Rückentraining für die Pflegekräfte oder ein gesundes Frühstück für Bewohnerinnen und Bewohner: Darauf beschränkt sich oft Betriebliche Gesundheitsförderung im Pflegeheim. Doch das greift zu kurz.
Der Ansatz der TK, gemeinsam mit der von uns in Baden-Württemberg beauftragten Prozessberatung gailus.org, ist ein anderer: Der Bedarf wird für jede Einrichtung individuell ermittelt – und die Maßnahmen sollen nachhaltig wirken.
Christiane Krämer leitet das Seniorenzentrum Martha-Maria in Stuttgart
Die Einrichtungsleiterin war erst skeptisch
Christiane Krämer leitet das Seniorenzentrum Martha-Maria in Stuttgart, in grüner Halbhöhenlage unweit der Innenstadt. Sie gibt zu, dass sie anfangs skeptisch war: Auf dem Programm standen statt Rückentraining „verbesserte Kommunikation“ und „Führungskräfte-Coaching“.
„Ich habe über die Jahre einiges an Erfahrung gesammelt und nicht gedacht, dass sich an meinem Führungsstil viel ändern lässt,“ sagt Krämer. Doch sie habe gelernt, dass jede und jeder sich weiterentwickeln kann. Und dass oft Kleinigkeiten den entscheidenden Unterschied machen. Zumal wenn sich, wie zu Beginn des Projektes, mit der Corona-Pandemie ganz neue Herausforderungen einstellen.
Wir sprechen nicht von Problemen, sondern von Situationen, die eine gemeinsame Lösung notwendig machen.
Christiane Krämer
Positive Einstellung verbessert das Arbeitsklima
Ob globale Krisen oder interne Probleme wie Personalnotstand oder Führungskräftewechsel – Ziel ist es, Methoden zu entwickeln, um solche „Stimmungskiller“ nicht das gesamte Teamgefüge ins Wanken bringen zu lassen. Denn klar ist, dass solche Umstände seelische und körperliche Belastungen bei Mitarbeitenden auslösen können.
„Es hat einige Gruppencoachings und Gesprächsrunden gebraucht, um so weit zu kommen. Aber heute gehen wir Herausforderungen mit einer anderen Haltung an“, so Christiane Krämer. „Wir sprechen nicht von Problemen, sondern von Situationen, die eine gemeinsame Lösung notwendig machen. Diese positive Einstellung hat nicht nur das Arbeitsklima verbessert, sondern auch die Zusammenarbeit im Team gestärkt.“
Mitarbeiterin Tamar Pkhaladze: “Nicht nur das Miteinander ist jetzt leichter, auch die Wertschätzung kommt mehr zutage"
Klingt banal, wirkt aber. Bestätigt wird das von Mitarbeiterin Tamar Pkhaladze: “Nicht nur das Miteinander ist jetzt leichter, auch die Wertschätzung kommt mehr zutage: Es gibt Lob und Dankeschön. Wenn ich einen Vorschlag mache, werde ich ernst genommen und habe das Gefühl, meine Meinung zählt.“
Gleichzeitig wird im Gegenzug auch Mitwirkung und Offenheit erwartet: Jeder Mitarbeitende soll nach Möglichkeit die neu gelernten Ansätze aktiv einbringen, annehmen und umsetzen.
Kulturentwicklung braucht Zeit
Felicitas Szaguhn hat das Projekt als Prozessberaterin begleitet und verschiedene Runden moderiert: „Es ist Außenstehenden oft schwer zu vermitteln, was bei solchen Maßnahmen passiert und was das mit Gesundheit zu tun hat.“
Tatsache sei aber, dass es durch optimierte Abläufe, Kommunikationsregeln und klare Zuständigkeiten zu weniger Missverständnissen und Unstimmigkeiten komme.
„Ich denke, es ist für jeden nachvollziehbar, dass Menschen, die ihre Arbeit gerne machen und sich im Team wohlfühlen, psychisch und physisch widerstandsfähiger sind und eher bereit sind, Verantwortung zu übernehmen“, betont Szaguhn.
Einrichtungsleiterin Christiane Krämer kann das bestätigen. „Die Mitarbeiterzufriedenheit ist definitiv gestiegen. Wir haben kaum noch Fluktuation und müssen nicht mehr auf Zeitarbeitende zurückgreifen“, freut sie sich. Außerdem sei die Zahl der Krankheitstage signifikant gesunken.
Diese Entwicklung kommt auch den Bewohnerinnen und Bewohnern der Pflegeeinrichtung zugute: Einem motivierten und gut organisierten Team fällt es leichter, eine hohe Qualität bei der Betreuung und Pflege aufrechtzuerhalten. „Bei der letzten Befragung durch die externe Heimaufsicht gab es deutlich weniger Beschwerden, sowohl von den Pflegebedürftigen selbst als auch von den Angehörigen“, erzählt Krämer.
Die "Wand der Vielfalt" - links im Bild Prozessbearbeiterin Felicitas Szaguhn, mit der TK-Leiterin in Baden-Württemberg, Nadia Mussa (Mitte), und Einrichtungsleiterin Christiane Krämer.
Vielfalt als Chance begreifen
Als eindrückliches und nachhaltiges Nebenprodukt des BGM-Projekts entstand in der Cafeteria des Haupthauses die sogenannte „Wand der Vielfalt“. „Wir haben rund 170 Mitarbeitende aus insgesamt 30 Nationen, die teilweise unabhängig voneinander in zwei Gebäuden arbeiten. Wir wollten etwas Verbindendes schaffen“, so die Einrichtungsleiterin. Quasi als Teambuildingmodul, moderiert von Felicitas Szaguhn und ihren Kollegen, konzipierten und gestalteten Mitarbeitende aus verschiedenen Abteilungen eine Wand, die die Menschen und interkulturelle Vielfalt im Seniorenzentrum sichtbar macht. „Diese Art gemeinsames kreatives Arbeiten, unabhängig von der originären Tätigkeit, ermöglicht es, sich neu kennenzulernen und schafft Verbindung“, erklärt die Prozessberaterin.
Christiane Krämer spricht eine klare Empfehlung für das Betriebliche Gesundheitsmanagement aus: „Es hat sich herumgesprochen, dass wir die Mitarbeitenden als Herz unseres Unternehmens betrachten und alles daransetzen, dass sie optimal arbeiten können und dabei gesund bleiben.“