Eigentlich möchte man nur schnell sein Handy laden, doch wer das Ladekabel in eine Tasche geschmissen hat und dann wieder rausholt, ist meist erstmal mit „Entkuddeln“ beschäftigt. Genau dieser ‚Kabelsalat‘ ist ein gutes Sinnbild dafür, wie chaotisch der Weg in und durch die Gesundheitsversorgung für viele Patientinnen und Patienten ist. Dabei geht es hier doch um eine vermeintlich simple Frage: Wer kann am besten weiterhelfen?
Die "BMC Transformers", die das Young Professionals-Programm des BMC absolvieren, haben selbst eine Session zu Primärversorgung angeboten
Problem ‚chaotische Versorgung‘ bekannt – Lösungsideen auch
Was die Ursache für die chaotischen Behandlungspfade betrifft, sind sich alle einig: Fehlende Koordination und mangelnde Zielgenauigkeit führen in Deutschland zu einem Nebeneinander aus Über- und Fehlversorgung. Eine Folge: lange Wartezeiten für Arzttermine und große Unzufriedenheit bei den Patientinnen und Patienten. Gleichzeitig rückt die angespannte Finanzsituation im Gesundheitswesen immer stärker in den Fokus, insbesondere auch da die hohen Ausgaben im internationalen Vergleich nicht zu einer außerordentlichen Qualität führen.
Doch auf dem BMC-Kongress ist auch Optimismus zu spüren: Denn die Klarheit über Probleme und Lösungsideen macht den Weg frei, um gegenzusteuern – in Richtung eines Primärversorgungssystems. Zwei Schlüsselfaktoren dabei: gute digitale Prozesse und eine bessere Aufgabenteilung.
BMC-Kongress
Der BMC-Kongress ist ein jährlich stattfindender Dialog- und Innovationskongress für Akteure der Gesundheitsbranche. Veranstaltet vom Bundesverband Managed Care, treffen sich Expertinnen und Experten in Berlin, um über die Zukunftsthemen aus Politik und Praxisalltag zu diskutieren und die Transformation des Gesundheitswesens voranzutreiben. Im Fokus stehen Themen wie Primärversorgung, moderne Versorgungsstrukturen und Prävention.
Digitale Zugangspunkte schaffen
Klassische Anlaufstellen im Gesundheitswesen sind oft überlastet – Stichwort Notaufnahmen. Deshalb ist es so wichtig, neue digitale Zugangspunkte zu nutzen, die bisher eher vernachlässigt werden. Dabei zeigt die Erfahrung mit digitalen Ersteinschätzungstools oder telemedizinischen Beratungen in einigen Regionen, dass Digitalisierung die ‚Vor-Ort-Versorgung‘ entlasten kann. Der Shift zu regelhaften digitalen Prozessen in der Versorgung setzt aber auch einen Kulturwandel voraus – bei medizinischem Personal wie auch den Patientinnen und Patienten.
Fast jede:r Dritte hat Schwierigkeiten, die passende Arztpraxis zu finden
Beim Thema (digitale) Ersteinschätzung, die auch das Gesundheitsministerium für das Primärversorgungssystems plant, herrscht Einigkeit: Eine zentrale Einschätzung, die Patientinnen und Patienten auf den richtigen Versorgungspfad führt, ist ein entscheidender Faktor für ein gutes Primärversorgungssystem.
Versorgung als Gemeinschaftsaufgabe
Keine Berufsgruppe im Gesundheitswesen kann allein die Versorgung stemmen. Doch im Gegensatz zu anderen Ländern setzt Deutschland noch immer den Fokus vor allem auf Ärztinnen und Ärzte. Dabei ist es auch in Anbetracht des Fachkräftemangels nötig, Versorgungsaufgaben auf mehr Schultern zu verteilen. Für ein funktionierendes Primärversorgungssystem braucht es daher ein besseres Zusammenwirken der verschiedenen ‚Versorger‘ – ob Ärztin, Apotheker, Pflegefachkraft oder Physiotherapeut. Erst die verschiedenen Kompetenzen medizinischer Fachkräfte erzeugen das Gesamtbild, was für eine gute Behandlung notwendig ist. Beim BMC-Kongress machten Berichte von interdisziplinären Gesundheitsteams aus Slowenien und Polen den Mehrwert deutlich.
Digital vor ambulant vor stationär: Primärversorgung für mehr Effizienz
Neue Ansätze statt alter Methoden führen zum Ziel
Um die aktuellen Probleme zu bewältigen, müssen neue Ansätze her – Methoden von gestern führen in unserem Gesundheitssystem nicht zum Ziel. Viele Ideen für eine bessere Primärversorgung liegen bereits auf dem Tisch. Wichtig ist nur, dass diese neuen Ideen mit der geplanten Systemreform wirklich im Alltag der Patientinnen und Patienten ankommen.