Lennart Paul

Start-ups im Gesundheitswesen: Von Einhörnern und (geplatzten) Träumen

Beim Tagesspiegel Fachforum in Berlin ging es um die Frage, wie Gesundheits-Start-ups erfolgreich sein können und wie gute Start-up-Förderung funktioniert. Die TK war als Partner mit dabei.

Sie werden dringend gebraucht: Start-ups, die mit innovativen Ideen unser Gesundheitswesen verbessern, effizienter machen und dafür sorgen, dass wir gesund werden und gesund bleiben. Doch welche Rahmenbedingungen sind nötig, damit aus Ideen Wirklichkeit und aus Start-ups Einhörner, also Unternehmen mit einer Milliarden-Bewertung, werden? Darüber diskutierten Fachleute aus Politik, Wirtschaft und der Start-up-Szene beim Tagesspiegel-Fachforum „Von Einhörnern und (geplatzten) Träumen – Wo stehen wir in Deutschland bei der Start-up-Förderung 2026?“.

Dr. Jens Baas beim Tagesspiegel Fachforum (Foto: Lena Ganssmann /Tagesspiegel)

„Wir müssen Gründen einfacher machen“

Dieser Leitfrage gingen auch Thomas Jarzombek, der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung, und TK-Chef Dr. Jens Baas nach. Für Jarzombek steht fest: „Das Thema Gründen müssen wir einfacher machen.“ Er verwies auf das Projekt „Schneller gründen“ seines Ministeriums. Jens Baas ergänzte: „Was wir beim Thema Gründen brauchen, sind deutlich einheitlichere Strukturen.“ Und er äußerte einen Wunsch: „Es wäre schön, wenn wir uns im Bereich Start-ups mehr engagieren könnten, als wir es bisher dürfen.“

Baas verwies darauf, dass im Gesundheitssystem die Start-up-Lebenszyklen sehr viel länger andauern als in anderen Bereichen: „Man braucht also Investorinnen und Investoren mit einem längeren Atem.“ Diesen müsse man klarmachen, dass es zwar schwierig sei, in den Gesundheitsmarkt hineinzukommen, sich die Anstrengung aber lohne: „Auf diesem Weg können wir unterstützen.“ Die TK bietet mit ihrem InnovationsPortal eine Ideenplattform mit den Informationen und Hilfen, die Start-ups auf dem Weg in den ersten Gesundheitsmarkt brauchen.

Prof. Matthias Notz, CEO der Start2 Group (Foto: Lena Ganssmann /Tagesspiegel)

Besser als vor fünf Jahren? Ja. Gut genug? Nein.

In allen Runden des Tages war zu spüren, dass der Optimismus in der Szene trotz der Herausforderungen nicht verloren gegangen ist. Prof. Matthias Notz, CEO der Start2 Group, widmete sich in seinem Impulsvortrag dem internationalen Vergleich und brachte die Situation in Deutschland so auf den Punkt: „Es ist alles viel besser als vor zehn Jahren. Es ist alles viel besser als vor fünf Jahren. Aber es ist noch nicht gut genug. Wir müssen in fünf Jahren noch mal deutlich besser sein.“

 

Gründerin Janneke Lupp von der goodscare GmbH (Foto: Lena Ganssmann /Tagesspiegel)

Beim Start-up-Panel ging es um „Best Practice – Wie die Etablierung eines erfolgreichen Start-ups gelingt“. Mit dabei: Gründerin Janneke Lupp, die Geschäftsführende Gesellschafterin der goodscare GmbH, die ein Gerät entwickelt hat, das viele Blut-Schnelltests laborgenau digital analysieren kann. Sie benannte Erfolgsfaktoren, die für die Etablierung eines (Medizin-)Start-ups wichtig sind, und verwies darauf, wie wichtig Sichtbarkeit ist. Da ist goodscare im vergangenen Jahr mit dem Gewinn des Health-i Awards einen großen Schritt vorangekommen.

Den Schlusspunkt des spannenden Austausches setzte Jens Baas, der ein kurzes Fazit zog: Wenn es bei Veranstaltungen um das Gesundheitswesen gehe, beschwöre derzeit wieder jeder den Untergang des Abendlandes, sagte Baas. „Im Gegensatz dazu heißt es in der Start-up-Szene: ,Es gibt zwar Probleme, aber wir bekommen es trotzdem hin.‘ Und das ist der viel bessere Ansatz.“



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