Jessica Kneißler

Herr Baas, macht Künstliche Intelligenz Ärzte in Zukunft überflüssig?

Das Gesundheitswesen steht vor einer Revolution: In keiner anderen Branche sind die Erwartungen an Künstliche Intelligenz (KI) so hoch wie in der Medizin. TK-Chef Dr. Jens Baas über die medizinische Versorgung der Zukunft.

Herr Dr. Baas, wie wird Künstliche Intelligenz unseren Alltag verändern – gerade auch im Gesundheitswesen?

Der Nutzen für den Menschen steht bei jeder Innovation im Vordergrund. Das gilt auch für die Künstliche Intelligenz.

Der Bereich Gesundheit wird so stark profitieren, dass dies einer medizinischen Revolution gleichkommt.

Diagnosen können präziser gestellt und Patienten individueller behandelt werden. Sogar die Entstehung von Krankheiten könnte durch personalisierte Prävention verhindert werden. Wir müssen jetzt wichtige Weichenstellungen vornehmen und KI im Sinne der Versicherten in das Gesundheitssystem integrieren.

Bedeutet diese Entwicklung, dass Ärzte in Zukunft überflüssig sein werden?

Nein, natürlich nicht. Allerdings wird sich der Behandlungsprozess definitiv ändern. Mediziner müssen über ein enormes Wissen verfügen, was Krankheitssymptome, verschiedene Ursachen für Erkrankungen und den aktuellen Stand der Medizin angeht. Dabei kann sich kein Arzt in allen Fachrichtungen und den angrenzenden Bereichen umfassend auskennen.

Genau hier können Assistenzsysteme, die sich beispielsweise auf Künstliche Intelligenz stützen, Unterstützung leisten: Sie analysieren die riesigen Datenmengen und stellen Korrelationen her, die ein Arzt für seine Diagnose und Behandlung nutzen kann. Der Arzt wird künftig also auch zum Datenmanager.

Wie greift die TK das Thema Künstliche Intelligenz auf?

Wir haben den Anspruch, als Krankenkasse ein digitales und innovatives Gesundheitswesen voranzutreiben und wesentlich mitzugestalten. Dabei steht für uns immer im Mittelpunkt, unsere Versicherten bestmöglich und nach dem neuesten Stand der Forschung zu versorgen.

Wie verändern diese Entwicklungen meine ärztliche Behandlung?

Die Behandlung von Patienten wird künftig nicht mehr im Wartezimmer, sondern direkt auf dem Smartphone beginnen. In allen anderen Lebensbereichen erledigen wir bereits vieles online – unabhängig von Standort oder Öffnungszeiten. Wir brauchen auch für unsere Gesundheit praktische digitale Tools, die es erlauben, sich von überall aus mit dem Arzt zu verbinden. Das Bundesgesundheitsministerium hat in den letzten Monaten schon ordentlich Schwung in die Digitalisierung gebracht. Aber die Politik ist nach wie vor gefordert, damit innovative Lösungen schneller im Gesundheitswesen ankommen.


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