Christian Tiesmeyer

30 Jahre Mauerfall: „Eine Aufbruchstimmung, die ihresgleichen suchte“

30 Jahre Mauerfall: Die Vereinigung von Ost und West versetzte einst das ganze Land in Aufbruchstimmung. Auch in der TK standen die Zeichen auf Veränderung – und gleichzeitig war es eine Rückkehr zu ihren Wurzeln. Christian Tiesmeyer begibt sich auf Spurensuche.

Als Kind der 90er bin ich im vereinten Deutschland geboren und aufgewachsen. Für mich gehören Ost und West zusammen. Anders kenne ich es gar nicht. Doch für viele Menschen ist es ganz anders. Für sie war es etwas ganz besonderes, zum ersten Mal die Grenze zwischen Ost- und Westdeutschland zu überqueren und eine neue Region zu entdecken, die ihnen lange versperrt war.

Für die TK bedeutete der Mauerfall auch die Rückkehr in die Region, in der sie einst gegründet wurde – nämlich 1884 in Leipzig. Um einen Einblick in die Aufbruchstimmung der Wendezeit zu bekommen, habe ich mich in der TK auf Spurensuche begeben und mit Zeitzeugen gesprochen, die den Mauerfall hautnah miterlebt haben.

Mit dem TK-Wohnmobil durch Ostdeutschland

Harald Hohenwald ist seit 43 Jahren bei der TK beschäftigt.

Harald Hohenwald aus Berlin war damals einer der ersten Mitarbeiter, der nach Ostdeutschland fuhr. „Wir sind an einem Samstag im Sommer 1990 zum Ostberliner Alexanderplatz gefahren und haben über die Einführung der Sozialversicherung und das Angebot der TK informiert. Die TK hat dafür extra ein Wohnmobil angemietet“, erinnert sich der 61-Jährige, der bereits seit 43 Jahren für die TK tätig ist. Die Tour mit dem Info-Mobil führte viele westdeutsche TKler nach Ost-Berlin, Leipzig oder Potsdam – Orte, die sie noch nie zuvor gesehen hatten.

Der offizielle Dienstbetrieb begann im Osten aus politischen Gründen erst 1991. Nachdem Harald Hohenwald im Sommer 1990 mit dem TK-Info-Mobil unterwegs war, unterstützte er im darauffolgenden Winter den Aufbau der ersten ostdeutschen Dienststelle in der Berliner Mollstraße. „Zur Anfangszeit gab es kaum funktionierende Technik und zunächst nur eine provisorische Satellitenverbindung zur Hauptverwaltung“, berichtet er.

Plötzlich ganz neue Möglichkeiten

Bei der Bewältigung der zahlreichen neuen Mitgliedsanträge bekam Hohenwald Unterstützung von zwei jungen Kolleginnen aus Ostdeutschland, Saskia Münch und Ute Seidler. Sie standen zur Wendezeit am Anfang ihrer beruflichen Karriere und hatten plötzlich ganz neue Möglichkeiten. „Ich bin ganz unbeschwert in die neue und aufregende Zeit gestartet und habe mich nach einem Tipp bei der TK beworben. Heute bin ich dankbar für meinen tollen Arbeitsplatz“, erklärt Seidler.
Angelika Krczal half nach der Wende beim Aufbau der Geschäftsstelle Dresden.

Angelika Krczal half damals beim Aufbau der Geschäftsstelle Dresden mit. Auch für sie war es aufregend, zum ersten Mal nach Ostdeutschland zu kommen. „Wir haben uns in der Schule Bilder vom Erfurter Dom angeschaut. Unser Lehrer sagte, dass wir den Dom wegen der Mauer wohl nie in echt sehen werden, was ich sehr traurig fand“, erinnert sich Krczal. Doch dann kam alles anders: „Es war eine tolle Erfahrung, nach der Wende zum ersten Mal die neuen Bundesländer zu besuchen. Noch heute mache ich jedes Jahr Urlaub in Ostdeutschland“, so die Teamleiterin aus Stuttgart.

„Alle wollten dabei sein“

Die TKler sind sich einig, dass die Wendezeit die Menschen zusammengeschweißt hat. „Alle wollten dabei sein und beim Aufbau der Geschäftsstellen im Osten mithelfen. Mit einigen Kollegen aus Ostdeutschland bin ich bis heute freundschaftlich verbunden“, berichtet Krczal. Harald Hohenwald stimmt zu: „Die Wendezeit war durch ein großes Miteinander geprägt. Es war eine Aufbruchstimmung zu spüren, die ihresgleichen suchte.“

Für mich ist es kaum vorstellbar, was für ein Umbruch der Fall der Mauer gewesen sein muss. Doch anhand der Berichte der TK-Kollegen kann ich zumindest erahnen, was sechs Jahre vor meiner Geburt passiert ist.


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2 Kommentare

  • Gabriela Hohenwald

    Ich habe am 2.1.1989 bei der TK angefangen und kann mich noch gut daran erinnern, dass die damalige HV gar nicht schnell genug Prospekte und Werbematerial nach Berlin schicken konnte. Es wurde uns alles aus den Händen gerissen.
    In der Mollstr. bin ich immer wieder die Warteschlange abgelaufen und habe NA Anträge eingesammelt. Manchmal waren wir dem Ansturm fast nicht gewachsen. Aber wir haben es letztendlich doch geschafft !

    • Redaktion

      Hallo Frau Hohenwald! Herzlichen Dank für Ihre Geschichte – wir freuen uns sehr über jeden Input. Vielleicht erinnern sich ja noch weitere TK-Mitarbeiter an ganz persönliche Anekdoten… Schöne Grüße von der Redaktion


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