Die Zahlen sind alarmierend: In der aktuellen Copsy-Studie berichtet mehr als ein Fünftel der befragten Kinder und Jugendlichen von psychischen Auffälligkeiten (23 Prozent) und Angstsymptomen (25 Prozent). 18 Prozent fühlen sich einsam. Auch die aktuellen Krisen machen vielen von ihnen besonders zu schaffen. Deshalb ist die Frage „Uns geht’s gut?“, die als Motto über der Mental-Health-Kampagne und dem Bildungskongress der Bundesschülerkonferenz steht, auch rein rhetorisch zu verstehen.
„Uns geht’s nicht gut“, konstatieren die Moderatorinnen gleich zum Auftakt des Bildungskongresses. Und sie erhalten viel Zustimmung von den 200 Schülerinnen und Schülern, die aus allen Teilen Deutschlands für drei Tage Ende Januar in die Friedensburg-Oberschule nach Berlin-Charlottenburg gekommen sind. Die rund 50 Organisatorinnen und Organisatoren des Kongresses haben unglaublich viel auf die Beine gestellt, haben Workshops und Podiumsrunden, Vorträge und Diskussionen organisiert, haben Menschen aus Politik, Wissenschaft und Praxis eingeladen und nicht zuletzt dafür gesorgt, dass alle sich wohlfühlen können.
In verschiedenen Workshops beschäftigten sich die Schülerinnen und Schüler mit Konzepten und Strategien um die mentale Gesundheit zu stärken
Gesundheitsförderung als Teil der Schulkultur
Ende vergangenen Jahres hatte die Bundesschülerkonferenz ihren Call-to-Action zum Thema Mentale Gesundheit veröffentlicht und einen Zehn-Punkte-Plan vorgelegt, der große Resonanz fand. Einige der Forderungen: mehr Personal für Schulsozialarbeit und den schulpsychologischen Dienst, Gesundheitsförderung als Teil der Schulkultur etablieren und verbindliche Schutzkonzepte gegen Mobbing und Diskriminierung entwickeln.
Den Auftakt beim Bildungskongress machte Prof. Dr. Matthias Braun, Leiter des Lehrstuhls für Sozialethik an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Bonn. In seinem Vortrag widmete er sich dem Thema „Mental Health & Demokratie“ und zeigte unter anderem, dass die Zufriedenheit mit der Demokratie bei einsamen Menschen besonders gering ist.
Prüfungen, Leistungsdruck und Social Media
In Workshops entwickelten die Teilnehmenden, von denen die meisten im Alter von 16 bis 18 Jahren sind, Konzepte und Strategien zur Förderung der mentalen Gesundheit. Dabei sprachen sie über Prüfungsangst und Leistungsdruck, über den Einfluss von sozialen Medien, über Einsamkeit oder den Einfluss von globalen Krisen.
Bei der anschließenden Podiumsdiskussion mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und Schule machte Amy Kirchhoff, Generalsekretärin der Bundesschülerkonferenz, deutlich: „Mentale Gesundheit muss ein Querschnittsthema an den Schulen sein.“ Denn nur dann könne das Wirklichkeit werden, was sich Amy und die Bundesschülerkonferenz als Ziel setzen: „Schule muss zum Wohlfühlort werden!“
Um "Entspannung und Copingstrategien" ging es im TK-Workshop. Kursleiterin Senem: "Bei Stress gehen Gefühle in Gedanken über und führen häufig zu einer eigenen Abwertung. Dagegen kann man etwas tun."
Als Partnerin des Kongresses war auch die TK in Berlin dabei: mit dem Workshop „Entspannung und Copingstrategien“ und einem Stand auf dem „Markt der Möglichkeiten“, an dem es jede Menge Informationen zur Stress- und Krisenbewältigung gab. Maike Schmidt und Arlett Dölle vom Team Gesundheitsmanagement und Prävention der TK waren „maximal beeindruckt“ von der Offenheit, Klugheit und Sensibilität, mit der die Schülerinnen und Schüler ihre Gedanken zur mentalen Gesundheit geteilt haben. Hoffentlich hören die Verantwortlichen auf diese Stimmen vom Bildungskongress. Dann kann aus der rhetorischen Frage „Uns geht’s gut?“ eine Realität entstehen, in der alle Schülerinnen und Schüler die Unterstützung erhalten, die sie brauchen.
Die Bundesschülerkonferenz
Die Bundesschülerkonferenz (BSK) ist die ständige Konferenz der Landesschülervertretungen der Bundesländer in Deutschland. Sie behandelt Angelegenheiten der Bildungspolitik von überregionaler Bedeutung mit dem Ziel, eine gemeinsame Meinung und Willensbildung zu erreichen sowie die gemeinsamen Interessen der Schülerinnen und Schüler zu vertreten. Die BSK ist überparteilich und überkonfessionell organisiert und fördert die Mitbestimmung von Schülerinnen und Schülern im Schulwesen Deutschlands.
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