Johanna Küther

Leben retten per App

Eine Befragung der TK zum „World Restart a Heart Day“ ergibt: Jeder Vierte in Deutschland traut sich nicht zu, Erste Hilfe zu leisten. Hand aufs Herz, ich gehöre zu jenen 25 Prozent, die im Ernstfall kalte Füße bekommen. Die neue App „TK-RescueMe VR“ soll das ändern – mithilfe von Virtual Reality (VR).

Bei vielen Befragten liegt der letzte Erste-Hilfe-Kurs lange zurück.

Mein letzter Erste-Hilfe-Kurs liegt erst zwei Jahre zurück. Dennoch bringt mich die Vorstellung, das Gelernte blitzschnell abzurufen und anzuwenden, ins Schwitzen – und ich habe im wahrsten Sinne des Wortes Berührungsängste. Damit bin ich in Deutschland nicht allein: Zwar haben laut Forsa-Umfrage der TK 93 Prozent der Befragten schon einmal an einem Erste-Hilfe-Kurs teilgenommen. Gleichzeitig gibt aber jeder Vierte an, sich im Notfall nicht zuzutrauen, Erste Hilfe zu leisten. Das wiederum verwundert nicht, wenn man einen näheren Blick auf die Zahlen wirft: Bei rund 23 Prozent liegt die Teilnahme am Erste-Hilfe-Kurs bereits mehr als 20 Jahre zurück.

Mit einem „Cardboard“ bin ich mitten in der Szene

Um das zu ändern, hat sich die TK mit dem Deutschen Rat für Wiederbelebung (GRC) zusammen getan und die „TK-RescueMe VR„-App entwickelt. Diese simuliert eine interaktive Notfallsituation, in der es auf jede Sekunde ankommt. Die App bietet so ein niedrigschwelliges Angebot, sein Wissen aufzufrischen. Die Anwendung lässt sich ab sofort kostenlos in einem der App Stores herunterladen. Ich konnte den Piloten vorab testen. Mit dem Einsatz eines „Cardboards“ kann es losgehen. Das ist eine für kleines Geld erhältliche Halterung aus Pappe oder Kunststoff, mit der sich ein Smart Phone unkompliziert zur Virtual-Reality-Brille umbauen lässt.

Fünf bis sechs Zentimeter tief muss ich drücken

Während das Herz des virtuellen Kollegen im Büro stehen bleibt und er neben dem Wasserspender zu Boden sinkt, schlägt meines plötzlich deutlich schneller – es fühlt sich alles doch überraschend echt an. Zum Glück bin ich nicht alleine, sondern begleitet von meinen KollegInnen und einer freundlichen Stimme aus dem Off. Diese lotst mich durch eine Reihe von Fragen, was als Nächstes zu tun ist.

Dass bei der Wiederbelebung durchaus die Rippen knacken können, erinnere ich noch – nicht jedoch, dass man dabei tatsächlich fünf bis sechs Zentimeter tief in den Brustkorb drücken sollte. Ich habe stets die Wahl zwischen zwei Antworten, wobei eine tickende Uhr meinen Adrenalinpegel konstant hoch hält. So ist die Erleichterung groß, als am Ende endlich der Notarzt eintrifft und dem Kollegen geholfen werden konnte. Zugebenermaßen nicht dank meiner fundierten Kenntnisse in Sachen Wiederbelebung, sondern dem Einsatz der weiteren KollegInnen in der um mich herum geschaffenen Bürowelt geschuldet.

Mein Fazit: Ein bisschen Herzklopfen und große Erleichterung, dass es – so realistisch es sich auch anfühlt – kein Ernstfall war. Viel wichtiger jedoch: die Überzeugung, dass, sollte dieser doch eintreten, ich beherzter zur Tat schreiten kann. Denn beim nächsten Mal bin ich besser vorbereitet.


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1 Kommentar

  • Dieter Reiber, ibf-institut & bi-labor

    Wiederbelebung ist toll, wenn man es kann. Noch viel wichtiger, ist jedoch Praevention und Praeventivmedizin falls man es gelernt hat. Die wichtigste Medizin ist doch: eine Krankheits-Entwicklung von Anfang an – mit Intelligenz basierter Medizin – zu vermeiden.
    Das kostet nur 1/4 und dient den Beitragszahler als mehrfache Entlastung. So wie es Finnland schon immer mit 1/3 Beitrag zeigt. Geht doch, wenn man nur will!


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Yvonne Wagner Yvonne Wagner