Lyn Ermel

Innovationsreport 2020: Wie viel darf ein Medikament kosten?

Zwei Millionen Euro für eine Spritze? Zolgensma® gilt derzeit als teuerstes Medikament der Welt und wird in der Therapie der Spinalen Muskelatrophie (SMA) eingesetzt. Im Innovationsreport 2020 haben wir die Behandlungsoptionen unter die Lupe genommen.

Die seltene Erbkrankheit SMA betrifft meistens Kinder. Durch das Absterben bestimmter Nervenzellen bildet sich ihre Muskulatur so stark zurück, dass sie oftmals nicht mehr alleine sitzen, laufen, essen oder atmen können. Nun soll ein neues Medikament jedoch ermöglichen, dass sich der Gesundheitszustand der betroffenen Kinder stabilisiert oder sogar verbessert.

Gerade aus ethischer Sicht wurde heftig diskutiert, ob ein solches Vorgehen zu rechtfertigen ist.

Im Dezember 2019 kündigte Novartis® ein Härtefallprogramm an, in dem 100 Dosen des Medikaments Zolgensma® verlost werden sollten. Dies begründete das Pharmaunternehmen damit, dass die Herstellung des Medikaments sehr aufwendig und teuer sei. Das sorgte natürlich für Schlagzeilen. Gerade aus ethischer Sicht wurde heftig diskutiert, ob ein solches Vorgehen zu rechtfertigen ist. Das Paul-Ehrlich-Institut, zuständig für die Zulassung und Chargenfreigabe von Arzneimitteln in Deutschland, stimmte dem Härtefallprogramm im Februar 2020 jedoch zu. Die europaweite bedingte Zulassung erhielt Zolgensma® dann im Mai 2020.

Bereits im Jahr 2017 wurde eine Therapieoption gegen SMA auf dem deutschen Markt zugelassen: Spinraza®. Gemeinsam mit der TK hat ein Expertenteam der Uni Bremen Spinraza® genauer unter die Lupe genommen und hinsichtlich Preis, Nutzen und Therapiealternativen bewertet. Das Ergebnis kann man im Innovationsreport 2020 nachlesen.

Arzneimittelinnovationen fordern das Gesundheitssystem finanziell heraus

Der Innovationsreport 2020 zeigt, dass die Kosten pro Packung neben Spinraza® bei fünf weiteren neuen Arzneimitteln im fünfstelligen Bereich liegen. Im Vergleich zum vorherigen Jahrgang stieg der durchschnittliche Preis pro Packung von den 2016er- zu den 2017er-Medikamenten um 140 Prozent.

„Neue Behandlungsansätze rufen zum Teil Preise auf, die noch vor einigen Jahren unvorstellbar waren. Sie stellen unser Gesundheitssystem vor große finanzielle Herausforderungen, die wir auch als Gesellschaft diskutieren müssen“, sagt Dr. Jens Baas, Vorsitzender des Vorstands der TK.


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