Alle Artikel > Das TK Start-up-Feature: „HiDoc“ – Eine App zur Behandlung vom Reizdarmsyndrom

Das TK Start-up-Feature: „HiDoc“ – Eine App zur Behandlung vom Reizdarmsyndrom

08.09.2016

Dieser Beitrag ist Teil des Start-up-Features von Wir Techniker im Rahmen der Health-i Initiative von der TK und dem Handelsblatt. Unter zahlreichen Bewerbern wurde das Start-up „HiDoc“ als eins von fünf jungen Unternehmen zum Innovationstag am 13. September in Berlin eingeladen und hat die Chance, eine Kooperation mit der TK zu gewinnen.


Als frisch examinierter Arzt kam André Sommer vor rund einem Jahr nach Berlin. Mit im Gepäck: Die feste Überzeugung, dass man Menschen mit chronischen Krankheiten durch digitale Lösungen individuell helfen kann. Während seiner Arbeit im Krankenhaus fiel ihm vor allem ein Krankheitsbild auf, bei dem viele Patienten noch unzureichend betreut werden: Das Reizdarmsyndrom. Der Mediziner erklärt: „Die Krankheit liegt an der Schnittstelle von psychischen und somatischen Erkrankungen, deswegen brauchen die Patienten eine breitgefächerte Therapie. Eine schnelle Heilung, etwa durch eine Tablette, gibt es nicht.“ Aus diesem Grund hat André Sommer im Oktober vergangenen Jahres zusammen mit dem angehenden Arzt Jesaja Brinkmann das Start-up HiDoc gegründet. Mit ihrer ersten App „Cara“ wollen sie einen persönlichen Begleiter schaffen, der Menschen mit chronischen Verdauungsproblemen und Lebensmittelunverträglichkeiten betreut und unterstützt.

Die Gründer von HiDoc: André Sommer (links) und Jesaja Brinkmann vor Berliner Kulisse. Zurzeit sitzt das Startup im Microsoft-Accelerator in Berlin-Mitte.
Die Gründer von HiDoc: André Sommer (links) und Jesaja Brinkmann vor Berliner Kulisse. Zurzeit sitzt das Start-up im Microsoft-Accelerator in Berlin-Mitte.

Wie das geht, erläutert Brinkmann im Interview mit der TK: „Cara hat drei Grundbausteine. Erstens: das Tracking. Das funktioniert wie ein Tagebuch, in das verschiedene Dimensionen der Krankheit eingetragen werden, wie zum Beispiel Schmerz, Stimmung, Ernährungsverhalten oder Verträglichkeit. Zweitens: die Ernährung. Mit der App können die Nutzer ihr Essen magenfreundlicher und individueller gestalten. Drittens: das Entspannen. Wir haben eine spezielle psychologische Anleitung entwickelt, die den Nutzern Entspannungsübungen zeigt, damit sie mit den Symptomen besser leben können.“

Das siebenköpfige Team hinter der App Cara. Von links: André Sommer, Jesaja Brinkmann, Pia Ziebeil, Dr. Dankard Feist, Orest Tarasiuk und Othmane Chami.
Das siebenköpfige Team hinter der App Cara. Von links: André Sommer, Jesaja Brinkmann, Pia Ziebeil, Dr. Dankard Feist, Orest Tarasiuk und Othmane Chami.

Über Algorithmen könnten alle Patienten im Laufe der Zeit herausfinden, welche Einflussfaktoren sich positiv oder negativ auf die Krankheit auswirkten. Noch befindet sich die App in der geschlossenen Betaphase, wird aber in den nächsten Monaten im App Store verfügbar sein. Bereits jetzt bietet das Startup die Website reizdarm.one an, auf der alle Informationen zum Reizdarmsyndrom verständlich und ausführlich erklärt werden. Um die Richtigkeit aller Informationen auf der Internetseite und in der App sicherzustellen, unterstützt ein Expertenteam aus Ärzten und Psychologen die Arbeit von HiDoc.

Das Team von HiDoc in einer Besprechung.
Das Team von HiDoc in einer Besprechung.

Die junge Volkskrankheit

Das Reizdarmsyndrom und ähnliche Probleme seien noch ein Tabuthema in der Gesundheitsberichterstattung, kritisieren Sommer und Brinkmann. Dabei sei fast jede sechste Person in Deutschland betroffen, Frauen doppelt so häufig wie Männer. Und das bereits oft schon im jungen Erwachsenenalter. „Wir haben es also mit einer chronischen Krankheit zu tun, über die selten so offen gesprochen wird, wie zum Beispiel über Diabetes oder Bluthochdruck“, sagt Brinkmann. Sommer ergänzt: „Und das, obwohl im Gegensatz zu diesen Volkserkrankungen besonders junge Menschen von Reizdarm betroffen sind.“ Die Nutzer von Cara sind zwischen 20 und 40 Jahren alt, die App ist damit ein guter Kanal, um diese Patienten, die viel digital unterwegs sind, zu erreichen und ihnen diskret Hilfe anzubieten.

