Nicole Battenfeld

„mamly“: Vom Report über die Studie zur App

Die App „mamly“ unterstützt werdende Mütter in der Schwangerschaft und hilft dabei, Stress zu reduzieren. Ziel ist, eine möglichst stressfreie, natürliche Geburt zu fördern. Aber wie entsteht so eine App eigentlich?

Am Anfang stand der TK-Geburtenreport: Dafür hatte die TK Routinedaten ihrer Versicherten zu Kaiserschnitt und Frühgeburt analysiert, mit dem Ziel, Zusammenhänge zwischen den Erkrankungen von Mutter und Kind und dem Geburtsmodus zu erforschen.

Stress, Angst und Depressionen führen häufig zum Kaiserschnitt

Besonders ein Ergebnis der 2017 veröffentlichten Auswertung erregte die Aufmerksamkeit von Professorin Dr. Stephanie Wallwiener: „Wie sich schon in anderen Studien zuvor angedeutet hatte, leiden Schwangere häufiger als gedacht unter Stress, Angst oder Depressionen. Oft entbinden sie dann per Kaiserschnitt, auch wenn dieser medizinisch nicht unbedingt notwendig wäre.“ Entgegen mancher Vorstellung sei die operative Entbindung für Mutter und Kind aber meist nicht die Lösung für bestehende Probleme, so die Frauenärztin. Es entstünden Risiken für Folgeschwangerschaften und die Kinder hätten später ein erhöhtes Risiko für Atemprobleme und Allergien. Außerdem bliebe die eigentliche Stresssituation unbehandelt.

Frauenärztin und Erfinderin von mind:pregnancy Professorin Dr. Stefanie Wallwiener.

Das Innovationsfondsprojekt „mind:pregnancy“

So entstand die Idee, über ein systematisches Screening psychisch belastete Schwangere in Baden-Württemberg zu identifizieren und zu untersuchen, ob ein Hilfsangebot in Form eines Online-Achtsamkeitstrainings ihnen bei der Bewältigung ihrer Probleme helfen kann. Das Innovationsfondsprojekt „mind:pregnancy“ war geboren.

Ab Mitte 2018 wurden so in Baden-Württemberg mehr als 5.000 Schwangere in teilnehmenden gynäkologischen Praxen gescreent, von den 1.144 als auffällig identifiziert wurden. Frauen, die mildere Anzeichen von Störungen der Stimmungslage zeigten, wurden eingeladen, an einem onlinebasierten Selbsthilfeangebot zur Achtsamkeit teilzunehmen. „Das Konzept hat uns überzeugt. Deshalb waren wir von Anfang an als eine von zwei Kassen an Bord und konnten zahlreichen Versicherten die Teilnahme ermöglichen“, erklärt Lena Zwanzleitner, Projektverantwortliche bei der TK.

Hoher Bedarf an mentaler Geburtsvorbereitung

Noch während das Innovationsfondsprojekt andauerte, bestätigte sich die Vermutung von Stephanie Wallwiener, dass ein Achtsamkeitstraining vielen Bedürfnissen von verunsicherten Schwangeren entsprechen könnte: „Schon als junge Fachärztin hatte ich oft das Gefühl, dass manche Schwangere einen hohen Bedarf an Begleitung und mentaler Geburtsvorbereitung haben, der im Rahmen der Regelversorgung bislang nicht abgedeckt werden kann.“

Um möglichst vielen Betroffenen einen niedrigschwelligen Zugang zum von Gynäkologinnen, Psychotherapeutinnen und Hebammen erdachten Achtsamkeits-Konzept zu ermöglichen, war die logische Konsequenz nun die Entwicklung einer entsprechenden App. „Wir als TK sind immer interessiert an sinnvollen digitalen Gesundheitsanwendungen und haben gerne bei der technischen und fachlichen Umsetzung unterstützt“, so Zwanzleitner.

Die App ist Achtsamkeitstrainerin, Schwangerschafts-Expertin, Yogalehrerin und Coach in einem und damit eine echte Innovation.

Lena Zwanzleitner, Versorgungsmanagerin bei der Techniker Krankenkasse

„mamly“-App als Schwangerschaftsbegleitung für TK-Versicherte

Mit dem Ergebnis, dass sich seit März 2022 bei der TK-versicherte werdende Mütter ihre digitale, achtsame Begleitung durch die Schwangerschaft in Form der App „mamly“ herunterladen können. „Die App ist Achtsamkeitstrainerin, Schwangerschafts-Expertin, Yogalehrerin und Coach in einem und damit eine echte Innovation unter den zertifizierten Medizinprodukten“, betont die TK-Projektverantwortliche. Wenn die Situation eine schnelle und persönliche Beratung erfordert, bietet die Schwangerschafts-App sogar bis zu drei Coaching-Termine mit einer Expertin oder einem Experten an – natürlich ebenfalls komplett flexibel und digital per Videotelefonie.

Die App "mamly" und ihre Funktionen.

Die „Erfinderin“ von mind:pregnancy Stephanie Wallwiener sieht mamly als Weiterentwicklung des Projekts: „Um ein umfassendes Screening in der Regelversorgung anbieten zu können, muss klar sein, was hinterher mit auffälligen Schwangeren passiert. Entsprechende Versorgungswege sind aber in Deutschland nicht etabliert. Aus diesen Erfahrungen haben wir gelernt und dies in mamly umgesetzt: Hier findet ein Screening in der App statt und wird von dem dahinterstehenden Team ausgewertet. Ist eine Schwangere oder frisch gebackene Mama auffällig, so kann sie in der App ihren Coachingtermin vereinbaren. Das sichert die fachlich korrekte Weiterbehandlung, unabhängig von lokalen Strukturen.“

Weitere Informationen

Eine genaue Beschreibung wie auch den Link zum Download der App „mamly“ finden sie hier.



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2 Kommentare

  • Christian

    oh schade, nur die Mütter?!
    Ich bin überzeugt, dass auch die Väter einen erheblichen Beitrag zur Stressreduktion leisten können…

    • Redaktion

      Hallo Christian, das können und sollen die Väter natürlich! Bei der App geht es allerdings darum, über ein systematisches Screening psychisch belastete Schwangere zu identifizieren und zu untersuchen, ob ein Hilfsangebot in Form eines Online-Achtsamkeitstrainings helfen kann und in der Folge auch die natürliche Geburt befördert werden kann. Da sind Männer dann doch nicht die Kernzielgruppe. 😉 Schöne Grüße, die Wir-Techniker-Redaktion