In Deutschland entstehen derzeit so viele junge, wachstumsorientierte Unternehmen wie nie zuvor das – zeigt der Deutsche Start-up Monitor 2026. Dabei spielt Künstliche Intelligenz (KI) eine immer größere Rolle. Auch im Gesundheitswesen ist diese Dynamik spürbar. Hier treffen neue technologische Möglichkeiten auf einen notwendigen Veränderungsbedarf. Jetzt kommt es also darauf an, diese Innovationen für die Menschen schnellstmöglich nutzbar zu machen.
Genau hier setzt die gemeinsame Health-i Initiative der TK und des Handelsblatts an: Seit über 10 Jahren geben sie innovativen Start-ups aus dem Gesundheitswesen eine Bühne und vernetzen sie mit wichtigen Playern aus Wissenschaft, Wirtschaft und Versorgung. In diesem Jahr gingen 118 Bewerbungen für den Health-i Award ein – deutlich mehr als im Vorjahr. Das zeigt einmal mehr, wie groß das Interesse an Innovation im Gesundheitswesen ist.
TK-Vorstand Dr. Jens Baas und Kirsten Ludowig aus der Chefredaktion des Handelsblatts
Mehr als nur eine gute Idee: Was Health-Start-ups noch brauchen
Im Design Zentrum Hamburg eröffneten TK-Vorstand Dr. Jens Baas und Kirsten Ludowig aus der Chefredaktion des Handelsblatts den Abend. In ihrem Auftaktgespräch diskutierten sie darüber, was Start-ups insbesondere aus der Gesundheitsbranche brauchen, um erfolgreich zu sein. Beide sind sich einig: Eine gute Idee allein genügt nicht. Um erfolgreich zu sein, muss eine Innovation ein konkretes Problem lösen. Zudem müssen sich Health-Start-ups deutlich früher als in anderen Branchen mit den Finanzierungswegen des Gesundheitssystems auseinandersetzen. Auf die Publikumsfrage, wie der Health-i dazu beitrage, Innovationen in die Versorgung zu bringen, nannte Baas vor allem zwei Hebel: Sichtbarkeit und die Zusammenarbeit mit strategischen Partnern.
Unternehmerin Isabel Grupp-Kofler (Geschäftsleitung der Plastro Mayer GmbH) und Dr. Georg Kofler (Unternehmer und Investor)
Das richtige Mindset im Unternehmertum
Im „Future Talk“ richtete sich der Blick auf die Wachstumsphase von Start-ups. Die Unternehmerin Isabel Grupp-Kofler (Geschäftsleitung der Plastro Mayer GmbH) und Dr. Georg Kofler (Unternehmer und Investor) analysierten Entscheidungen, die in der Gründungs- und Aufbauphase den weiteren Weg maßgeblich bestimmen. Dabei wurde deutlich: Erfolg basiert weniger auf anfänglicher Perfektion als vielmehr auf einer Beharrlichkeit und dem Mut, auch bei zahlreichen Rückschlägen an der eigenen Vision festzuhalten.
Sieben Start-ups durften im Finale ihre Ideen pitchen
Dann war die Bühne frei für die Finalistinnen und Finalisten: biopeak, CatMedica, Chatdok-Herz, ida, myScribe, PREVERY und Synagen. Die Start-ups präsentierten ihre Ideen in kurzen Pitches und stellten sich anschließend den Fragen des Publikums. Die Auswahl der sieben Kandidaten war zuvor in mehreren Stufen erfolgt: Das Team des wissenschaftlichen Partners um Prof. Dr. Ariel D. Stern vom Hasso-Plattner-Institut sichtete gemeinsam mit der TK und dem Handelsblatt die Bewerbungen und empfahl der zehnköpfigen Jury die Finalisten. Diese bewertete dann unter anderem die Neuartigkeit, die Skalierbarkeit, der Nutzen für Patientinnen und Patienten sowie die Marktchancen der Lösungen. Am Ende überzeugten drei Ideen die Jury ganz besonders und sicherten sich das Siegertreppchen.
Die Pitches der Finalist:innen.
Die Pitches der Finalist:innen.
Die Pitches der Finalist:innen.
Die Pitches der Finalist:innen.
Platz 3: myScribe entlastet Ärztinnen und Ärzte bei der Dokumentation
Den dritten Platz erhielt die myScribe GmbH. Ärztinnen und Ärzte kostet es täglich mehrere Stunden Zeit, Arztbriefe zu schreiben. Ein Grund dafür: Klinische Daten sind häufig auf viele verschiedene Systeme und Formate verteilt. Die Software von myScribe führt diese Daten zusammen und erstellt daraus auf Knopfdruck fachrichtungsspezifische Arztbriefe. So können Ärztinnen und Ärzte täglich zwei bis drei Stunden Dokumentationsarbeit einsparen. Das Produkt ist bereits in 15 deutschen Kliniken im Einsatz; die weitere Skalierung läuft.
Platz 2: CatMedica verbessert Schlaganfallbehandlung
Platz zwei ging an das Mainzer MedTech-Unternehmen CatMedica. Ihre patentierte Technologie „Seal & Protect“ soll die Behandlung von Schlaganfällen verbessern. Das Ziel der Innovation ist, Blutgerinnsel bereits beim ersten Versuch vollständig zu entfernen, sodass bleibende Schäden reduziert und Folgekosten gesenkt werden. Erste Studien belegen eine Erfolgsrate beim Erstversuch von über 90 Prozent.
Die Preisträger:innen des Abends.
Platz eins: ida
Platz zwei: CatMedica
Platz drei: myScribe
Platz 1: ida ermöglicht engere ärztliche Betreuung bei Brustkrebs
Den ersten Platz gewann die ida GmbH aus Pöcking in Bayern. Die „ida care“-App ermöglicht ein digitales Symptommonitoring für Patientinnen mit metastasiertem Brustkrebs. Betroffene können über die App wöchentlich ihre Symptome und Lebensqualität erfassen. Ein klinisch validierter Algorithmus analysiert im Hintergrund kritische Verschlechterungen und informiert das Behandlungsteam in Echtzeit. So erhält das Behandlungsteam kontinuierlich einen Überblick über den Gesundheitszustand der Patientinnen und kann frühzeitiger reagieren. Der Marktstart ist für das vierte Quartal 2026 geplant.
Die entscheidende Phase beginnt jetzt!
Die drei Gewinner-Start-ups zeigen, wie vielfältig Innovation im Gesundheitswesen sein kann. Ihre Lösungen setzen an konkreten, aktuellen Herausforderungen an: Sie unterstützen Patientinnen und Patienten, verbessern medizinische Behandlungen und entlasten Ärztinnen und Ärzte im Klinikalltag. Damit solche Ideen tatsächlich in der Versorgung ankommen, brauchen sie Sichtbarkeit, Netzwerke und starke Partnerinnen und Partner. Genau hier schließt sich der Kreis zum Health-i Award: Die Health-i-Initiative bringt entscheidende Player zusammen und schafft die Voraussetzungen dafür, dass aus guten Ideen echte Anwendungen werden können.
Fotocredits: Marc-Steffen Unger / Handelsblatt