Und wenn die Köpfe gerade nicht von Kreativität rauchen, gönnt sich das Team auch mal eine gemeinsame Auszeit.
Und wenn die Köpfe gerade nicht von Kreativität rauchen, gönnt sich das Team auch mal eine gemeinsame Auszeit.
Das Logo des Start-ups.
Das Logo des Start-ups.

Die Erreichbarkeit ist in den Augen der Gründer ein Kernproblem, denn abgesehen von ein paar Selektivverträgen sei Smart Health noch nicht in der Regelversorgung angekommen. Brinkmann fasst zusammen: „Patienten treffen aber außerhalb von Google & Co. auf ein analoges Gesundheitssystem. Mit unserer App möchten wir die Medizin ins 21. Jahrhundert bringen.“ Um diesem Ziel näher zu kommen, hat sich HiDoc bei der Health-i Initiative der TK und dem Handelsblatt beworben. Als eines von fünf Start-ups ist es am 13. September beim Innovationstag in Berlin dabei und hat die Chance, eine Kooperation mit der TK zu gewinnen. Die beiden Gründer wünschen sich, Patienten mit Reizdarmsyndrom schon früher abzuholen und ihnen individualisierte Medizin über die App anzubieten. Brinkmann ist überzeugt:

„Die TK und HiDoc schauen in die gleiche Richtung, wenn es um Digitalisierung geht.“

Im Video: Die Gründer von HiDoc, André Sommer und Jesaja Brinkmann, stellen ihr Unternehmen vor.

 


Portrait-Susan-Wolters

 

Susan Wolters arbeitet für die TK Landesvertretung Berlin und Brandenburg im Pressebereich. Sie widmet sich schwerpunktmäßig den digitalen Gesundheitsthemen.

 

 


 

Zwei Kommentare

  1. timof
    09.01.2017
    timof 09.01.2017
    Die erste Version war noch sehr gut. Es gab Entspannungsübungn, Tipps, Rezepte - einige Kleinigkeiten wie Drucken, Export etc. fehlten. Dann wurde im Dez. 2016 auf eine neue Version umgestellt. Nun ist die App-Sprache auf Englisch und es hat sich vieles verschlechtert: Es gibt KEINE Entspannungsübungen mehr, Nahrungsmittel sind im Bezug auf Ihre Bauchfreundlichkeit (FODMAP) falsch eingeordent und die Kleinigkeiten fehlen immer noch. Schade. Anmerkung: Nach drei Tagen Nutzung fragte mich die App (in der ersten Version) ob ich die Vollversion (für ca. 80,-- Euro) kaufen möchte. Zum Glück habe ich es nicht gemacht. Fazit: der Ansatz war gut, doch die Weiterentwicklung ein Reinfall. App gelöscht.
    Eine Antwort
    • Redaktion
      Redaktion vor 2 Jahren
      Hallo timof, danke für Ihre Einschätzung und Ihr Feedback hier auf dem Blog zur App. Da die TK ihre Finger bei der Anwendung nicht mit im Spiel hat, können wir an dieser Stelle natürlich nur mutmaßen, wie die Änderungen in der App begründet sind. Aber: Als Nutzer der App ist Ihr Feedback sicherlich ungemein wertvoll für das Entwickler-Team. Deswegen geben wir die Einschätzung gern an die Macher der App weiter. Beste Grüße, Die Redaktion Wir Techniker
  2. Zebralina
    06.12.2016
    Zebralina 06.12.2016
    Super Idee mit HiDoc! Dauen hoch!!
    Fünf Antworten
    • Redaktion
      Redaktion vor 2 Jahren
      Hallo Zebralina, vielen Dank für das Feedback! Die Portraits der anderen vier Start-ups können wir auch als Lesetipps empfehlen. Wenn Dich die Gründerwelt interessiert, besuche gern auch das neue TK Start-up-Portal: https://www.tk.de/tk/aktionen/start-ups/922484. Viele Grüße!
    • Zebralina vor 2 Jahren
      Oh, vielen lieben Dank für den Link. Schaue ich gleich mal rein.
    • Zebralina vor 2 Jahren
      Mich hat (aus aktuellem Anlass dank misslungener Antibiotika-Therapie) das Thema Reizdarm interessiert. Habe die Seite von HiDoc mit der Cara-App direkt mal weitergeleitet. Bin gespannt, welches Feedback ich erhalte und wie ihr die App gefällt.
    • Zebralina vor 2 Jahren
      Ich bin begeistert, dass ihr so
    • Zebralina vor 2 Jahren
      Innovativ seid!!!

Weitere Artikel aus den Sammlungen „#SmartHealth“, „Presse und Politik“

0

Was die digitale Gesundheitsakte können muss

Was die digitale Gesundheitsakte können muss

10.08.2018

Digitale Vernetzung im Gesundheitswesen - das war das große Thema beim eHealth-Kongress 2018. Wir haben die Gelegenheit genutzt, um Stimmen zur digitalen Gesundheitsakte zu sammeln.

Digitale Vernetzung im Gesundheitswesen - das war das große Thema beim eHealth-Kongress 2018. Wir haben die Gelegenheit genutzt, um Stimmen zur digitalen Gesundheitsakte zu sammeln.

