Alle Artikel > Pille ist nicht gleich Pille! Über die orale Verhütung und ihre Nebenwirkungen

Pille ist nicht gleich Pille! Über die orale Verhütung und ihre Nebenwirkungen

16.06.2017

Antibabypillen bieten einen sehr hohen Schutz vor einer ungewollten Schwangerschaft. Pille ist aber nicht gleich Pille: Die verschiedenen Präparate können sich voneinander unterscheiden, einige versprechen zum Beispiel einen positiven Effekt auf die Haut. Ein Aspekt, der jedoch häufig in den Hintergrund gerät: Die unterschiedlichen Pillen haben auch unterschiedlich hohe Risiken für Thrombosen. Der Blick ins Kleingedruckte der Packungsbeilage zeigt, dass das seltene, aber lebensbedrohliche Thromboserisiko bei einigen Pillen doppelt so hoch ist, als bei anderen. Die Ironie dabei: Das ist besonders häufig bei Präparaten der neueren Generationen der Fall. Eigentlich, möchte man meinen, sollten diese doch sicherer und besser sein als ältere Pillen.

Eine Trendwende in der oralen Verhütung?

Die gute Nachricht: Das scheint sich herumzusprechen. Aktuelle Auswertungen von Routinedaten der TK zeigen nämlich eine erfreuliche Tendenz: Immer mehr junge Frauen entscheiden sich für eine Pille der älteren Generation nehmen, wenn sie mit der oralen Verhütung beginnen. Zwar wechselten im vergangenen Jahr immer noch mehr Frauen, die auf ein anderes Präparat umstiegen, von einem bewährten auf ein neues Präparat als andersherum (49 Prozent gegenüber 40 Prozent). Aber: Es scheint eine Trendwende zu geben, denn 2013 wechselten noch 60 Prozent von bewährten Pillen zu neuen und nur 31 Prozent entschieden sich für den umgekehrten Weg.

Aufklärung: Wissen macht handlungsfähig!

Auch wenn bei jungen Frauen die Verordnungszahlen sinken: Die Pille ist das beliebteste Verhütungsmittel schlechthin. Sie ist aber auch ein Arzneimittel mit Nebenwirkungen. Und sie wird im Allgemeinen von gesunden Frauen eingenommen, anders als andere Arzneimittel. Gerade deshalb sollten wir bei den Nebenwirkungen und den individuellen Risikofaktoren ganz genau hinschauen.

Eine entscheidende Stellschraube bei dem Thema der Risiken und Nebenwirkungen von Antibabypillen ist, dass ihre Anwenderinnen sich umfassend über das Verhütungsmittel informieren. Die Entscheidung für ein Arzneimittel als Verhütungsmethode sollte bewusst getroffen werden – und um diese Wahl treffen zu können, müssen alle Fakten auf dem Tisch liegen. Das muss letztlich auch ein Bestandteil des Arztgespräches sein, wenn die Frage der Verhütung bei einer jungen Frau das erste Mal im Raum steht.  TK-Vorstandsvorsitzender Dr. Jens Baas betonte bereits 2015 bei der Vorstellung des „Pillenreports“:

„Die Techniker Krankenkasse sieht sich sowohl gegenüber den verordnenden Ärzten als auch den Frauen, die diese Präparate einnehmen, in der Pflicht, eine Orientierungshilfe anzubieten. Denn die Entscheidung für die Pille fällt meist im Teenageralter, und meist bleibt es über mehrere Jahre beim gleichen Präparat.“

Wie wirkt die Antibabypille? Macht sie wirklich schön? Was sind die Risiken? Antwort auf diese und weitere Fragen zum Thema Pille gibt es unter tk.de/pille.

Die Generationen-Frage

1961 wurde mit der Einführung des ersten Pillen-Präparats auf dem deutschen Markt ein Meilenstein gesetzt. Selbstbestimmte Familienplanung – etwas, was für heutige Generationen völlig selbstverständlich ist – war für die damalige Gesellschaft ein großer Durchbruch für die sexuelle Unabhängigkeit von Frauen. Es gibt wohl bis heute kein anderes Arzneimittel, das so zur Emanzipation beigetragen hat, wie die Pille. Da wirkt es fast ironisch, dass in der Vermarktung der neueren Pillengenerationen heute vor allem Merkmale wie ein schönes Hautbild in den Vordergrund gerückt werden, die durch die Emanzipation doch eigentlich überwunden werden sollten.

