Jannik Maczey

#DMEA26: Next Level Gesundheit

Der Branchentreff rund um digitale Gesundheit fand in diesem Jahr zum vorerst letzten Mal in Berlin statt. Ein Umzug der DMEA nach München steht an. Die Stimmung unter den über 20.000 Playern aus dem Gesundheitswesen war trotzdem mehr von Aufbruch als von Abschied geprägt.

Thomas Ballast als "Jäger der verlorenen Akten" am Messestand der TK

Digitalisierung im Gesundheitswesen spielerisch erleben – das wollten viele Messebesucherinnen und -besucher am Stand der TK bei der DMEA 2026. Per Joystick konnten sie Behandlungsunterlagen einsammeln, lästigen Papiergeschossen ausweichen und eine elektronische Patientenakte (ePA) mit den gesammelten Dokumenten füllen. Dem Faxgerät als Sinnbild für analoge Hindernisse mussten sie dabei ausweichen. Auch Thomas Ballast, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der TK, konnte sich hier auf dem Scoreboard der Digitalisierung einen Platz sichern.

🕹️ Mit der ePA die eigene Gesundheit steuern

Überhaupt stand die ePA auch dieses Jahr wieder im Zentrum der Messe. Kein Wunder, denn immer wieder wurde klar: Ohne sie geht nichts bei der Digitalisierung im Gesundheitswesen. Gut ein Jahr nach dem Start der „ePA für alle“ zog Thomas Ballast ein positives Fazit:  „Wir haben bei der TK nicht nur zwölf Millionen Akten angelegt, sondern pünktlich zur DMEA einen weiteren Meilenstein erreicht: Eine Million Versicherte nutzen ihre ePA inzwischen schon aktiv und nehmen ihre Gesundheit in die eigene Hand. Das ist nach dieser kurzen Zeit ein sehr guter Start.“

Und die nächsten Meilensteine sind schon geplant, denn in den nächsten Monaten stehen noch einige Updates und Funktionserweiterungen an. Thomas Ballast beschrieb zudem eine langfristige Zukunftsvision: Schon heute nutzen viele Menschen ChatGPT, Gemini und Co. und sprechen mit ihnen auch über die eigene Gesundheit. Dabei ist es doch eigentlich viel naheliegender mit „jemandem“ zu sprechen, der die eigene Gesundheit bestens kennt. Vorhang auf für die ePA! Die Vision, dass Versicherte und Ärztinnen und Ärzte mit ePAs sprechen, ist zwar noch Zukunftsmusik, aber zeigt anschaulich die Möglichkeiten, die Digitalisierung bringt, wenn ePA, KI und User Experience konsequent zusammen gedacht werden.

Gemeinsam mit Nicola Beringer (teleclinic) stellte Klaus Rupp aus dem TK-Versorgungsmanagement den Sprachassistenten in der TK-Doc App vor

😵 Game Over für Chaos im Gesundheitswesen

Einen Zwischenschritt auf dem Weg zu dieser Vision stellte Klaus Rupp, Leiter des TK-Versorgungsmanagements, im Gespräch mit Nicola Beringer von der Teleclinic vor. Gemeinsam arbeiten die TK und die Teleclinic an einem Sprachassistenten für die TK-Doc-App. Mit ihm können Versicherte sprechen, wenn sie eine Frage oder ein gesundheitliches Problem haben. Behandeln oder Diagnosen stellen kann der Assistent zwar nicht. Was er aber kann: Die richtigen Angebote auswählen und den Versicherten so Orientierung geben – und das ist viel mehr als eine Sidequest im aktuell oft unübersichtlichen Gesundheitswesen.

Klaus Rupp formulierte das Ziel so: „Zum richtigen Zeitpunkt den richtigen Patienten in die richtige Versorgung führen.“ Wer zum Beispiel auf der Suche nach Infos zu Impfungen vor einer geplanten Reise nach Südafrika ist, wird an das TK-Ärztezentrum verwiesen und kann wählen, ob er oder sie lieber mit einer Ärztin chatten oder sprechen möchte. Wenn sich im Gespräch ergibt, dass ein Arzttermin sinnvoll wäre, kann der Assistent direkt zum TK-TerminService verlinken.

Bundesgesundheitsministerin Nina Warken füllte den größten Saal bis auf den letzten Platz

🤝 Digitalisierung aufs nächste Level bringen: ein kooperativer Multiplayer

Den größten Auftritt der drei Tage hatte Bundesgesundheitsministerin Nina Warken. Schon als sie vor knapp einem Jahr das Gesundheitsressort übernahm, war klar: Sie hat sich im Politik-Game für den höchsten Schwierigkeitsgrad entschieden. Das zentrale Vorhaben für ihre schwierigste Mission, eine Stabilisierung der GKV-Finanzen, lag jetzt auch pünktlich zur DMEA auf dem Tisch. Thema war es bei ihrem Vortrag aber nur am Rande. Hauptthema auf der Digitalmesse war die Digitalisierungsstrategie und das geplante Digitalgesetz GeDIG („Gesetz für Daten und digitale Innovation im Gesundheitswesen“). Mit Blick auf die Finanzlage gab sie klar zu verstehen: „Wir wollen nicht bei der Digitalisierung sparen, sondern durch Digitalisierung sparen.“

Einigkeit in Sachen Digitalisierung: Florian Fuhrmann (gematik), Matthias Mieves (MdB, SPD), Tino Sorge (Parlamentarischer Staatssekretär im BMG und MdB, CDU) und Moderator Ecky Oesterhoff (bvitg)

🦹 Der Endgegner: Eine nachhaltig finanzierte GKV

Als Einzelkämpferin für die Digitalisierung muss sie dabei aber nicht unterwegs sein. Auf einer Digitalisierungsmesse ohnehin nicht, aber auch in ihrer Koalition nicht: Im Gespräch der Bundestags-Gesundheitsexperten Matthias Mieves (SPD) und Tino Sorge (CDU, auch parlamentarischer Staatssekretär im BMG) wurde deutlich, dass bei allen Streitthemen in der Koalition die Digitalisierung im Gesundheitswesen nicht dazu zählt. Mieves möchte „in einer gemeinsamen Teamleistung die nächsten Schritte gehen, damit in Zukunft möglichst viele Menschen von einem digitaleren Gesundheitswesen profitieren“. Sorge berichtete, dass das gemeinsame Interesse in diesem Feld so groß sei, dass es sogar in der Harmonie-unverdächtigen Ampelzeit keinen Streit zwischen seiner oppositionellen CDU und der Regierung gegeben habe.

Man kann allen Beteiligten nur wünschen, dass sich ein Teil dieses Teamgeists auch auf die anstehende Finanzreform in der GKV überträgt. Sie ist wahrscheinlich der Endgegner im Gesundheitswesen – und einen Cheatcode gibt es leider nicht.



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