Artikel jetzt lesen
1

Der Weg zum neuen Morbi-RSA

Der Weg zum neuen Morbi-RSA

02.08.2018

Je kränker der Versicherte, desto mehr Geld bekommt seine Kasse. Das regelt der Morbi-RSA. Das Problem: Kassen können auf ärztliche Diagnosen Einfluss nehmen und sich so Vorteile gegenüber anderen verschaffen. Die Vorbereitungen für die kommende Reform deuten an: Es könnte noch schlimmer werden.

Je kränker der Versicherte, desto mehr Geld bekommt seine Kasse. Das regelt der Morbi-RSA. Das Problem: Kassen können auf ärztliche Diagnosen Einfluss nehmen und sich so Vorteile gegenüber anderen verschaffen. Die Vorbereitungen für die kommende Reform deuten an: Es könnte noch schlimmer werden.

Artikel jetzt lesen
0

Medizin mit Durchblick

Medizin mit Durchblick

31.07.2018

Virtuelle Welten kennen viele aus Computerspielen. Aber was haben Virtual Reality mit medizinischer Versorgung zu tun? Der eHealth-Kongress in Frankfurt am Main gibt spannende Einblicke.

Virtuelle Welten kennen viele aus Computerspielen. Aber was haben Virtual Reality mit medizinischer Versorgung zu tun? Der eHealth-Kongress in Frankfurt am Main gibt spannende Einblicke.

Artikel jetzt lesen
0

Ein Mausklick ersetzt den gelben Schein

Ein Mausklick ersetzt den gelben Schein

26.07.2018

Was immer schon so war, muss nicht immer so bleiben: Die TK treibt das Projekt digitale Krankmeldung konsequent voran. Das ist bequemer für alle Beteiligten und schont unsere Aktenordner und Papierkörbe.

Was immer schon so war, muss nicht immer so bleiben: Die TK treibt das Projekt digitale Krankmeldung konsequent voran. Das ist bequemer für alle Beteiligten und schont unsere Aktenordner und Papierkörbe.

Artikel jetzt lesen
1

Das Patientengesetz: Ein Kommentar

Das Patientengesetz: Ein Kommentar

26.07.2018

Der Referentenentwurf für das Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) will Patienten einen besseren Zugang zu ärztlichen Leistungen ermöglichen. Dabei werden zentrale Problemfelder in Angriff genommen.

Der Referentenentwurf für das Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) will Patienten einen besseren Zugang zu ärztlichen Leistungen ermöglichen. Dabei werden zentrale Problemfelder in Angriff genommen.

Artikel jetzt lesen
0

Notfallversorgung in Deutschland steht vor Zäsur

Notfallversorgung in Deutschland steht vor Zäsur

23.07.2018

Überfüllte Notaufnahmen mit Patienten, die dort größtenteils gar nicht hingehören - dem will die Politik ein Ende setzen. "Integrierte Notfallzentren" lautet das Zauberwort aus dem Konzept des Sachverständigenrates.

Überfüllte Notaufnahmen mit Patienten, die dort größtenteils gar nicht hingehören - dem will die Politik ein Ende setzen. "Integrierte Notfallzentren" lautet das Zauberwort aus dem Konzept des Sachverständigenrates.

Artikel jetzt lesen
0

Gesundheit auf dem Campus (er-)leben

Gesundheit auf dem Campus (er-)leben

20.07.2018

Auf dem Campus Berlin-Buch ist ein besonderes Projekt gestartet: 13 Unternehmen gestalten gemeinsam ihr Betriebliches Gesundheitsmanagement. Die TK unterstützt das Angebot.

Auf dem Campus Berlin-Buch ist ein besonderes Projekt gestartet: 13 Unternehmen gestalten gemeinsam ihr Betriebliches Gesundheitsmanagement. Die TK unterstützt das Angebot.

Artikel jetzt lesen
1

Fit oder fertig: Was macht das Berufsleben mit uns?

Was macht das Berufsleben mit uns?

03.07.2018

Die Berufstätigkeit bestimmt für viele Menschen einen großen Teil ihres Lebens. Was macht das mit uns? Der Gesundheitsreport 2018 der TK schaut genau hin.

Die Berufstätigkeit bestimmt für viele Menschen einen großen Teil ihres Lebens. Was macht das mit uns? Der Gesundheitsreport 2018 der TK schaut genau hin.

Artikel jetzt lesen
0

Hirschhausens Geheimrezept

Hirschhausens Geheimrezept

19.06.2018

Mehr als 2.000 Ärzte fordern in einem offenen Brief an die Bundesregierung strengere Maßnahmen gegen Fehlernährung. Neben der TK ist unter anderem auch der Arzt und  Wissenschaftsjournalist Dr. Eckart von Hirschhausen Unterstützer. Im Interview erzählt er außerdem über Diäterfolge und den Anti-Aging-Effekt.

Im Interview erzählt Dr. Eckart von Hirschhausen über die gemeinsame Initiative gegen Fehlernährung, Diäterfolge und den Anti-Aging-Effekt von Essenspausen.

Artikel jetzt lesen