Weiterlesen:

Wer sich für weitergehende Infos wie den umfangreichen Pillenreport interessiert, findet diese im Portal Presse&Politik.

Kommentieren Sie als Erster diesen Artikel

    Weitere Artikel aus der Sammlung „Presse und Politik“

    0

    Darum braucht der Morbi-RSA dringend eine Reform

    Darum braucht der Morbi-RSA dringend eine Reform

    19.06.2017

    Über den morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleich - kurz Morbi-RSA - werden die Beitragsgelder an die Krankenkassen verteilt. Seine derzeitige Beschaffenheit führt jedoch zu starken Wettbewerbsverzerrungen, anstatt eine faire Grundlage dafür zu bieten. Mit einer gemeinsamen Erklärung fordern nun Ersatzkassen, Betriebs- und Innungskrankenkassen eine Reform des Morbi-RSA.

    Über den morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleich - kurz Morbi-RSA - werden die Beitragsgelder an die Krankenkassen verteilt. Seine derzeitige Beschaffenheit führt jedoch zu starken Wettbewerbsverzerrungen, anstatt eine faire Grundlage dafür zu bieten. Mit einer gemeinsamen Erklärung fordern nun Ersatzkassen, Betriebs- und Innungskrankenkassen eine Reform des Morbi-RSA.

    Artikel jetzt lesen
    0

    „Es selbst meistern“ – das kann der TK-Depressions-Coach

    "Es selbst meistern" - das kann der TK-Depressions-Coach

    13.06.2017

    Neben "Rücken" oder "Zucker" gehören auch Depressionen auf die Liste der Volkskrankheiten. Während etwa ein Fünftel der Bevölkerung im Laufe des Lebens an einer Depression erkrankt, wird gleichzeitig nur ein Bruchteil von ihnen wirklich angemessen behandelt. Die Gründe dafür sind so vielfältig wie das Krankheitsbild Depression selbst. Der Depressions-Coach, den die TK seit 2013 gemeinsam mit der Freien Universität (FU) Berlin anbietet, will auf diesem Feld eine Versorgungslücke schließen.

    Neben "Rücken" oder "Zucker" gehören auch Depressionen auf die Liste der Volkskrankheiten. Während etwa ein Fünftel der Bevölkerung im Laufe des Lebens an einer Depression erkrankt, wird gleichzeitig nur ein Bruchteil von ihnen wirklich angemessen behandelt. Die Gründe dafür sind so vielfältig wie das Krankheitsbild Depression selbst. Der Depressions-Coach, den die TK seit 2013 gemeinsam mit der Freien Universität (FU) Berlin anbietet, will auf diesem Feld eine Versorgungslücke schließen.

    Artikel jetzt lesen
    0

    Es ist an der Zeit, dass die Therapie von Essstörungen neu gedacht wird!

    Es ist an der Zeit, dass die Therapie von Essstörungen neu gedacht wird!

    09.06.2017

    Das Thema Essstörungen verliert seit Jahren weder an Aktualität noch Brisanz. Über Schlankheitswahn und ungesunde Schönheitsideale wird dieser Tage wieder heiß diskutiert. Die App "Jourvie" des gleichnamigen Start-ups ist ein digitales Tagebuch für Betroffene von Essstörungen. Jetzt haben es die jungen Gründer mit ihrer App in den Versorgungsalltag geschafft.

    Das Thema Essstörungen verliert seit Jahren weder an Aktualität noch Brisanz. Über Schlankheitswahn und ungesunde Schönheitsideale wird dieser Tage wieder heiß diskutiert. Die App "Jourvie" des gleichnamigen Start-ups ist ein digitales Tagebuch für Betroffene von Essstörungen. Jetzt haben es die jungen Gründer mit ihrer App in den Versorgungsalltag geschafft.

    Artikel jetzt lesen
    0

    Organspende – das geht uns alle an!

    Organspende – das geht uns alle an!

