Nachdem das alte Jahr mit wenig erfreulichen Nachrichten (Stichwort „Beitragsspirale“) endete, wird es nach winterlicher Verschnaufpause endlich Zeit, das Gesundheitssystem fit für die Zukunft zu machen und wichtige Reformen anzugehen. Und: Die Meldungen aus Berlin lassen hoffen. Der Motor in der Gesundheitspolitik läuft wieder an. Das Bundesgesundheitsministerium hat sein Pflichtenheft, aka „Vorhabenplanung“, geteilt – und setzt darin die richtigen Prioritäten:
✔️ Primärversorgungssystem
✔️ Digitalgesetz
✔️ Pflegereform
✔️ GKV-Finanzreform
Die zentralen Themen sind also auf der Agenda. Das gibt Anlass, optimistisch in dieses Jahr zu starten. Wie lange der Optimismus vorhält, hängt natürlich davon ab, wie rasch, konsequent und sinnvoll die Überführung in die Praxis läuft. Einfach wird es angesichts der Beharrungskräfte im Gesundheitswesen sicher nicht. Dennoch ist klar: Wir brauchen 2026 mehr Tempo, mehr Mut und mehr Durchsetzungskraft in der Gesundheitspolitik.
Primärversorgung lösungsorientiert angehen
Es ist wichtig, dass die Politik eine bessere Koordinierung in der Versorgung in Angriff nehmen will. Es muss klare Wege in und durch die Versorgung geben. Deshalb sollte eine kluge Koordination bereits dann beginnen, wenn Menschen wegen eines gesundheitlichen Anliegens nach Hilfe suchen. Das Prinzip muss lauten „digital vor ambulant vor stationär“, damit im Ergebnis diejenigen, die einen Arzttermin benötigen, auch rasch in der Praxis sitzen – und zwar in der richtigen. Dafür ist Lösungsorientierung statt „gewohnter Pfade“ gefragt. Die Reform darf nicht mit Tunnelblick auf ein Hausarztmodell im neuen Look starten – sonst sind Flaschenhalsproblematik und Überlastung vorprogrammiert. Die Aufgaben müssen auf mehr Schultern verteilt werden.
Digitalisierung – ePA in den Alltag
Auch ein Digitalisierungsgesetz soll kommen – und es ist entscheidend, dass die Politik das Thema nicht aus den Augen verliert. Bei der Zielsetzung kommt es darauf an, die elektronische Patientenakte (ePA) weiter konsequent zu stärken und mit Leben zu füllen, damit sie für Versicherte einen Nutzen bringt und Teil des Alltags wird. Das wird nur funktionieren, wenn wir beginnen, das Thema Datennutzung endlich chancenorientiert zu begreifen – statt als Angstfaktor – und die operativen Prozesse ans 21. Jahrhundert anpassen.
Pflegereform – Stringenz ist wichtig
Die Soziale Pflegeversicherung für die Zukunft aufzustellen, ist ein herausforderndes Vorhaben. Die Politik darf sich nicht entmutigen lassen und muss – angesichts der Vielfalt der Beteiligten – auf Stringenz achten. Abgesehen von der langfristigen Systemreform hat die Politik auch Instrumente für kurzfristige Entlastungen, z. B. endlich die vom Staat während der Pandemie entliehenen Milliarden zurückzuzahlen.
GKV-Finanzierung – es wird nur gemeinsam funktionieren
In seltener Einigkeit signalisieren die Akteure im Gesundheitswesen derzeit, dass eine stabile Finanzierung von Gesundheit, die im Wesentlichen durch die GKV stattfindet, höchste Priorität hat. Natürlich wäre es naiv zu glauben, diese Einigkeit bliebe auch dann noch erhalten, wenn im Frühjahr nach Bekanntgabe der Ergebnisse der Finanzkommission klar wird, an welchen Stellen Gürtel enger geschnallt werden müssen. Denn im Gesundheitswesen gilt leider nach wie vor oft die Devise: „Sparen ja gerne, aber doch nicht bei uns“. Hier müssen sich alle beteiligen.
Die gute Nachricht ist: Es gibt viele gute Ideen und ich bin auch sehr zuversichtlich, dass die Kommission davon ein sinnvolles Spektrum aufzeigen wird. Wichtig ist, dass die Politik die Aufgabe dann mutig und fair in Angriff nimmt, damit aus der richtigen Agenda spürbare Ergebnisse werden.
2026 hat also Potenzial, ein gutes Jahr für die Gesundheitspolitik zu werden. Das wird es aber nur, wenn der frisch gestartete Motor nicht ins Stottern gerät.