Natalie Hahn

„Medienkompetenz ist Gesundheitskompetenz“

Deutschland diskutiert über ein mögliches Social-Media-Verbot bis zu einem bestimmten Alter. Warum die TK die Debatte verfolgt und welche Rolle Krankenkassen dabei spielen, erklärt TK-Vorstand Dr. Jens Baas.

In Deutschland und darüber hinaus werden derzeit mögliche Maßnahmen zum Schutz von Jugendlichen auf Social-Media-Plattformen diskutiert. Im Rahmen des Social-Media-Reports „Jugend zwischen Like und Limit“ hat die TK die Jugendlichen selbst zur ihrer Mediennutzung und den Auswirkungen befragt. Die Ergebnisse des Reports ordnet TK-Vorstand Dr. Jens Baas ein.

TK-Vorstand Dr. Jens Baas

Warum beschäftigt sich die TK mit der Social-Media-Nutzung von Jugendlichen?

Der gesunde Umgang mit digitalen Medien ist für uns schon seit Jahren ein wichtiges Thema. Wir sehen Medienkompetenz als Schlüssel, mit dem Jugendliche und Kinder die vielen Herausforderungen der digitalen Welt reflektiert und selbstbestimmt meistern können. Mit Blick auf die Risiken von Social-Media wie Suchtpotential oder unrealistische Körperbilder ist Medienkompetenz ein entscheidender Faktor für den persönlichen Gesundheitsschutz. Deshalb beobachten wir auch die aktuelle Diskussion um eine Altersgrenze für Social Media Plattformen in Deutschland. Bei der Debatte stellen wir fest, dass die Sicht der eigentlichen Betroffenen – also der Jugendlichen – in der öffentlichen Debatte bisher kaum gehört wird. Unser Social Media Report „Jugend zwischen Like und Limit“ soll das ändern und ihre Meinung stärker sichtbar machen.

Über die Studie

Für die Online-Umfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse hat das Markt- und Meinungsforschungsinstitut eye square im April und Mai 2026 bundesweit insgesamt 1.400 Personen im Alter von 12 bis 17 Jahren befragt. Die Stichprobe entspricht einem repräsentativen Abbild dieser Altersgruppe in Deutschland. Den kompletten Social-Media-Report gibt es hier.

Welche Erkenntnisse hat der Social-Media-Report „Jugend zwischen Like und Limit“ geliefert?

Einige Ergebnisse überraschen. Obwohl der Großteil der 12- bis 17-Jährigen Social Media positiv gegenübersteht, sind 55 Prozent für ein Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche. Sie sprechen sich im Schnitt für eine Altersgrenze von 14 Jahren aus. Acht Prozent der Befragten sind sogar für ein generelles Verbot für Minderjährige.
Für die Jugendlichen hat Social Media dennoch viele positive Seiten wie der Austausch mit Freundinnen und Freunden oder der Zugang zu wichtigen Informationen. Gleichzeitig sind sie sich aber auch den Schattenseiten bewusst, wie Fake News, Cybermobbing und anderen Inhalten, die mental belasten können. Hier müssen wir einerseits als Gesellschaft Lösungen finden, Gesundheit und Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen nachhaltig zu schützen. Andererseits müssen insbesondere die Plattformen stärker in die Verantwortung für mehr Jugendschutz genommen werden. Hier ist die Politik gefordert, entsprechende Rahmenbedingungen zu setzen.

Welche Hinweise zum Einfluss von Social Media auf die Gesundheit liefert der Social-Media-Report?

Aktuelle Untersuchungen geben Hinweise, dass die intensive Nutzung von Social Media negative Auswirkungen auf das mentale Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen haben kann. Dazu gehören zum Beispiel depressive Verstimmungen, Angststörungen, Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper oder Schlafprobleme.
Unser Social-Media-Report bestätigt die Tendenz. Jugendliche, die vier Stunden oder mehr auf Social Media sind, fühlen sich in fast allen Bereichen schlechter als diejenigen, die nur ein bis zwei Stunden online sind. Zum Beispiel leiden sie häufiger unter negativen Gefühlen wie schlechter Laune, Unsicherheit oder Gereiztheit. Auch Schlafprobleme oder Kopfschmerzen treten deutlich häufiger auf. Auch wenn sich in der Befragung kein ursächlicher Zusammenhang nachweisen lässt, ist das für uns als Krankenkasse ein Grund genauer hinzuschauen.

Die Ergebnisse des Social-Media-Reports bestärken uns als TK, unser bisheriges Angebot an Präventionsmaßnahmen im Bereich Medienkompetenz weiter auszubauen. Denn Medienkompetenz ist Gesundheitskompetenz und damit auch Bestandteil der Gesundheitsförderung.

Welche Schlüsse zieht die TK aus den Ergebnissen des Social-Media-Reports?

Ein pauschales Social Media-Verbot greift aus unserer Sicht zu kurz. Wir leben in einer digitalen Welt und Soziale Medien sind ein wichtiger Lern- und Erfahrungsraum. Ein Verbot würde auch Bildungs- und kulturelle Teilhabemöglichkeiten einschränken.

Damit Kinder und Jugendliche lernen, langfristig mit digitalen Medien umzugehen, ist die Förderung von Medienkompetenz maßgeblich. Unsere Umfrage zeigt auch, dass die Jugendlichen sich mehr Unterstützung wünschen. Hier sind vor allem Schulen und Eltern gefragt, Angebote zur Vermittlung von Medienkompetenz in den Alltag zu integrieren.

Gleichzeitig bleibt es entscheidend, Plattformbetreiber stärker in die Pflicht zu nehmen. Kürzlich hat die Expertenkommission „Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt“ ihren Abschlussbericht mit vielen guten Ideen vorgelegt. Unter anderem empfiehlt die Kommission, “Jugendversionen” ihrer Apps anzubieten, mit strengem Datenschutz, ohne zielgerichtete Werbung und ohne suchtfördernde Algorithmen.

Die Ergebnisse des Social-Media-Reports bestärken uns als TK, unser bisheriges Angebot an Präventionsmaßnahmen im Bereich Medienkompetenz weiter auszubauen. Denn Medienkompetenz ist Gesundheitskompetenz und damit auch Bestandteil der Gesundheitsförderung.

Angebote der TK

Medienkompetenz ist ein Schlüssel, um reflektiert und selbstbestimmt mit den vielen Herausforderungen der digitalen Welt umzugehen. Deshalb bietet die TK ein sehr großes Angebot an Projekten zur Förderung der Medienkompetenz von Kindern und Jugendlichen an und berät zudem Kitas, Schulen und Eltern, wie zum Beispiel mit Gemeinsam Klasse sein, Law4school, IPSY (Suchtprävention ab Klasse 5) oder Mental².

Des Weiteren beteiligt sich die TK fachlich und inhaltlich an der Kampagne der Bundesschüler:innenkonferenz „Uns geht’s gut!“, zur Stärkung der mentalen Gesundheit von Schülerinnen und Schülern. Darüber hinaus fördert die TK auch qualitätsgeprüfte Angebote wie zum Beispiel Workshops für Schulen der Online-Beratungsstelle  Juuuport oder die jährliche Bundesjugendkonferenz Medien in Rostock.



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