Es ist fast Mitternacht in den Hallen der Technischen Hochschule Lübeck. Zehn der Hackerinnen und Hacker sitzen noch immer an ihren Laptops, zwischen Mate-Flaschen, Skizzenblättern und halbvollen Kaffeetassen. Auf dem Bildschirm: erste Designs für ein Tool, das Gesundheitsvideos auf ihre Seriosität prüfen soll. Seit mehr als 14 Stunden feilt das Team daran, wie ein neu programmierter Faktenchecker Aussagen zu Ernährung, Fitness oder Abnehmen noch zuverlässiger bewerten kann.
Verlässliche Orientierung im digitalen Raum
Der Hanseatic Hackathon ist Teil der Woche der Künstlichen Intelligenz Lübeck und wird veranstaltet vom Hanse Innovation Campus Lübeck und seiner Gründungsberatung, dem GründerCube. Als eines von sieben teilnehmenden Unternehmen formulierte die TK-Landesvertretung in Schleswig-Holstein am vergangenen Wochenende einen konkreten Auftrag für eines der Hackathon-Teams: einen KI-gestützten Faktenchecker mit Ampelsystem zu entwickeln, der Inhalte aus sozialen Medien auf ihre wissenschaftliche Belastbarkeit prüft. Das Ziel: Nutzerinnen und Nutzern eine verlässliche Orientierung im Netz bieten.
Das Hackathon-Team bei der Arbeit.
„Für uns ist es wichtig, junge Menschen, die sich mit KI und digitalem Fortschritt intensiv beschäftigen, zu unterstützen. Innovative Ideen und kreative Köpfe können die Gesundheitsversorgung weiter voranbringen“, sagt Dr. Frederike Rogge von der TK. Im konkreten Fall sei besonders dort, wo Gesundheitsmythen schnell viral gehen, eine verlässliche Einschätzung sehr wichtig.
Der Hanseatic Hackathon ist ein Innovationswettbewerb, bei dem interdisziplinäre Teams aus verschiedensten Bereichen wie Technik, Design und Wirtschaft in kürzester Zeit kreative Lösungsansätze entwickeln – mithilfe von KI. Auch die TK brachte in diesem Jahr eine Aufgabe mit und traf damit einen Nerv.
Ich weiß aus meinem Studium, welchen Schaden falsche Ernährungsempfehlungen anrichten können.
Karina Tangri, Studentin der medizinischen Ernährungswissenschaften in Lübeck
Jugendliche verbringen heute viele Stunden am Smartphone und Videos verbreiten sich in rasender Geschwindigkeit. Eine manuelle Überprüfung ist kaum noch leistbar. Gleichzeitig häufen sich selbsternannte Expertinnen und Experten, die zweifelhafte oder sogar gefährliche Gesundheitstipps verbreiten. „Ich weiß aus meinem Studium, welchen Schaden falsche Ernährungsempfehlungen anrichten können“, sagt Karina Tangri, Studentin der medizinischen Ernährungswissenschaften in Lübeck und Teil des TK-Teams. „Mit diesem Projekt wollte ich aktiv dazu beitragen, Jugendliche und junge Erwachsene besser zu schützen.“
Insgesamt rund 80 Hackerinnen und Hacker nahmen teil - der Hanseatic Hackathon ist Teil der Woche der Künstlichen Intelligenz Lübeck und wird veranstaltet vom Hanse Innovation Campus Lübeck und seiner Gründungsberatung, dem GründerCube.
Fotos: John Garve
Das Team entwickelte eine Webseite, auf der Links von zum Beispiel TikTok-Videos eingegeben werden können. Im Hintergrund analysiert eine KI wissenschaftliche Datenbanken und medizinische Leitlinien und gleicht diese mit den im Video getroffenen Aussagen ab. Das Ergebnis wird in einem Ampelsystem ausgegeben: grün, gelb oder rot, ergänzt um die jeweils genutzten Quellen. „So können Falschinformationen entlarvt und gleichzeitig die Medien- sowie die Gesundheitskompetenz gestärkt werden“, erklärt Dr. Frederike Rogge.
Team Faktencheck erhält Publikumspreis
Die viele Arbeit hat sich am Ende für alle ausgezahlt. Der Faktenchecker kam bei den Besucherinnen und Besuchern des Hackathons so gut an, dass er mit dem Publikumspreis ausgezeichnet wurde. Er ist eine von sieben unterschiedlichen Ideen, die aus dem Hackerthon entstanden sind. Andere Teams beschäftigten sich unter anderem mit der Frage, wie ehrenamtlich organisierte Vereine in der Öffentlichkeitsarbeit unterstützt werden können oder wie ein KI-Agent komplexe PDFs für die Materialprüfung automatisiert durchsucht. Letztere Idee konnten den begehrten Jury-Preis ergattern. Welche ihrer Ideen es zukünftig in die reale Welt schaffen? Das wird sich zeigen…