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Darum gehört Medienkompetenz schon in die Kitas!

16.10.2017

von Yvonne Wagner

Die Freizeit, die Arbeitswelt oder der Gesundheitsmarkt – unsere Welt wird immer digitaler. Also müssen auch wir immer smarter im Umgang mit digitalen Medien werden. Längst ist das Thema Medienkompetenz nicht mehr beschränkt auf Jugendliche und Erwachsene: Damit der Nachwuchs für die digitale Zukunft gewappnet ist, beginnt die Auseinandersetzung mit den Chancen und Risiken der Mediennutzung mittlerweile schon im Kita-Alter. Als Unterstützer und Treiber des digitalen Fortschritts sowie langjährigem Förderer von Gesundheitsprävention hat es sich die TK deshalb nicht nehmen lassen, gemeinsam mit der Diakonie und dem Projekt „Netz mit Web-Fehlern“ den Medienfachtag „Smart sein?! Mobile Alleskönner in Kita und Familie“ in Bad Hersfeld zu veranstalten.

„Netz mit Web-Fehlern“ ist die Dachkampagne, unter der verschiedene Veranstaltungen zur Medienkompetenz stattfinden können. Die Federführung der Kampagne obliegt der Hessischen Landesstelle für Suchtfragen, die TK-Landesvertretung Hessen fördert das Projekt. Ob es ein Fachtag zur Fortbildung von Pädagogen ist, ein Mediencamp für Schüler oder Info-Abende für Eltern, stets geht es darum, dass sich Kinder, Eltern und Pädagogen zum Thema Medienkonsum austauschen.

Ziel des Projektes ist, das Risiko für einen exzessiven Medienkonsum von Kindern und Jugendlichen zu minimieren, um negative gesundheitliche Auswirkungen zu verhindern. Die Erfahrungen der Kampagne zeigen, dass dies am besten gelingt, wenn der Nachwuchs und sein Umfeld für den richtigen Umgang mit Medien fit gemacht werden. Der beste Schutz vor unangenehmen Nebenwirkungen der digitalen Welt ist nicht die Abstinenz von, sondern der gesunde Umgang mit Medien.

Das Team vom Fachtag „Smart sein?! Mobile Alleskönner in Kita und Familie“ (von links): Kerstin Blüm, Christina Heimeroth (Diakonie), Benjamin Wockenfuß (DigiKids), Alexandra Lauer (Diakonie), Cordula Kahl (MuK Hessen).

Medienkompetenz in Theorie und Praxis

In einem digitalisierten Alltag wird Medienkompetenz zu einer Lebenskompetenz. Umso wichtiger ist ein flächendeckendes Verständnis in der Gesellschaft dafür, was sich konkret hinter diesem Begriff verbirgt. Beim Medienfachtag in Bad Hersfeld versucht sich Cordula Kahl vom hessischen Institut für Medienpädagogik und Kommunikation an einer Erklärung:

Kompetent mit Medien umzugehen heißt zunächst, sie bewusst einzusetzen und kritisch zu reflektieren, ob der Medieneinsatz selbstbestimmt und aktuell verantwortlich ist. Dieser bewusste Umgang trägt dazu bei, die Risiken von Medienkonsum zu senken und die Chancen der Nutzung zu steigern.“

So weit, so gut, allerdings klingt das immer noch sehr abstrakt. Deswegen zwei Beispiele: Wer im Auto sitzt, angerufen wird und das Telefonat ohne Freisprechanlage annimmt, handelt nicht verantwortlich. Denn das Telefonieren während des Autofahrens ist nicht nur gefährlich, es ist auch verboten und wird mit einem Bußgeld belegt. Oder eine Situation in einer Kita: Eine Mutter kommt telefonierend in den Vorraum, grüßt mit einem kurzen Nicken, winkt ihren Sohn mit hektischen Bewegungen herbei, schnappt den Rucksack, nimmt ihren Sohn an die Hand und verlässt die Institution ohne Abschied. Das Verhalten der Mutter erscheint wenig reflektiert. Möglicherweise war ihr gar nicht bewusst wie sie in einem solchen Moment wirkt und welche negativen sozialen Signale sie an ihr Kind und alle anderen aussendet.

Digitale Selbstbestimmung ist das Ziel

Medienkompetenz zeigt sich nicht nur im flinken Bedienen von technischen Geräten oder in der Auswahl von geeigneten Inhalten im Netz. Zu Medienkompetenz zählt auch, die richtige Balance für on- und offline-Momente zu lernen. Das Ziel einer gut ausgebildeten Medienkompetenz ist es, einen selbstbestimmten und selbstverantwortlichen Umgang mit Medien zu erreichen. Wir brauchen diese Fähigkeit, weil digitale Medien in Freizeit und Beruf heute allgegenwärtig sind und selbstverständlich dazu gehören. Wer seinen Medienkonsum sinnvoll einsetzt und steuert, beugt zudem psychischen Erkrankungen – wie einem Überlastungssyndrom oder einer Internetsucht – vor und bleibt gesünder. Deshalb wird Medienkompetenz zu einer Lebenskompetenz.