    08.06.2017

    Über 10.000 Menschen in Deutschland warten derzeit auf ein Spenderorgan. Das Thema Organspende braucht mehr Anerkennung, mehr Öffentlichkeit und mehr Aufklärung. Diese Ziele hat sich der Tag der Organspende gesetzt. Das finden wir gut - und haben uns vor Ort in Erfurt umgesehen.

    Über 10.000 Menschen in Deutschland warten derzeit auf ein Spenderorgan. Das Thema Organspende braucht mehr Anerkennung, mehr Öffentlichkeit und mehr Aufklärung. Diese Ziele hat sich der Tag der Organspende gesetzt. Das finden wir gut - und haben uns vor Ort in Erfurt umgesehen.

    Artikel jetzt lesen
    0

    Ideen im Fünf-Minuten-Takt

    Ideen im Fünf-Minuten-Takt

    02.06.2017

    "Start-up Night! Gesundheitswirtschaft" - Lange Nacht im Bundeswirtschaftsministerium. Brigitte Zypries hat innovative Start-ups und etablierte Unternehmen aus dem Gesundheitswesen in ihr Ministerium nach Berlin-Mitte geladen.

    "Start-up Night! Gesundheitswirtschaft" - Lange Nacht im Bundeswirtschaftsministerium. Brigitte Zypries hat innovative Start-ups und etablierte Unternehmen aus dem Gesundheitswesen in ihr Ministerium nach Berlin-Mitte geladen.

    Artikel jetzt lesen
    0

    Kinder können smarter sein als ihr Phone

    Kinder können smarter sein als ihr Phone

    01.06.2017

    Das Projekt DigiKids ist ein Modellvorhaben der Techniker Krankenkasse (TK) und der Hessischen Landesstelle für Suchtfragen (HLS) e. V. für ein Medienkompetenz-Projekt für Kinder ab dem Kindergartenalter. Hessen dient in den kommenden vier Jahren als Pilotregion.

    Das Projekt DigiKids ist ein Modellvorhaben der Techniker Krankenkasse (TK) und der Hessischen Landesstelle für Suchtfragen (HLS) e. V. für ein Medienkompetenz-Projekt für Kinder ab dem Kindergartenalter. Hessen dient in den kommenden vier Jahren als Pilotregion.

    Artikel jetzt lesen
    0

    Politische Teilhabe: Geht nicht, gibt’s nicht!

    Politische Teilhabe: Geht nicht, gibt's nicht!

    26.05.2017

    Wir finden, die Bundeswahlbeauftragte der diesjährigen Sozialwahlen Rita Pawelski ist eine ziemlich "coole Socke". Im Interview erklärt sie, warum am Rande stehen und zuschauen keine Lösung ist und warum jeder noch bis zum 31. Mai seine Stimme abgeben sollte.

    Wir finden, die Bundeswahlbeauftragte der diesjährigen Sozialwahlen Rita Pawelski ist eine ziemlich "coole Socke". Im Interview erklärt sie, warum am Rande stehen und zuschauen keine Lösung ist und warum jeder noch bis zum 31. Mai seine Stimme abgeben sollte.

    Artikel jetzt lesen
    0

    Die Videosprechstunde für alle!

    Die Videosprechstunde für alle!

    24.05.2017

    Im Alltag ist es für viele schon ganz normal, sich per Videochat zu unterhalten. Im Gesundheitswesen war das anders. Bis jetzt, denn seit April 2017 bieten gesetzliche Krankenkassen die Online-Videosprechstunde als Leistung an.

    Im Alltag ist es für viele schon ganz normal, sich per Videochat zu unterhalten. Im Gesundheitswesen war das anders. Bis jetzt, denn seit April 2017 bieten gesetzliche Krankenkassen die Online-Videosprechstunde als Leistung an.

    Artikel jetzt lesen
    1

    Von „Dealbreakern“ in der Krankenhausfinanzierung

    Von "Dealbreakern" in der Krankenhausfinanzierung

    16.05.2017

    In der Diskussion um Versorgungsqualität in Deutschland ist der Faktor Pflegepersonal in Krankenhäusern eine nicht unwichtige Größe. Die Formel ist...

    In der Diskussion um Versorgungsqualität in Deutschland ist der Faktor Pflegepersonal in Krankenhäusern eine nicht unwichtige Größe. Die Formel ist...

    Artikel jetzt lesen