Silvia Wirth

MEDICA 2017 | High-Tech-Prothesen: Unterstützung oder Upgrade? 

Prothesen sind längst nicht mehr nur Hilfsmittel, die dazu dienen, ein Handicap auszugleichen. Inzwischen sind die künstlichen Körperteile so ausgereift, dass im Profisport ein Streit darüber entbrannt ist, ob Sportler mit Prothesen Wettbewerbsvorteile haben.

Ausnahmesportler zu Gast im MEDICA ECON FORUM

Genau diese Frage beschäftigt den Weitspringer Markus Rehm. Der 29-Jährige ist dreifacher Paralympics-Sieger und vierfacher Weltmeister, seit 2011 ist er ungeschlagen. Mit 8,40 Metern Sprungweite hält er den Weltrekord in seiner Klasse. Und mit dieser Distanz hätte er auch locker die Bühne des ECON FORUM by TK überspringen können, auf der er am dritten Tag der MEDICA zu Gast war. Rehm verlor als 14-Jähriger bei einem Wakeboard-Unfall sein rechtes Bein unterhalb des Knies. Beim Sport ersetzt ein C-förmiges Stück Carbon seinen Unterschenkel.

„Sind künstliche Arme und Beine bald besser als die eigenen?“, lautete die Leitfrage des Panels zum Thema High-Tech-Prothesen. Für Profisportler ist diese Frage entscheidend, da sie für Athleten wie Rehm oder Oscar Pistorius, die mit Prothesen locker mit den Leistungen der nicht-amputierten Sportler mithalten können, darüber entscheidet, ob sie auch an Wettbewerben der nicht-behinderten Sportler teilnehmen dürfen.

Dr. Steffen Willwacher untersucht die Leistungsfähigkeit von Prothesen.

1:1 für die Carbon-Prothese

Der Sportwissenschaftler Dr. Steffen Willwacher ist dieser Frage nachgegangen und kommt zu einem zwiegespaltenen Ergebnis. Beim Laufen, also beim „Anlaufholen“ für den Sprung, ist die Carbon-Prothese ein Nachteil für Rehm. Er ist langsamer als nicht-amputierte Sportler. Beim Absprung wiederum ist die effizientere Kraftspeicherung ein Vorteil.

Nächster Schritt: Die Prothese fühlen

Von den Technologien der neuen Prothesen profitieren nicht nur Spitzensportler wie Rehm, vielen Amputierten erleichtern sie den Alltag. Welche Möglichkeiten die neuen Generationen der Prothesen bieten erläuterte der dritte Teilnehmer des Panels, Adam Baier, Orthopädietechnikermeister bei Endolite Deutschland. Ziel sei es, die Bewegungsabläufe des Menschen mit einem Hilfsmittel möglichst naturgetreu zu imitieren. Der nächste Trend in der Prothetik sei die Sensorik. Amputierte sollen in Zukunft ihre Prothesen fühlen können, sodass die Aktivitäten von Armen oder Beinen noch genauer in Bewegung übersetzt werden können.

Auch Rehm sieht noch Verbesserungspotenzial in der Prothesenversorgung: „Für mich wäre es ein großes Stück Lebensqualität, wenn ich nicht mehr drei verschiedene Prothesen dabeihaben müsste. Springen, gehen und schwimmen – derzeit gibt es kein Modell, das alle drei Funktionen vereint.“


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