Yvonne Wagner

Programmieren im Kindergarten

Tablet, iPad, Smartphone – diese digitalen Medien gehören für Kinder heutzutage zum Alltag. Aber wie steht es mit ihrer Medienkompetenz? Und wie kann man diese fördern? Wir haben uns schlau gemacht.

Benjamin Wockenfuß ist Social Media Manager und Suchttherapeut. Er unterstützt Kinder, Eltern und pädagogische Fachkräfte mit speziellen Workshops und Seminaren dabei, ihre individuelle Medienkompetenz zu verbessern. Im Auftrag der Hessischen Landesstelle für Suchtfragen (HLS) e. V. und der TK ist Wockenfuß aktuell mit dem Projekt „DigiKids – Medienkompetenz für Kinder ab vier Jahren“ in Frankfurter Kindergärten unterwegs.

Computer sind vor allem zum Arbeiten da

In der Kita „Kids & Co.“ tippeln zehn muntere Kindergartenkinder unruhig hin und her, bevor sie endlich den Gruppenraum stürmen dürfen. Benjamin Wockenfuß will den Vorschulkindern beibringen, was es heißt, einen Roboter zu programmieren. Sind sie nicht viel zu klein für ein so komplexes Thema? Ganz und gar nicht, findet Wockenfuß. In seinen Workshops gehe es nicht um ein verfrühtes Informatikstudium, sondern darum, grundsätzliche Zusammenhänge zu verstehen – und das könnten auch schon Kita-Kinder. Ziel der Initiative „DigiKids“ ist es, früh die Medienkompetenz der Kleinen zu stärken. Dazu gehört auch, die neuen Medien zu entzaubern und sie für Kinder als gewöhnliche Gebrauchsgegenstände begreifbar zu machen.

„Welche technischen Geräte kennt ihr denn so?“, fragt Wockenfuß in die Runde. “ iPad! Computer! Tablet! Smartphone!“, rufen die Kinder durcheinander. Einig sind sich alle, dass Computer und Tablets erst mal zum Arbeiten da sind, aber auch zum Spielen oder eben zum Filme anschauen.

Roboter spielen – Programmieren verstehen

„Und wenn ihr an einen Roboter denkt, was braucht man dafür, damit der funktioniert?“, fragt Wockenfuß. „Na, die Fernbedienung“, sagt Marlene, und Teresa weiß auch, dass Batterien, Knöpfe und vielleicht Kabel dafür wichtig sind. Dass in jedem Fall erst einmal ein Mensch die Initiative ergreifen muss, um den Roboter zu bedienen, ist den Kindern noch nicht bewusst.

Benjamin Wockenfuß erklärt das Roboterspiel: „Hand auf den Kopf heißt stehen bleiben.“

Genau das lernt die Gruppe nun ganz praktisch und spielerisch beim Roboter-Spiel: Paarweise finden die Kinder sich zusammen und stellen sich jeweils hintereinander auf. Vorne der Roboter, hinten der Programmierer. Die „Programmierer“, das sind jetzt David, Marlene und Nicolas, die ihren „Roboter“ mit ihren Händen programmieren, also funktionstüchtig machen und steuern.

Die Hand am Rücken des Roboters heißt geradeaus, auf der rechten Schulter nach rechts, auf dem Kopf heißt stehen bleiben. „Sieger ist, wer den Roboter zuerst ins Ziel steuert“, sagt Wockenfuß. Doch die meisten Roboter sind irgendwann losgerannt und haben den Kontakt zu ihrem Programmierer verloren. Im zweiten Anlauf klappt es schon viel besser. Alle bekommen genug Zeit, um ein besseres Gefühl für ihre Rolle zu entwickeln. So verinnerlichen sie, dass der Programmierer die korrekte Information liefern muss, damit der Roboter nach Wunsch aktiv wird.

Medienkompetenz heißt auch, „nein“ sagen zu können

Auf einmal blinkt es auf der Fensterbank, eine Sirene heult und zieht die Aufmerksamkeit der Kinder auf sich. „Das ist Dash“, erklärt Wockenfuß. „Er ist ein echter Roboter.“ Die Neugier auf Dash ist riesig, sofort stellen sich fast alle Kinder in einer Reihe auf, um ihn mit dem Tablet zu steuern. Allein Masha schaut sich lieber erst einmal alles in Ruhe an. Später wird sie sich auch noch trauen, Dash zu bedienen. Sie bekommt aber die Zeit dafür, die sie braucht. Bei DigiKids geht es nicht nur darum, Medienkompetenz aufzubauen, sondern auch darum, Kindern die Wahl zu lassen. Das spielerische Erleben soll gefördert, aber nicht erzwungen werden. Schließlich gehört zu einer gut ausgebildeten Medienkompetenz auch, sich gegen Medien zu entscheiden.

Nach rund 90 Minuten Reden, Spielen, Lachen und Ausprobieren ist der Workshop zu Ende. Auf die Frage, was man denn nun braucht, um einen Roboter zu bewegen, antwortet Nicklas: „Eine Fernbedienung, Batterien, Kabel… und mich.“ Und Marlene ergänzt: „Also den Menschen.“ Genau – denn am Anfang jeder Technik steht der Mensch. Lernziel erreicht, auch ohne Informatikstudium.


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1 Kommentar

  • Claudia F.

    Die Programmierung liegt mir am Herzen, da meine Tochter seit kurzer Zeit sehr interessiert ist, zu verstehen, wie Apps funktionieren. Daher habe ich mich etwas schlau gemacht und bin über Scratch gestolpert. Das ist eine gute Programmiersprache für Kinder, so wie das auch in diesem Beitrag beleuchtet wird. Es gibt ein paar gute Bücher, die ich hier gefunden habe: https://kinderprogrammieren.de


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