Denise Jacoby

KI beflügelt Ideenreichtum in der Forschung

Eine KI-gestützte Diagnosebox für die Notaufnahme, eine intelligente Nabelklemme und virtuelle Lernwelten für die medizinische Ausbildung: Beim Health Xperience Day in Frankfurt zeigten Forschungsteams und Start-ups, wie Künstliche Intelligenz (KI) die Gesundheitsversorgung verändern kann.

Künstliche Intelligenz ist eine leistungsfähige Technologie mit erheblichem Innovationspotenzial. Sie kann dazu beitragen, etablierte Prozesse neu zu denken, bessere Lösungen zu entwickeln und unser Gesundheitswesen grundlegend zu verändern. Diesen Optimismus teilte auch Dr. Thomas Ramge, Autor, Podcast-Host und Keynote-Speaker, beim diesjährigen Health Xperience Day. Politik und Unternehmen müssten aber noch mutiger in junge KI-Forschungsprojekte und Start-ups investieren.

Der Health Xperience Day

Zum Health Xperience Day hatten die TK in Hessen, die Initiative „gesundheitswirtschaft rhein-main“ und FUSE, der hessische Förderverein für unerkannte und seltene Erkrankungen, eingeladen. Bei der Veranstaltung präsentierten Forschungsprojekte und Start-ups aus Hessen ihre Produkte an verschiedenen Xperience Stations.

Thomas Ballast mit VR-Brille beim Health Xperience Day

Nach Einschätzung des stellvertretenden TK-Vorstandsvorsitzenden Thomas Ballast versorgen Ärztinnen und Ärzte in Deutschland ihre Patientinnen und Patienten derzeit noch überwiegend mit ihren fünf Sinnen. Zugleich zeichne sich ab, dass sich Digitalisierung und KI im Gesundheitswesen zunehmend etablieren. Die medizinische Versorgung werde in den kommenden Jahren spürbar digitaler werden und es müsse sich erst noch einpendeln, wie sich Mensch und Maschine künftig die Aufgaben in der Versorgung teilen werden.

KI-Avatar unterstützt bei der Anamnese

Wie kreativ und erfinderisch die Forschungsteams unterwegs und wie vielfältig die Einsatzmöglichkeiten von KI sind, zeigte etwa die Diagnosebox DokPro aus Marburg, ein Pilotprojekt zur Entlastung von Notaufnahmen. Forschende des Instituts für Künstliche Intelligenz in der Medizin des Universitätsklinikums Marburg sowie der Philipps-Universität Marburg, haben eine Kabine für die Notaufnahme entwickelt. Mobile Patientinnen und Patienten, bei denen zuvor ein lebensbedrohlicher Notfall ausgeschlossen wurde, durchlaufen in der Diagnosebox eine KI-basierte Ersteinschätzung und werden dabei von einem freundlichen Avatar unterstützt. „Unsere Kabine kann theoretisch Patientinnen und Patienten bis zur Behandlung in der Fachabteilung begleiten“, sagt Dr. Michael Mross vom Uniklinikum Marburg.

Das System wird derzeit noch überwiegend anhand künstlich generierter Daten getestet und weiterentwickelt, kommt im Rahmen einer Studie jedoch bereits in der Notaufnahme des Universitätsklinikums Marburg zum Einsatz. Dabei haben Mross und sein Team von den Patientinnen und Patienten gute Bewertungen erhalten und gerade auch bei den älteren Generationen eine hohe Technologieoffenheit festgestellt. Mross ist optimistisch, dass die Diagnosebox im weiteren Verlauf der Machbarkeitsstudie ihre Zuverlässigkeit beweisen und das Produkt bald von einem Start-up auf den Markt gebracht werden kann. Das Team scheint auf dem richtigen Weg zu sein: Bei einem Pitch-Wettbewerb im Rahmen des Events gewann DokPro den ersten Preis.

Enormer Schub und viel Aufmerksamkeit für das Thema KI

Auch Professor Michael Guckert von der Technischen Hochschule Mittelhessen beobachtet, dass KI der Forschung einen enormen Schub und viel Aufmerksamkeit gibt. Zuletzt sei die Zahl der Projekte im Gesundheitswesen, die mit KI arbeiten, sprunghaft angestiegen. Guckert ist Teil eines interdisziplinären Projektkonsortiums, das ein nicht invasives Monitoring von Neugeborenen durch eine intelligente Nabelklemme entwickelt hat. Die innovative Sensorik erlaubt ein kabelloses Beobachten von Vitalfunktionen bei Neugeborenen und Kleinkindern und bietet darüber hinaus noch weitere Schutzfunktionen: Beispielsweise kann das System vor einer Verwechslung Neugeborener schützen oder einen Alarm auslösen, falls das Kind definierte räumliche Bereiche verlässt. Ziel der Forschenden ist es, das Produkt zu validieren und anschließend als Spin-off aus der Hochschule in den Markt zu bringen.

Thomas Ballast begutachtet die TK-Doc App

Ein virtuelles Herz betreten und mit KI-Avataren lernen

Am Stand des Marburger Start-ups Advergenic konnten die Besucherinnen und Besucher virtuell ein schlagendes Herz betreten oder ganze Lernwelten erkunden. Die Virtual-Reality-Anwendungen des Teams werden bereits an Hochschulen in der medizinischen Ausbildung eingesetzt. In einer davon lässt sich ein winziges Insulinmolekül in stark vergrößerter Darstellung wie eine Skulptur betrachten und seine Wirkung an der Zelle verfolgen. Ein sprechender KI-Avatar begleitet durch die Lernwelt, beantwortet Fragen und kann seine Antworten an das jeweilige Bildungsniveau anpassen. „Virtual Reality erzeugt ein starkes Gefühl des Eintauchens und ermöglicht multisensorisches Erleben. Das unterstützt nachhaltiges Verstehen und Lernen“, sagt Mitgründer Andre Ganser.

TK-Doc App mit KI-basiertem Sprachassistent

An einer weiteren Xperience Station haben die Besucherinnen und Besucher erlebt, was mit der TK-Doc-App bereits möglich ist: Bis Ende September wird der erste KI-basierte Sprachassistent in der App für alle Versicherten der TK nutzbar sein. Er lotst die Kundinnen und Kunden in der App zum richtigen Angebot, sei es ein ärztlicher Rat per Telefon, eine Videosprechstunde oder die Vermittlung eines Termins bei einer Fachärztin oder einem Facharzt.

Die verschiedenen Stationen beim Health Xperience Day in Frankfurt haben deutlich gemacht, wie stark KI das Gesundheitswesen schon jetzt verändert. Die neuen Möglichkeiten stärken Forschungsteams in ihrer Innovationskraft und können die Gesundheitsversorgung in Zukunft weiter verbessern.



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