Die TK hat diese Entwicklung schon lange erkannt und kümmert sich deshalb auch um die Medienkompetenz von Jugendlichen und Auszubildenden. In den Filmen „Jugend 3.0 – Mit Sicherheit im Netz“ und „Digital ins Berufsleben“ hat die TK Erfahrungsberichtberichte und Experten-Tipps zum Thema festgehalten. Im Gesundheitsreport 2017 macht die Gesundheit von Azubis, auch mit Blick auf deren Medienkonsum, einen Schwerpunkt aus.

Medienkompetenzförderung bei Kleinkindern: Das Projekt „DigiKids“

Hör mal wer da spricht – Zeit zum Ausprobieren verschiedener Kinder-Apps für die pädagogische Arbeit in der Kita.

Ein weiterer Bereich der Gesundheitsförderung im Umgang mit digitalen Medien, in dem sich die TK engagiert, ist Medienkompetenz bei Kindern ab dem Kita-Alter: Das Projekt „DigiKids arbeitet mit Kindern ab vier Jahren sowie deren Eltern und Erziehern. Kita-Fachkräfte gilt es besonders auf die Herausforderungen im Kita-Alltag vorzubereiten. Dafür bekommen sie Strategien an die Hand, durch die sie angemessen reagieren können, wenn die Kinder beispielsweise Smartphone, Tablets oder andere digitale Geräte zum Spielen in die Kita mitbringen.

Gleichzeitig will DigiKids das Kita-Personal dabei unterstützen, selbst digitale Medien spielerisch in die pädagogische Arbeit zu integrieren. Dabei bleibt selbstverständlich die „Offline-Welt“ in der Kita weiterhin der Arbeitsschwerpunkt der Fachkräfte.

Der Suchttherapeut, Social Media Experte und Projektleiter Benjamin Wockenfuß stellte beim Medienfachtag in Bad Hersfeld vor wie eine solche Medienkompetenz-Schulung aussehen kann. Seine Workshops zeigen auf wie sich analoge und digitale Welten positiv verbinden lassen. Etwa wenn Betreuer und Kinder gemeinsam ein vom Kind selbst gemaltes Bild als Vorlage nutzen, um es abzufotografieren. Eine spezielle App erweckt das Bild zum Leben, indem sie eine Bewegung animiert – die perfekte Verbindung aus analogem und digitalem Erleben.

Smartes Werkzeug statt Zauberkasten

Genau diese Perspektive ist es, die wir heute brauchen, wenn wir uns Gedanken um die Medienbildung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen machen: Lernen, die digitalen Medien als gezieltes Werkzeug einzusetzen und somit die Digitalisierung für den eigenen Gewinn nutzen.

Auch das ist eine analog-digitale Verbindung: Spielfiguren in Szene setzen, bewegen, abfotografieren und einen Film daraus machen.

In der Kita ist diese digitale Bildung gut aufgehoben, weil sie die Digitalisierung als einfaches Mittel zum Zweck entzaubert und damit früh genug ansetzt, um den Medien die magische Kraft zu entziehen, die sie für Kinder so attraktiv macht.


Weiterlesen:

Weitere Informationen aus den Vorträgen des Fachtages in Bad Hersfeld gibt es auf Twitter unter #smartKita17.

Impressionen vom Fachtag im DigiKids-Blog von Benjamin Wockenfuß.

Infos rund um das Projekt DigiKids finden Sie auf der Website der TK-Landesvertretung Hessen bei „Engagement im Land“.

Mehr zum Thema Medienkompetenz und dem Projekt Netz mit Web-Fehlern gibt es auf der Website der TK-Landesvertretung Hessen.

Was treibt die TK in Sachen Medienkompetenz sonst noch? Einen Überblick gibt es hier.


Yvonne Wagner ist Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit in der TK-Landesvertretung Hessen. Sie interessiert sich für digitale Entwicklungen, ohne die Bodenhaftung zu verlieren: In ihrer Freizeit ist sie sportlich aktiv und erkundet die analoge Welt – mal mit, mal ohne Fitnesstracker.


Ein Kommentar

  1. Materieteilchen
    17.10.2017
    Materieteilchen 17.10.2017
    Zu diesem interessanten Blogthema möchte ich ein Praxisbeispiel hinzufügen: Ich trainiere regelmäßig in der Eishalle und teile die Fläche mit Kitagruppen und Mütter und Väter, die ergänzend zur Kita-Fachkraft die vielen Kleinen beaufsichtigen. Diese elterliche Beaufsichtigung erfolgt in der Mehrzahl durch das Display bei nicht enden wollenden Filmclips oder in gebeugter Kopfhaltung auf die Geräte starrend, die kleinen Eisläuferkids werden gar nicht mehr wahrgenommen. Sind Schulkinder auf dem Eis, läuft ein Großteil blind, die Smartphones haben Vorrang. Ich kann mich vor Unfällen nur schützen, indem ich die Eisfläche verlasse.
    Eine Antwort
    • Redaktion
      Redaktion vor 11 Monaten
      Danke für dieses Beispiel. Es zeigt, dass Medienkompetenz eine Fähigkeit ist, die im Alltag alle Altersgruppen herausfordert. Deshalb ist es so wichtig, das Thema ganzheitlich anzugehen.

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