Luise Zink

„Gemeinsam Klasse sein“ gegen Mobbing an Schulen

„Gemeinsam Klasse sein“ ist ein bundesweites Schulprojekt gegen Mobbing und Cybermobbing. Als Sozialpädagoge am Gymnasium Finkenwerder in Hamburg war Holger „Holly“ Hülsemann von Anfang an dabei und berichtet von seinen Erfahrungen.

Herr Hülsemann, warum ist es für Sie so wichtig, sich mit dem Thema Mobbing auseinanderzusetzen?

Mobbing ist eines der großen Themen unter Schülerinnen und Schülern auf dem Schulhof. Aus der Beratung weiß ich, dass hohe Fehlzeiten in der Schule, krank sein und zu Hause bleiben oder sich während der Schulzeit früher abmelden häufig mit Mobbing zu tun haben. Aus diesem Grund finde ich es wichtig, hier sehr früh und präventiv tätig zu werden. Und das nicht nur als Sozialpädagoge, sondern als Schule insgesamt.

Was lernen die Schüler im Projekt?

Sie lernen erst einmal, was Mobbing und Cybermobbing ist, nämlich dass jemand wiederholt und über einen längeren Zeitraum negativen Handlungen von einem oder mehreren Individuen ausgesetzt ist. In verschiedenen Bausteinen des Projektes erkennen sie, worauf es im Umgang miteinander in der Klasse ankommt und wie sie sich gegenseitig helfen können.

Hilfe holen ist kein Petzen, sondern dient der Gerechtigkeit!

Sie lernen, dass Worte verletzen können und dass Mobbing auch strafrechtlich verfolgt werden kann. Am Ende steht für alle der Satz: „Hilfe holen ist kein Petzen, sondern dient der Gerechtigkeit!“

Was ist das Besondere an „Gemeinsam Klasse sein“?

Aus meiner Sicht ist das Online-Format sehr einfach im Unterricht oder in einer Projektzeit umzusetzen. Die einzelnen Module bauen gut aufeinander auf, man kann sie aber auch nach eigenen Ideen verändern oder austauschen. Neu und sehr wichtig ist für die Kinder und Jugendlichen das Modul zum Cybermobbing. Hier wird den Schülern verdeutlicht, welche rechtlichen Konsequenzen Cybermobbing für sie haben kann und welche Auswirkungen Cybermobbing auf die Betroffenen hat.

Wie kommt das Projekt bei den Schülern an?

Sie nehmen das Projekt sehr ernst, es ist für sie genauso wichtig wie Deutsch, Mathe und Englisch. Die Eltern berichten, dass Themen aus dem Projekt jetzt auch zu Hause umgesetzt werden, etwa „keine Handys beim Abendessen“. Die Schüler können sich in Rollenspielen gut in die einzelnen Personen hineinversetzen. Sie wissen am Ende des Projektes, an wen sie sich bei Mobbing und Cybermobbing wenden können und wo diese Person in der Schule ihren Raum hat. Viele Schüler wollen auch nach dem Projekt nicht aufhören, sie setzen sich weiter mit dem Thema auseinander und besprechen es beispielsweise im Klassenrat.

Fotos: Cecilia  Aretz

Hintergrund

In Kooperation mit der Beratungsstelle Gewaltprävention der Schulbehörde Hamburg hat die TK 2008 einen „Anti-Mobbing-Koffer“ mit Lehrmaterialien zum Thema Mobbing für die Klassenstufen fünf bis sieben entwickelt. Die Online-Plattform „Gemeinsam Klasse sein“ holt die Inhalte des „Anti-Mobbing-Koffers“ ins digitale Zeitalter. Das gesamte Material wurde fachlich überarbeitet und zeitgemäß digital aufbereitet. Ein neuer Schwerpunkt liegt auf dem Umgang mit Cybermobbing.


Kommentieren Sie diesen Artikel

Lädt. Bitte warten...

Der Kommentar konnte nicht gespeichert werden. Bitte überprüfen Sie Ihre Eingaben.


Lesen Sie hier weiter

Lennart Paul Lennart Paul
Lea Römer Lea Römer
Judith Hausmann