mehr zu kooperieren und politisch mit verbindlichen Vorgaben die Nachhaltigkeit im Gesundheitswesen noch weiter voranzutreiben – und zwar jetzt!



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